Am 8. April, also vor drei Tagen, ist der in Bamberg geborene Schriftsteller und Religions-/Kirchenkritiker Karlheinz Deschner in einem Krankenhaus in seinem Wohnort kurz vor der Vollendung seines 90. Lebensjahres gestorben. Deschner widmete sein Leben vorwiegend kritischen Schriften zur Religion und Kirchengeschichte, ganz besonders der Kriminalgeschichte des Christentums, die unter dem gleichnamigen Titel von ihm als zehnbändiges Werk vorliegt. 

Deschners Werdegang zum Kirchenkritiker begründet sich nicht nur in einem Erlebnis in den fünfziger Jahren. Nach Studium der neuen deutschen Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie und der abgeschlossenen Promotion 1951 folgte die Heirat mit Elfi Tuch. Die Verbindung der beiden stieß jedoch aufgrund einer vorausgegangenen Scheidung Tuchs auf Kritik der Kirche und verlangte von dem Paar allen Ernstes, die „sündige“ Ehe umgehend wieder aufzulösen. Da sie sich gemeinsam weigerten, wurden sie an vier Sonntagen hintereinander im Gottesdienst der Kirche eines fränkischen Orts im Steigerwald im Beisein von Deschners Mutter namentlich zur Beendigung des sündigen Verhältnisses aufgefordert und letztendlich kurzerhand vom damaligen Würzburger Bischof Julius Döpfner exkommuniziert (Quelle1, Quelle2).
Eine ausführlichere Geschichte dazu findet sich im Redebeitrag zum 80. Geburtstag Deschners von seinem langjährigen Lektor Hermann Gieselbusch.

Deschner hatte seine Bücher stets unter dem Motto „Aufklärung ist Ärgernis: Wer die Welt erhellt, macht ihren Dreck deutlicher“ geschrieben und wurde gerade durch seine Kriminalgeschichte des Christentums zu dem wortgewaltigsten und ausführlichsten Kirchenkritiker unserer Zeit. In seinen Werken zeichnete er gnadenlos die Blutspur des Christentums, den tödlichen Glaubenseifer und die weitreichenden Verstrickungen der Kirche in tödliche Kriege, sadistische Machtspiele und Intrigen nach, die bis heute weder aufgearbeitet noch gesühnt sind.
Deschner war beim Schreiben stets das, was er selbst von sich behauptete, nämlich ein Schreiber „aus Feindschaft. Denn die Geschichte derer, die ich beschreibe, hat mich zu ihrem Feind gemacht„(Quelle).

Für seine ausführlichen Werke wurde Karlheinz Deschner mit einer Vielzahl von Preisen geehrt, unter anderem auch mit dem Arno-Schmidt-Preis und dem Alternativen Büchnerpreis. Die Giordano Bruno Stiftung hat einen Deschner-Preis ins Leben gerufen, dessen erster Träger seit 2007 der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins ist.

Als weiteren Nachruf über Karlheinz Deschner soll an dieser Stelle ein beeindruckender Dokumentarfilm eingebunden werden, den die Dokumentarfilmerin Ricarda Hinz, Atheistin und Mitglied der Giordano-Bruno-Stiftung, 1998 über Deschner gedreht hat (ein weiteres sehenswertes Video von ihr über den Düsseldorfer Kruzifix-Skandal wurde hier in meinem Blog bereits vor ein paar Wochen eingebunden).

Das nun folgende spannende Video unter dem Titel „Die hasserfüllten Augen des Herrn Deschner“ wurde bereits auf mehreren Festivals vorgeführt. Merkwürdigerweise ist diese Dokumentation jedoch bei den Sendeanstalten regelmäßig in den Religionsredaktionen versackt und wurde demzufolge nie gesendet (Quelle). Der Film zeigt unaufgeregt nicht nur einen aussergewöhnlichen Schriftsteller und brillanten Kirchenkritiker, sondern fängt ebenso Stimmen der Befürworter und Kritiker Deschners ein.

Ricarda Hinz – Die hasserfüllten Augen des Herrn Deschner
Teil1/7,
Teil2/7, Teil3/7, Teil4/7, Teil5/7, Teil6/7, Teil7/7


Direktlink  Teil1/7 zum Youtube-Video
Mit freundlicher Genehmigung von Ricarda Hinz