Wasserspielplatz – gemeinfrei

Aufgrund einer von vorne herein und für ein Wissenschaftsportal wie Scienceblogs eher unwürdige Antwortverweigerung bei Meertext hatte ich vorgestern einen Artikel über das Phrasendreschen ökologischer Apokalypsen geschrieben, bei denen neben diversen Zukunftsängsten durch die „Verschwendung wertvoller Ressourcen“ auch das Wasser aufgeführt wurde. Nun leuchtet mir persönlich gar nicht ein, warum ich in einem wasserreichen Land wie Deutschland Wasser sparen soll, bei dem das gesparte Wasser dann nämlich nichts weiter macht als über die Flüsse ins Meer zu fliessen, um sich dort dann letztendlich mit Salzwasser zu vermischen. Welche Verschwendung!

Tatsächlich aber ist das Wassersparen in Deutschland teurer als der Wasserverbrauch, verursacht Schäden an der Kanalisation und macht absolut keinen Sinn. Es gibt aber den Verbrauchern fälschlicherweise das Gefühl, dass sie der Umwelt etwas Gutes tun. Das Wasser jedoch, dem von den meisten Bürgern völlig kritiklos eine Kostbarkeit sondergleichen in Deutschland zugebilligt wird, ist hier jedoch unbegrenzt vorhanden. So finden sowohl der Wasserexperte Hans-Jürgen Leist vom ECOLOG-Institut für sozial-ökologische Forschung und Bildung gGmbH mit Sitz in Hannover als auch Ingrid Chorus als bundesumweltamtliche Wasserexpertin in einem Zeitungsartikel der ZEIT den Spargedanken absurd. Durch das Sparen wird die Kanalisation insofern geschädigt, dass Keime und Schwefelsäure durch den geringen Wasserdurchfluss entstehen und somit die Rohre oxidieren. Deshalb müssen die Wasserwerke häufig das gesparte Wasser als Spülungswasser hinter schicken, um die Kanalisation zu reinigen. Das sinnlose Sparen ist dann doppelt überflüssig, aber das gute Gewissen des sparenden Verbrauchers wird nicht gestört, schliesslich merkt er ja nichts von der nachträglichen „Verschwendung“.

Wie enorm tatsächlich die jährliche in Deutschland zur Verfügung stehende Menge an Wasser ist beschreiben folgende Zahlen. Zumeist durch Regen stehen jedes Jahr ca. 188 Milliarden Kubikmeter Wasser zur Verfügung. Lediglich 17% davon in werden Deutschland benötigt, und nur 2,7 % werden über die Wasserwerke an die Haushalte verteilt. Der Rest versickert als Grundwasser oder fliesst über die Flüsse und Bäche ins Meer (Quelle bdew).
Das deckt sich etwa im Verhältnis mit einem vor längerer Zeit hier erstellten Artikel über die Menge an Wasser, welche uns auf der Erde tatsächlich als Süßwasser zur Verfügung steht. Erstaunlich ist jedoch, wie wenig wir inklusive aller auf der Erde existierenden Lebewesen davon tatsächlich zum täglichen Leben brauchen. Zwar ist das Wasser nicht überall im Überfluss vorhanden, aber daran können wir in Europa mit Einsparungen überhaupt nichts ändern, zumal einigen der europäischen Länder das Sparen aufgrund der geringeren zur Verfügung stehenden Menge gar nicht zugemutet werden könnte, bspw. in den südlicheren Regionen. Außerdem hatte ich vorgestern bereits geschrieben, dass das Wasser auf der Erde natürlich nicht weniger wird, weil Wasser sich nicht verbraucht, sondern „gebraucht“ und entweder geklärt oder über Verdunstung wieder an die Umwelt zurück gegeben wird.

Die Deutschen haben in den letzten 20 Jahren den pro-Kopf-Verbrauch von Wasser von 146l/Tag auf 122 l/Tag gesenkt. Damit sind wir neben den Belgiern Weltmeister im Sparen von Wasser, und das völlig ohne Sinn und Zweck. Es hat sogar dazu geführt, dass in einigen Gegenden der Grundwasserspiegel angestiegen ist. Doch das reicht so manchen Ökofetischisten nicht, und dann muss zum ideologischen Panikschieben das virtuelle Wasser herhalten. Also das Wasser, welches wir indirekt verbrauchen, bspw. durch die Herstellung von Baumwolle oder Kaffee. Doch die Herstellung findet in verschiedenen Gebieten statt, in denen ebenso Wasser im Überfluss vorhanden sein kann, wie auf Seite 3 des ZEIT-Artikels zu lesen ist. Das schliesst zwar die Sünden mancher Hersteller nicht aus – etwa wie bei der Herstellung von Baumwolle in Usbekistan, durch die inzwischen der Aralsee fast ausgetrocknet ist – , aber der enorme Wasserverbrauch, der dabei angegeben wird sagt nicht wirklich etwas über die Wasserknappheit beim Herstellen der Verbrauchsgüter aus. Außerdem ändern wir hier vor Ort mit dem Sparen von Wasser an dieser Situation rein gar nichts.

Nach wie vor ist der in der Nachkriegszeit aufgetauchte Trend zum Wassersparen nichts weiter als eine Zweckberuhigung des eigenen schlechten Gewissens. Ansonsten hat das Sparen von Wasser überhaupt keinen Sinn und bleibt letztendlich nichts weiter als ökologisches Gequatsche. Vielleicht wird sich die Wasserverteilung auf der Welt durch andere klimatische Bedingungen ändern, eine Knappheit jedoch wird es nicht geben. Und deshalb werde ich morgen die Hähne aufdrehen, mindestens zwanzig Minuten duschen und danach eine doppelte Portion Steak essen (16.000 Liter virtuelles Wasser!). Bleu, versteht sich…

Nachtrag: Dass nicht nur das Wassersparen ideologisch-ökologischer Schwachsinn ist, sondern auch die Errechnung des sogenannten virtuellen Wassers völlig in die Irre führt, kann man in einem ausgezeichneten und sehr ausführlichen Artikel von Christian Strunden bei Novo-Argumente nachlesen – mit umfassend belegten Daten und Fakten.

Siehe auch:
Wieviel Wasser hat die Erde?
Woher kommt das Wasser auf der Erde?
Phrasen ökologischer Apokalypsen