Nicht mehr als ein Ernteschaden – gemeinfrei

Vor einiger Zeit hatte ich bereits über den Kornkreis-Unfug berichtet und auf ein Video verwiesen, in dem minutiös aufgezeigt wird, wie Kornkreise entstehen. Das hält jedoch wie in jedem Jahr nicht einmal angeblich seriöse Magazine davon ab, über solche Kornkreise zu spekulieren. Im Rahmen des zunehmend verfallenden Qualitätsjournalismus – den LeserInnen schon lange mit der Lupe suchen müssen und zumeist nicht mehr finden – schreibt etwa der derzeit sowieso schon in die Kritik geratene SPIEGEL in seinem Onlinemagazin darüber. Und das ausgerechnet auf seiner Wissenschaftsseite. Dort steht als Bildunterschrift, dass die Entstehung der Kornkreise „Rätsel“ aufgeben würden. Tja, liebe Journalisten, auch hier wäre eine zweiminütige Recherche nicht schlecht gewesen und hätte bessere Einsichten gebracht. Doch darauf hoffen wir inzwischen wohl völlig vergebens.

Von den Esoterikanhängern, die alljährlich in Scharen zu den Kornkreisen strömen und in den Mustern Nachrichten von Ausserirdischen („Wir lieben Euch“) entdeckt haben wollen, erwartet man ja schon lange nichts anderes mehr. Mit Pendeln und anderem Firlefanz messen sie magische Energie, die angeblich von solchen Aktionen der mehr als ärgerlichen Erntezerstörung ausgehen. Manche sind gar davon überzeugt, dass sie im plattgemachten Bereich die „Energetik“ ganz ohne Hilfsmittel spüren. Kornkreise sind inzwischen richtige Pilgerstätten des esoterischen Blödsinns geworden. Und da wir in unserem Land Wert auf Religionsfreiheit legen, darf jeder an alles glauben, auch wenn es der größte Schwachsinn ist.

Denn tatsächlich ist das alles nichts weiter als pure Einbildung. Kornkreise erzeugen real weder besondere Energien, noch übermitteln sie irgendwelche geheimen Botschaften von liebesgepeinigten Ausserirdischen. Die völlig banale Entstehung der Kornkreise ist nicht erst seit dem Video bekannt. Im auf Neutralität bedachten Wikipedia steht schon lange der Eintrag über das Outing von zwei Herren, die wiederholt Kornkreise zum Spaß angelegt hatten. Ende der 70er Jahre kamen die beiden in einer Kneipe aus einer Bierlaune heraus auf die Idee, Ringe in Getreidefeldern anzulegen. Nachdem die Medien jedoch natürliche Ursachen für das Phänomen verantwortlich machten, dachten sie sich komplexere Muster aus. Erst 1991 haben sie sich zu der Urheberschaft bekannt, und das auch nur deshalb, weil einer der beiden aufgrund des hohen Benzinverbrauchs von seiner eigenen Frau der Untreue verdächtigt wurde (Quelle, vorletzter und letzter Absatz).

Doch auch solche Erkenntnisse ficht unsere Freunde des möchtegern-ausserirdischen Wahnsinns nicht an. Sie sehen darin eine Art Botschaft höherentwickelter Lebewesen aus dem All. Doch nüchtern betrachtet ist das mehr als idiotisch. Mal ganz im Ernst: wenn es wirklich solche Ausserirdischen gäbe, die nichts besseres zu tun hätten, als den beschwerlichen Weg von ihrem Planeten hierher zu fliegen und unverständliche Muster in einem Getreidefeld anzubringen, dann will ich wirklich mit diesen vertrottelten Kommunikationsversagern nichts zu tun haben. Das muss ja eine völlig verblödete Spezies sein, die nicht in der Lage ist zu landen und „Hallo“ zu sagen. Echt jetzt. Wie bescheuert müssen solche Spezies eigentlich sein, die es nicht schaffen, mit Menschen anders zu kommunizieren als über dämliche Kornkreismuster?

Abgesehen davon sind Kornkreise auch noch deshalb ärgerlich, weil sie einen nicht unerheblichen Sachschaden für den Landwirt bedeuten. Nicht nur durch den Kornkreis selbst, sondern auch noch durch die Horden einfallender EsoterikerInnen, die bei der Suche nach energetischem Umsinn das noch stehende Getreide niedertreten und den Schaden vergößern. Häufig beläuft sich die Schadenssumme je nach Größe der Kornkreise und Eso-Horden im vierstelligen Bereich. Die umgeknickten Halme sind für die Ernte verloren, der Mähdrescher kann sie nur zum Teil oder gar nicht aufnehmen.

Insofern ist die einzige konsequente Antwort des Bauern auf einen Kornkreis, das Feld entweder umgehend abzumähen oder sich den Schaden durch die einfallenden EsoterikerInnen auf Umwegen ersetzen zu lassen. Da sie bekanntermaßen gerne eine Menge Geld für ihren Glauben an überirdische Kräfte, energetische Botschaften und besondere ausserirdische Strahlungen hinzulegen bereit sind, kann jeder Bauer auf seinem Kornkreisfeld Eintritt nehmen und Steine, Erdklumpen oder umgeknickte Halme lukrativ verkaufen. Da kann so ein gewöhnlicher Stein, angeblich „energetisiert“ durch Kornkreis und Ausserirdische, durchaus 469,- € bringen. Umgeknickte Halme aus dem Bereich könnte man unter Hinweis auf die besondere „Energiestruktur“ des Halms sicher gut für 50,-€ das Stück verkaufen. Die Höhe der Preise regelt natürlich wie immer die Dummheit Nachfrage der KäuferInnen. Ausserirdische Energetik ist eben nicht billig!

Wer sich als Landwirt jedoch mit dem ganzen Komplex des kruden Blödsinns nicht abgeben will, sollte das Feld einfach abmähen und umpflügen, bevor die esoterischen Horden einfallen. Dann ebbt der Kornkreiswahn schnell ab. Zudem werden die Erzeuger des Kornkreises im nächsten Jahr sicherlich davon absehen, sich die Arbeit auf diesem Feld noch einmal zu machen, wenn die ausgefeilten Kornkreismuster umgehend am nächsten Tag ohne großes Aufhebens niedergemäht werden. Insofern ist dann, wie der Bauer zu sagen pflegt: „ganz schnell a Ruh!“.

Hier geht es zum Video über die Erstellung eines Kornkreises.

gemeinfrei