Beutler – Torments of Hell
gemeinfrei

Es gibt einen alten Witz, in dem ein soeben Verstorbener in der Hölle vom Teufel persönlich empfangen und darauf hingewiesen wird, dass er sich nun entgegen der irdischen Lehre im Paradies befände und ab sofort sämtliche Annehmlichkeiten als Ausgleich zum schweren Erdenleben zur Verfügung stehen. Als dann der Teufel in einem Höllenrundgang dem Verblichenen die verschiedenen Wohlfühlplätze zeigt, entdeckt dieser etwas weiter entfernt eine große Senke, in der eine Gruppe Menschen im Feuer schmoren und große Qualen erleiden. Auf die Frage, was es denn mit diesen Menschen auf sich hätte, erhält er vom Teufel die Antwort: „Ach, das sind Christen, die wollen das so.“

Solche Witze sind dem Weihbischof von Salzburg, Andreas Laun, sicherlich suspekt. Der als Novize im tiefschwarzen Bistum Eichstätt eingenordete Priester ist als einer der letzten Windmühlen-Kreuzzügler gegen die von ihm als Krankheit bezeichnete Homosexualität über Österreichs Grenzen hinaus bekannt geworden. Neuerdings jedoch brandmarkt er die auch von seinen eigenen Schäfchen zunehmend favorisierte Nichtexistenz der Hölle als „Irrlehre“ und spart dabei auch nicht mit markigen Worten. So rückt er sie in einem kruden Vergleich in die Nähe terroristischer Machenschaften: „Diese Irrlehre verhält sich, um ein anderes Bild zu verwenden, wie ein „Schläfer“ im Sinn eines Terroristen, der sich lange unauffällig verhält, aber eines Tages „aufwacht“ und „zuschlägt“(Quelle).

Laun vermag als Moraltheologe durchaus den Wert der theologischen Untergrabungen seitens der Höllenverweigerer spüren. Mit dem Verlust der Hölle verliert sich nämlich nicht nur die Ernsthaftigkeit diverser moralischer Einschüchterungen und somit kirchlicher (und damit auch persönlicher) Macht, sondern ebenso den durch Hölle und Teufel personifizierten Schrecken des Bösen. Doch wo nichts Böses ist braucht auch kein strahlender Held des Guten zu sein, und damit verblasst zunehmend die Sinnhaftigkeit und die Wertigkeit eines guten und barmherzigen Gottes. Eine Darstellung des Guten ohne das Böse ist völlig sinnentleert. Wer keine Angst vor dem Bösen hat, braucht auch keine barmherzige Errettung durch einen allmächtigen Schöpfer, denn wer will schon gerettet werden, wenn es gar nichts gibt, vor dem man nach seinem Ableben gerettet werden möchte.

Insofern folgt in der Ablehnung der Hölle zwangsläufig eine umfassende Verstümmelung der christlichen Lehre, in der solche Tugenden wie Demut und Gehorsam von unten und Gnade und Barmherzigkeit von oben auf Güte und Schrecken basieren und christliche Machtstrukturen zementieren. Launs Mahnung an die Christen geht deshalb offenbar unbewusst viel tiefer, nämlich dass mit der Verneinung eines Teils der kirchlichen Lehre auch der gesamte theologische Rest des christlichen Glaubensgebildes in sich zusammenstürzen könnte. Beliebigkeit darf deshalb keinen Platz haben, will man das religiöse Gebäude erhalten. Aus diesem Grund wurde in den vergangenen Jahrhunderten mehr als eifersüchtig darüber gewacht, dass sich niemand erdreistete, den religiösen Inhalten eine andere Bedeutung als der offiziellen aus Rom zuzusprechen. Vieler solcher dennoch in Erscheinung getretene Häretiker landeten im Kerker oder auf dem Scheiterhaufen, ihre (Irr-)Lehren wurden brutal unterdrückt.

Für die christlichen Glaubensfundamente sind Gut und Böse inklusive dem ewigen Kampf beider Positionen miteinander der Grund allen Seins. Gäbe es das Böse in Form der Hölle nicht, wäre jeglicher christliche Glaubensinhalt, jede beschriebene Form von Demut und Gehorsam, Gnade und Barmherzigkeit völlig überflüssig. In dieser Lehre von Gut und Böse stört selbst die logische und theologische Inkontinenz Inkonsequenz nicht, wie denn ein allmächtiger Gott das Böse überhaupt zulassen kann oder muss. Insofern hat die immer wieder zu Recht als unwissenschaftlich bezeichnete Theologie bis heute weder philosophisch noch logisch befriedigende Darlegungen liefern können, warum ein allmächtiger Gott überhaupt eine Hölle benötigt.  Nicht einmal die großen Denker der Theologie mit ihren ausgefeiltesten Thesen konnten eine plausible Begründung bieten, die einigermaßen Bestand gehabt hätte. Jedes Argument dazu bleibt letztendlich in unauflösbare Widersprüche verstrickt. Insofern ist die Standardausrede bei verzweifelnden Theologen beliebt, die vielen offenen Fragen seien einfach ein großes Geheimnis.

Viel schlimmer als die Erkenntnis für Laun, dass die christliche Lehre ohne Hölle sinnentleert bis überflüssig wird ist jedoch seine Aussage, dass die mit dem Verlust der Hölle und der damit verbundenen zwangsläufigen Entwicklung zur Irrelevanz des Glaubens die Vorstufe zum Terrorismus sei, indem er die Irrlehre als „Schläfer“ bezeichnet. Insofern sind die Vertreter der Irrlehre heutzutage nicht mehr Häretiker, sondern ganz modern und populistisch Terroristen gegen die kirchliche Wahrheit und Moral.

Dieser krude Vergleich offenbart den Weg fundamentalistischer Haudrauftheologen, über deren Friedfertigkeit in Zukunft durchaus Zweifel angebracht sein dürften. In einer Linie mit anderen christlichen und fundamentalistischen Vereinigungen wird der verzweifelte Kampf um die Hoheitsrechte von Moral und Glauben deutlich zunehmen. Den Niedergang der christlichen Kirchen wird das jedoch nicht mehr aufhalten. Auch ohne dem Verlust der Hölle wird das Christentum zunehmend unerheblich und unwichtig. Das komplette Zurückdrängen religiöser Strukturen in den Hintergrund bzw. in den Privatbereich ist nur noch eine Frage der Zeit. Daran ändert auch der oberlehrerhafte Quatsch um angebliche terroristische Höllenleugner nichts. Nicht nur die Hölle, sondern auch Gott wird zunehmend nicht mehr gebraucht. Der Teufel jedoch ist schon längst im Buch der Märchen für Erwachsene angekommen. Bis Gott sich dort neben dem Teufel plazieren kann, wird es wohl noch ein wenig dauern. Der Glaube hat sich überlebt und wird auf Dauer sterben. Fahrt zur Hölle! Oder so.