AusschnittKA

Screenshot Austrittsantrag

Auf einem Empfang der SPD auf der EKD-Synode hat Frank-Walter Steinmeier zum Ausdruck gebracht, dass ihn die vielen Kirchenaustritte betrüben, wenn diese aufgrund von medialen Ereignissen innerhalb den Kirchen konfessionsübergreifend geschehen würden. „Bei manchen Kirchenmitgliedern habe sich der Unmut über ihre Kirche über Jahre angesammelt und sei nun durch die Diskussion um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zum Überschwappen gebracht worden„, so Steinmeier (Quelle).

Nun hat Steinmeier zwar damit recht, dass die meisten Austritte aus den Kirchengemeinschaften aufgrund von medial aufbereiteten Vorfällen oder einem über Jahre hinweg angesammelten Unmut vollzogen werden, also im Prinzip aufgrund von vielen Ereignissen irgendwann ein Fass zum Überlaufen gebracht wurde. Allerdings hat er den bis zu diesem Zeitpunkt langen Weg der „Jetzt-reichts“-Ausgetretenen vernachlässigt, deren langjährige persönliche Entfremdung von der Kirche in Wirklichkeit der Hauptgrund für den Austritt ist. Viele der Abtrünnigen nämlich raffen sich erst durch solche medialen Ereignisse auf, den Gang zu den entsprechenden Behörden anzutreten und den Austritt einzuleiten. Dann nämlich ist für viele auch im sozialen Umfeld die Berechtigung eingetreten, gegenüber dem vor allem auf dem Land noch halbwegs intakten religiösen und sozialen Umfeld einen Grund liefern zu können, warum man selbst aus der vermeintlich intakten Gruppe der Gläubigen ausschert. Dazu zählt auch häufig der vorgebrachte Hinweis, man würde selbstverständlich noch an Gott glauben, aber man sei eben mit seinen irdischen Vertretern unzufrieden.

Das hängt auch explizit damit zusammen, dass sowohl der regelmäßige Kirchgang als auch sämtliche Aktivitäten innerhalb der Kirche inzwischen vollständig als Privatsache angesehen werden, der Glaube an Gott aber immer noch nicht. Ob jemand in der Kirche seinen Glauben praktiziert oder nicht hat keinen öffentlichen Stellenwert mehr. Wer jedoch nicht an Gott glaubt stellt auch den Glauben all derjenigen im Umfeld infrage, die zwar ebenso längst ausgetreten sein können, dennoch an eine schicksalhafte Verknüpfung zwischen dem Glauben an Gott und ihrem Leben festhalten. Letztendlich versteckt sich nämlich darin die Angst, nicht der Austritt aus der Kirche, aber eine umfassende Verleugnung Gottes ziehe auch für den Ausgetretenen unabwägbare Konsequenzen nach sich, und die will er in jedem Falle vermeiden. Schliesslich schadet es ja nicht, weiterhin an eine übergeordnete Instanz zu glauben und somit das Wohlwollen dieser Instanz für das eigene Schicksal zu erhalten.

Diese tiefe Indoktrination seitens einer krakenartigen Kirche hat bis heute seine Wirkung nicht verfehlt und mündet immer noch in eine unterschwellig religiöse Gesellschaft. Das deckt sich auch mit einer nicht repräsentativen Statistik vom Oktober 2013 auf Kirchenaustritt.de, nach der 57% der Ausgetretenen als Grund ihre Unzufriedenheit mit der Institution Kirche, 24% die Kirchensteuer und nur 13% den fehlenden Glauben an Gott angegeben haben. Insgesamt 6% hatten andere Gründe oder wollten nicht austreten. Insofern finden immerhin insgesamt 81% der Ausgetretenen andere Gründe als die Verneinung einer religiösen übernatürlichen Instanz, um den Kirchen den Rücken zu kehren und den Schritt im sozialen Umfeld und vor sich selbst zu legitimieren. Noch ist nämlich nicht nur auf dem Land, sondern auch noch in den städtischen Gebieten – wenn auch nicht mehr so intensiv – die Religion im kulturellen Leben und in den einzelnen Gruppen verwurzelt, auch wenn der Abstieg des christlichen Kulturgutes mit beschleunigten Schritten absehbar ist.

Tatsächlich aber hatten die meisten der Ausgetretenen schon lange überhaupt keinen Bezug mehr zur Religion oder gar zu einer überirdischen Instanz. Weder praktizieren sie nämlich real irgendwelche Glaubensrituale noch sprechen sie im Normalfall Gebete zu dem Gott, an den sie nach wie vor glauben wollen. Letztendlich wird dieser Gott einfach nur für Notfälle behalten, um in unsicheren Zeiten, etwa gesundheitlich oder beruflich, sich auf eine überirdische Instanz berufen zu können und auf deren Hilfe zu hoffen. Die tiefe Indoktrination der Kirche hat hier ganze Arbeit geleistet, die meisten Menschen sind derzeit nicht in der Lage, sich vollständig emotional und verstandesgemäß von dem religiösen Konzept zu lösen, und sei es aus Unsicherheit oder aus Angst.

Die Kirche hat mit ihrem Einfluss auf den Staat, auf die Schulen und auf das kulturelle Leben manipulativ bisher ganze Arbeit geleistet. Auch deshalb gehört der verpflichtende Religionsunterricht an staatlichen Schulen vollständig abgeschafft und in den privaten Bereich zurück gedrängt. Ob nämlich jemand an Gott glaubt oder nicht ist seine reine Privatangelegenheit. Die durch den Staat zugelassene Indoktrination für das ganze Leben durch Religionen welcher Herkunft auch immer ist und bleibt letztendlich ein staatlich unzulässiger Vorgang. Das ist eines neutralen Staates nicht würdig. Der deutsche Staat sollte sich insofern ein Beispiel an Frankreich nehmen, deren konsequente Religionspolitik und staatliche Neutralität für Europa richtungsweisend sein sollte. Werft endlich die Religionen aus den Schulen!