Neuer Faschingsspaß im Kindergarten: Hexen quälen, gemeinfrei

In einer evangelischen Gemeinde in Wiesbaden sind zum Fasching im Kindergarten bestimmte Verkleidungsthemen wie Teufel, Hexen oder Zauberer nicht erlaubt, weil nach Ansicht des Pfarrers Friedrich-Wilhelm Bieneck dieser Kult „für Gott“ein Gräuel sei. Der Kindergarten feiert demzufolge auch kein Halloween, weil dies kein christliches Fest ist. Das berichtete der Standard.at am Freitag in seiner Online-Ausgabe. Das ganze ist schon deshalb ziemlich idiotisch, weil Fasching und Faschingsumzüge vor allem im südlichen Raum ohne den Hexenkult kaum denkbar wären. Insofern interpretiert da ein Pfarrer die alte Schwarte Bibel wieder einmal recht evangelikal, also fundamentalistisch, was bei dem derzeitigen Niedergang der Kirche kein Wunder ist. Dennoch hätte ich einige Verbesserungsvorschläge für kirchengerechte Faschingsverkleidungen.

Um zukünftig zu vermeiden, dass sich die Kleinen mit solch abergläubischen Dingen beschäftigen, empfehle ich an dieser Stelle statt Hexen und Zauberer die Kinder entsprechend der christlichen Tradition mit rein kirchlich geprägten Themen auszustatten. So kann man sie etwa in Kostüme der spanischen Inquisition oder der sadistischen Kellerfolterer mit LED-glühenden Eisenattrappen stecken. Auch wäre sicherlich eine Verkleidung als blutverschmierter Kreuzritter oder gar als brennender Scheiterhaufen lustig anzusehen (natürlich ebensfalls nur mit einem LED-Feuer ausgestattet, man will ja nicht gleich den Kindergarten abfackeln). Auch neuere kirchliche Themen wären durchaus geeignet. So könnten sich die Kinder auch als pädophile Priester, als sadistische Kinderheim-Nonnen oder als Gläubige mit verletzten religiösen Gefühlen verkleiden. Die Themenweite innerhalb der Kirche ist in dieser Hinsicht in jedem Falle äußerst ergiebig. Und es hat den Vorteil, dass dies alles zum offensichtlichen Erscheinungsbild der christlichen Kirche gehört. Da kann niemand mehr wirklich meckern, oder?

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Der englische Mathematiker John Lennox hat in einem Vortrag im Forum Wiedenest in Bergneustadt den Vorwurf von Wissenschaftlern, Gott sei ein reiner Lückengott, der stets in die bisher unentdeckten wissenschaftlichen Lücken verschoben werden würde, als falsch bezeichnet. Lennox: „Wenn man Gott als Lückenbüßer definiert, dann muss man zwischen Gott und Naturwissenschaft wählen, weil man Gott so definiert hat. Aber diese Definition hat nichts mit dem Gott der Bibel zu tun.„(Quelle). Er begründet das in seinem Vortrag damit, dass die Erforschung eines Autos im Hinblick auf die Ingenieure Bewunderung erzeugen würde, ohne die Ingenieure selbst zu kennen. Ebenso sei es mit dem Schöpfer und der Natur. Je mehr man forschen würde, umso mehr könnte man den Konstrukteur dahinter erkennen.
Das ist gelinde gesagt schon so blödsinnig, dass es einem gruselt. Lennox macht mit dieser Geschichte nämlich nichts anderes als das, was den Theologen seitens der Wissenschaftler vorgeworfen wird und Lennox als falsch bezeichnet, nämlich Gott in die Wissenslücke des angeblichen Konstrukteurs oder Verursachers zu schieben. Somit sind wir wieder beim verschobenen Lückengott. Er lehnt also genau das ab, was er selbst postuliert. Das ist schon wirklich facepalmverdächtig.

Zudem kenne ich das Märchen von den bewunderten Ingenieuren aus gänzlich anderen Kommentaren. Zum Einen sind Konstruktionen häufig so dermaßen schlecht, dass manche dem Ingenieur gegenüber kaum zu verhehlende Aggressionen hegen („wie kann man nur so blöd sein..!“), wenn wie letztens erlebt zum Öffnen einer Schraube oder zum Auswechseln einer Birne das halbe Fahrzeug zerlegt werden muss und nach einer simplen Modifikation durch den Mechaniker dies nun ganz einfach geht.
Zum Anderen soll mir doch im Hinblick darauf jemand erklären, warum ein Konstrukteur uns mit Sehfehlern, Krebs, Mord und Totschlag, Neid und Habgier und der Unberechenbarkeit ausgestattet hat. Entweder war der Konstrukteur betrunken, hatte einen launigen Tag oder ist völlig minderbemittelt, anders könnte ich mir einen solchen göttlichen Hersteller des Lebens wirklich nicht vorstellen.

Es ist wirklich schwer verwunderlich, mit welch simpler und einfältiger Argumentation manche versuchen, die Ahnungslosigkeit ihrer Zuhörer auszunutzen. Umso schlimmer, dass Wissenschaftler wie Lennox, denen eine gewisse tiefe logische Denkweise in ihrem Fachgebiet nicht abzusprechen ist, zum Thema Religion plötzlich auf eine unlogische Art und Weise argumentieren, als sei ihnen die dreiviertel des Gehirns abhanden gekommen. Vielleicht sollten sie sich lieber auf ihr Fachgebiet beschränken, aber anscheinend wollen viele Wissenschaftler gegen Ende ihres Lebens nichts weiter, als einfach ihren A ihr Bewusstsein vor dem endgültigen Tod retten.