Der typische Jahresrückblick am Ende des Jahres ist eine jährlich wiederkehrende Marotte Angelegenheit sowohl der Medien als auch – häufig auf das persönliche Leben bezogen – mancher BloggerInnen. Ich selbst mache das nicht so gerne, denn den Blick in die eigene Vergangenheit halte ich für nutzlos. Es spielt nämlich tatsächlich keine Rolle, ob man nur ein Jahr oder viele Jahre zurückschaut. Wenn einem in letzter Zeit nicht allzu Negatives widerfahren ist, gibt es nicht einmal einen psychologischen Grund, beim Wechsel der Jahreszahl mit der Vergangenheit bedeutungsschwanger abzuschließen. Dagegen jedoch und in Verbindung mit dem Älterwerden vermehrt sich beim Blick in die Tiefe der eigenen Vergangenheit zunehmend eine etwas verquere Sehnsucht nach der guten alten Zeit, völlig unabhängig vom tatsächlichen Zeitraum. Im Extremfall hört man so etwas sogar von Menschen, die zwischen den Grausamkeiten eines Krieges aufgewachsen sind.

Die Erinnerungen an reale Ereignisse sind demzufolge stets völlig unzuverlässig, egal ob sie nur ein Jahr oder mehrere Jahrzehnte zurückliegen. Die zunehmend aus der Distanz erinnerten Ereignisse werden genauso zunehmend durch selektive und einseitige Gedächtnisprozesse umgeformt. Das Schlechte wird ausgeblendet, das Gute bleibt in Erinnerung und wird als Ereignis erhöht. Zusätzlich stellt sich später bei vielen Menschen beim Zurückblicken die Marotte ein, in dem Ablauf und der Kombination vergangener Ereignisse einen Sinn für den eigenen Lebensweg zu erkennen. Viele sind dann der Ansicht, dass alles genauso passieren sollte und musste, um sie an diesem Punkt zu bringen. Doch das ist nichts weiter als ein rein religiöses Fantasieprodukt, denn ein solcher „vorgegebener“ Sinn würde voraussetzen, dass dieser bereits unabhängig von einem selbst vorhanden war. Aberglaube lässt grüßen.

Insofern halte ich persönliche Rückblicke über das eigene Leben für völlig unerheblich bis überflüssig. Ich gehöre zu den Menschen, die Erlebtes gleich und sofort auf recht einfache Art und Weise „verdauen“. Alle Dinge, die sich als nützlich und tauglich erwiesen haben werden in das eigene Leben eingebaut. Was nicht taugt, wird mit einem Achselzucken „über die Schulter“ geworfen und vergessen. Insofern mache ich mir über vergangene Ereignisse und Entscheidungen niemals weitere Gedanken. Bei letzterem auch nicht über ihre Richtigkeit, wenn sie nicht mehr korrigiert werden können. Ein Lebenssinn der Ereignisse existiert nicht.

Aus all den Gründen gibt es heute keinen Jahresrückblick, sondern lediglich ein großes Dankeschön an alle LeserInnen und KommentarschreiberInnen. Dazu zähle ich auch so manche Trolle, die unermüdlich Kommentare schreiben, obwohl ihre Texte inzwischen ungelesen in die Spamabteilung wandern und automatisch gelöscht werden. Aber immerhin erhöhen sie mit ihren häufigen Zugriffen den Wert meines Blogs nicht unerheblich ($$$).😉

Ansonsten wünsche ich allen einen schönen Übergang in das neue Jahr. Und mit dem Pilzbild möchte ich daran erinnern, dass man auch in schwierigen und nahezu ausweglosen Situationen immer fröhlich bleiben sollte – warum auch immer. Viel Glück in 2014!😀

LebenslageBild: Nesselsetzer CC BY-NC-SA 4.0 (zum Vergrößern anklicken)