In einigen Diskussionen wird mir manchmal von Gesprächsteilnehmern ein Buch passend  zu dem geführten Gesprächsthema empfohlen oder pauschal auf den Inhalt eines solchen Buches verwiesen. Das geschieht vor allem dann, wenn ich mich über ein bestimmtes Thema mit jemanden kritisch auseinander setze und aufgrund meiner Vorliebe für eine möglichst rationale und wissenschaftsorientierte Argumentation mal wieder nicht zu überzeugen bin. Im Normalfall sind Bücher ja dann eine feine Sache, wenn in eigenen Denkstrukturen Wissenslücken vorhanden sind, von denen ich mich genausowenig wie jeder andere freisprechen kann. Oft werden jedoch Bücherempfehlungen oder Inhaltsverweise gerade bei esoterischen, homöopathischen oder anderen quacksalberischen Themen ausgesprochen, manchmal auch bei dem Thema Nahtoderfahrung und seit meinem Kirchenaustritt vermehrt bei Gesprächen über theologische Inhalte. Gerade bei letzterem werden mir in letzter Zeit eine Reihe von Büchern nicht nur empfohlen, sondern gar noch verbunden mit der Prophezeiung einer ganz sicher zu erwartenden tiefen Erkenntnis und der eindrücklichen Bitte, sie deshalb auch unbedingt zu lesen, von dem entsprechenden Gesprächspartner persönlich übergeben.

Auch in den Kommentarbereichen meines oder anderer Blogs berufen sich manche der Schreiberlinge auf bestimmte Bücher und nennen gleich noch den Verlag. Das tun sie zumeist jedoch, ohne sich innerhalb der laufenden Diskussion konkret auf eine bestimmte Stelle in dem Buch zu beziehen, welche ihre gerade geführte Argumentationslinie unterstützen könnte. Manchmal werden gar gleich mehrere Bücher genannt, und man gewinnt den Eindruck, dass der Wortführer mit der Vielzahl der genannten Werke nicht nur die Wahrhaftigkeit der eigenen Aussage unterstreichen will, sondern vielmehr seine eigene weitere fehlende Argumentationsfähigkeit überspielt . Ganz nach dem Motto, er habe deshalb recht, weil die Buchautoren das genauso sehen wie er.

Tatsächlich aber macht es aus mehreren Gründen in den meisten Fällen keinen wirklichen Sinn, die vorgeschlagenen Bücher zu lesen. Soweit die Literatur sich nicht konkret auf wissenschaftliche Grundlagen bezieht weiss ich in der Regel schon vorher, dass dieselben keine neuen Erkenntnisse liefern werden und ich sie deshalb auch gar nicht zu lesen brauche. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob ich mir ein theologisches Buch vornehme oder eines der zahlreichen Neuerscheinungen über Nahtoderfahrungen, bei denen ultimativ davon berichtet wird, dass hinter solchen Erfahrungen mehr stecken soll als rein biologische Vorgänge. Auch in der gesamten Bücherschau über angeblich funktionierende esoterische Heilslehren findet sich nichts grundlegendes an neuen Erkenntnissen. Demzufolge kann ich mir das Lesen gleich ersparen. Ich bin zunehmend der Ansicht, dass mich all diese Bücher in keinster Weise voranbringen, solange sie sich nicht auf wissenschaftliche Art und Weise mit der Materie auseinander setzen, und seien sie noch so toll geschrieben. Gerade in Sachen Alternativmedizin gibt es eine Vielzahl Erklärungsbücher, warum diese funktionieren soll, doch in Wirklichkeit haben all diese Bücher nichts zu bieten.

Ebenso ergeht es mir mit den gesamten aufgeschriebenen Erfahrungen und philosophisch-theologischen Begründungen, die mir überhaupt nicht vermitteln können, warum etwa hinter Nahtoderfahrungen oder bestimmten persönlichen Erleuchtungsereignissen, etwa die eines Eben Alexander („Ich war im Himmel“), mehr stehen soll als rein religiöses Wunschdenken. Von der Vielzahl anderer esoterischer oder theologischer Autoren ganz zu schweigen. Sie alle sind für mich im Hinblick auf einen Erkenntnisgewinn des Lesens nicht wert und reine Zeitverschwendung.

Das mag im ersten Moment ziemlich stur klingen, manche werden sicher sofort von völliger Einseitigkeit oder naturwissenschaftlich geprägtem Dogmatismus reden, aber letztendlich ist diese Einstellung ganz einfach zu begründen.
Natürlich kann jeder solche Bücher lesen, etwa um zu erfahren, wie andere Menschen denken oder um sich mit dem Inhalt einen gemütlichen Leseabend zu machen. Zur Untermauerung von Argumenten sind solche Bücher jedoch völlig untauglich.
Das liegt vor allem daran, dass im Gegensatz zur naturwissenschaftlichen oder populärwissenschaftlichen und zum Teil auch zur geisteswissenschaftlichen Fachliteratur gerade theologische und esoterische Bücher im Grunde niemals zu rationalen und überprüfbaren Kernaussagen gelangen bzw. gelangen können. Solche Aussagen befinden sich nämlich auf einer Ebene, deren Überprüfung im Prinzip jederzeit und von jedermann auf den Wahrheitsgehalt hin überprüft werden kann, auch wenn das im Hinblick auf die Umstände, die eine solche Überprüfung bei manchen Disziplinen machen würden (etwa in der Astronomie oder bei einem Teilchenbeschleuniger), nur theoretisch vorhanden ist. Zumindest kann ich mich hier jedoch auf den wissenschaftlichen Konsens verlassen, der aufgrund der dauerhaften Überprüfung durch einer Vielzahl von Forschern entstanden ist. Das gilt im Prinzip auch für deren Theorien, die zwar oft hochspekulativ sind, hin und wieder auch wieder fallen gelassen werden, dennoch aber dann in jedem Falle als Theorie bis zur einer möglichen Überprüfung offen bleiben, wenn diese auf einem wissenschaftlich fundierten Grund stehen. Ohne eine solche Basis werden Theorien zumeist schnell wieder verworfen.

Dagegen gibt es im Hinblick auf theologischen oder esoterischen Lesestoff weder rationale Grundlagen noch überprüfbare Kernaussagen, die mich im Hinblick eines Erkenntnisgewinns weiterbringen würden. Davon sind auch solche Autoren nicht ausgenommen, die sich selbst zwar beruflich auf der Ebene der Naturwissenschaften bewegen, in ihren Büchern aber völlig ohne Evidenz in´s Blaue hinein spekulieren. Wenn also etwa der Neurowissenschaftler Eben Alexander davon spricht, dass er aufgrund seiner Nahtoderfahrung „im Himmel“ war und darüber ein Buch schreibt, so mag das eine persönliche Erfahrung von ihm sein. Doch die ist genauso rational kernlos wie all die in letzter Zeit vermehrt auftretenden Aussagen älterer Wissenschaftler, die urplötzlich den rationalen Boden der Naturwissenschaften verlassen und mit altersängstlichem Geschreibsel ganze Bücher über die angeblich hohe Wahrscheinlichkeit eines Lebens nach dem Tod füllen (ich hatte hier schon einmal dazu etwas geschrieben). Solche Bücher enthalten alle keine Kernaussagen, die auch nur ansatzweise überprüfbar wären. Vielmehr erfüllen sich die Autoren damit ein persönliches Wunschdenken zu einer eigenen postmortalen Existenz.

Doch warum bin ich mir da so sicher, ohne die meisten der in Diskussionen empfohlenen Bücher überhaupt gelesen zu haben?
Auch hier ist die Begründung völlig unkompliziert. Wenn nämlich eines dieser Bücher nachvollziehbare und überprüfbare Aussagen enthalten würde, vor allem auch noch im Hinblick auf greifbare neue Erkenntnisse, dann wären diese nicht nur ein für die Naturwissenschaften interessantes Gebiet, sondern vielmehr bereits Teil der Forschung. Diese Logik gilt in jedem Falle für nahezu alle alternativmedizinischen Quacksalbereien, zu der auch ganz eindeutig die Homöopathie zählt und die ausgenommen dem unermüdlichen Vorbeten angeblicher Funktionsweisen keinerlei Neuigkeiten zu bieten hat. Das ist auch kein Wunder, denn nach rd. 200 negativen Studien ist das Thema absolut durch und vorbei. Neue umwerfende Erkenntnisse wird es schon deshalb nicht mehr geben, weil ausserhalb des viel beschworenen Placeboeffekts die Homöopathie völlig wirkungslos ist und auch bisher immer wirkungslos war. Insofern muss ich über die angeblich tolle Wirkungsweise homöopathischer Präparate nichts mehr lesen.

Auch im Hinblick auf Religion und Theologie kann keines der bisher erschienenen Bücher irgend ein rational nachprüfbares Argument über die Existenz einer überirdischen Instanz liefern. Es gibt bis heute keinen einzigen rationalen und überprüfbaren Grund, warum ich das Dasein einer solchen  Instanz annehmen soll. Insofern hat die Theologie die gleiche Wertigkeit wie die Homöopathie, denn beide basieren auf nichts weiterem als auf von Menschen festgeschriebene Regeln und Erfahrungen. Das eine Werk nennt sich Organon der Heilkunst, das andere Bibel, und mit beiden werden bis heute die ihr anhängenden Theorien begründet. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob der Autor einer solchen Schrift Hahnemann, Matthäus oder Johannes heisst oder das Werk 200 oder 2000 Jahre alt ist. Beiden ist gemein, dass sie keine rationalen oder überprüfbaren Erkenntnisse liefern und ihre Daseinsberechtigung ausschliesslich aus dem reinen Glauben an die aufgeschriebenen Texte ziehen.

Und selbst in solchen Büchern, die sich zumindest halbwegs auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse beziehen, diese jedoch von den Autoren wie am Beispiel Eben Alexander mit theologischen Inhalten unzulässigerweise vermischen, haben die Schreiber über die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse hinaus absolut nichts zu bieten, was irgendwie die Welt bewegen könnte. Wenn Alexander versucht, mit Hilfe seines Fachgebietes seine Reise in den Himmel zu begründen, so bleibt davon letztendlich nicht mehr übrig als eine reine Spekulation, die weder physikalisch noch biologisch eine Basis hat und demzufolge rational betrachtet überhaupt keinen Sinn macht. Da nützt es auch nichts, das neu aufgekommene Neurogeschwafel unter dem idiotischen Namen „Neurotheologie“ zu führen.

Insofern ist das Angeben solcher Bücher in Gesprächen und Diskussionen völlig sinnentleert. Ich lese nur noch Bücher, die mit einer oder mehreren überprüfbaren Kernaussagen aufwarten können und deren Basis ich jederzeit selbst überprüfen kann. Aus diesem Grund bitte ich zukünftig darum, in Diskussionen entweder aus einem Buch direkt zu zitieren, so daß ich auf das vorliegende einzelne Argument antworten kann. Oder aber man unterläßt den Hinweis auf solche Bücher ganz einfach, weil es sowieso nichts bringt. Ich werde sicherlich nicht wegen einer kurzen Diskussion ein ganzes Buch kaufen und lesen, schon gar nicht solche, in denen Autoren aus naheliegenden Gründen und erwartungsgemäß rationale und überprüfbare Kernaussagen schlichtweg nicht leisten können. Dazu ist mir meine Lebenszeit wirklich zu schade.