Wasser – gemeinfrei

Auf Scienceblogs bei Meertext hatte die Journalistin Bettina Wurche durch einen Beitrag von David Grinspoon über die Suche nach außerirdischen Intelligenzen nachgedacht. Grinspoon vertritt die Ansicht, dass man nach künstlich modifizierten Planeten Ausschau halten sollte, um von dem vermutlich hohen technologischen Entwicklungsstand der außerirdischen Lebewesen die Lösung für unsere eigenen Umweltprobleme abkupfern zu können. Der Gedankengang alleine mag zwar ganz witzig sein, läßt aber viele andere wahrscheinliche Probleme außer acht, etwa eine mögliche Aggressivität der Spezies. Letztendlich schwächelt der Gedanke Grinspoons aber eher an der alt-dänikenschen Vermutung, die Menschheit wäre bei der Lösung ihrer eigenen Probleme genauso auf externe Hilfe angewiesen wie beim Bau der Pyramiden durch Götter in Form von außerirdischen Besuchern. Insofern ist der Wunsch nicht erst seit heute vorhanden, die Verantwortlichkeit für die eigenen Probleme auf eine höhere Macht zu verlegen – sollen die es doch richten.

Neben dieser üblichen und immer wiederkehrenden Bankrotterklärung des menschlichen Erfindergeists durch apokalyptische Untergangstheoretiker störte mich zusätzlich in Wurches Artikel eine von ihr getroffene Feststellung, die in eine ähnlich Richtung zielt: „Schließlich existieren auf der Erde längst Konzepte und Ideen, die derzeitigen Probleme zu lösen. Etwa das alltägliche Sparen von Wasser, Brennstoffen und anderen überlebenswichtigen Ressourcen„(Quelle). Weiter behauptet die Autorin, dass die Menschen die Probleme lösen könnten, wenn sie nur einsichtig genug wären: „Solange Menschen es nicht schaffen, auch nur Autos mit geringerem Kraftstoffverbrauch zu fahren, obwohl sie wissen, dass es ökologisch extrem wichtig wäre, ist es unwahrscheinlich, dass sie sich von einem Alien zum Spritsparen überreden lassen werden„(Quelle).
Abgesehen davon, dass die Aussage an Pauschalisierung kaum zu überbieten ist (für viele Fahrzeugbesitzer ist Spritsparen schon alleine wegen der zunehmenden Verteuerung des Kraftstoffs ein gewichtiges Kriterium), stellte sich mir jedoch umgehend die Frage, inwieweit mit dem Sparen von Ressourcen das Problem zu lösen sei und warum Aliens uns ausgerechnet dazu zwingen sollten. Sicher ist bei der Verwertung fossiler Brennstoffe ein Zusammenhang zwischen Energiegewinnung und CO² plus Wärme gegeben, doch das bezieht sich ausschliesslich auf den möglichen Klimawandel und nicht auf die Verschwendung von Ressourcen. Wie ich jedoch mit dem Sparen von Wasser und anderer „lebenswichtiger Ressourcen“ die Welt retten kann ergibt für mich in diesem Zusammenhang überhaupt keinen Sinn. Einem Alien, der von mir hier vor Ort verlangen würde, ich sollte ab heute Wasser sparen, würde ich unverblümt einen Vogel zeigen und ihn mit dem Phaser niederstrecken.

Demzufolge bezog ich mich in meinem Kommentar bei Meertext auf diese und andere Fragen, merkte an, dass sich meiner Ansicht nach keine Lösungen auf diesem Wege ergeben, insbesondere der Verbrauch von Wasser in unseren Breitengraden völlig unerheblich ist und Wassereinsparungen ja nicht wirklich irgendeinen Spareffekt verursachen, da das Wasser ja nicht verschwindet. Das wurde von der Autorin in ihrem Antwortkommentar (neben einem weiteren Untergangsszenario) unerwartet lapidar mit dem Hinweis auf unterschiedliche Universen, in denen wir angeblich leben,  abgewimmelt. Zusätzlich erfolgte der Hinweis, dass in ihrem Universum bereits Bürgerkriege und Kriege um Wasser, Brennstoffe und Rohstoffe geführt werden.
Nun hatte ich das gar nicht bestritten, und eine weitere Nachfrage, auf welche Art und Weise denn nun konkret mit dem Sparen von Wasser und anderen Ressourcen diese Kriege verhindert statt verschoben werden können, blieb sie mit gleichem Hinweis eine Antwort schuldig: „Auf die restlichen Fragen und Behauptungen gehe ich nicht mehr ein, meine Antwort wäre episch, Wir leben definitiv in unterschiedlichen Universen.„(Quelle)

Wenn ich mich in diesem Falle nicht gerade auf Scienceblogs sondern in irgendeiner Esoterikecke befunden hätte, wäre ich über solche Antworten kaum erstaunt gewesen. Jedoch hat sich die Autorin als Journalistin in der Rubrik „Über die Autoren“ zur Aufklärung bekannt: „Ihr Special ist Science-Marketing: die allgemein verständliche Vermittlung von wissenschaftlichen Fakten in lebendigen Texten, Vorträgen und Ausstellungen„(Quelle). Allgemein verständlich war der letzte Kommentar von ihr durchaus, aber mit Wissenschaft und Vermittlung von wissenschaftlichen Fakten hatte das nun gar nichts zu tun. Insofern habe ich am Schluss die Vermutung geäußert, dass hinter den oben zitierten Aussagen der Autorin vielmehr nichts weiter zu finden sein dürfte als die üblichen nachgeplapperten Schlagwortideologien, die aus dem Fundus der verqueren Weltanschauungen vornehmlich grüner Weltverbesserer und ökologischer Bevormundungsstrategen stammt, denen bereits aus denselben ideologischen und völlig unwissenschaftlichen Schlagwortgründen (Genfood!) der Wissenschaftsbereich Gentechnologie in Deutschland zum Opfer gefallen ist.

Scienceblogs versteht sich im Prinzip als Plattform, um der Öffentlichkeit und vor allem den wissenschaftlich interessierten Laien entsprechende Zusammenhänge näher zu bringen und Fragen zu beantworten. Das geschieht auch durchaus bei den meisten der dortigen Blogautoren auf recht umfassende Weise. Wenn jedoch in Artikeln Behauptungen unbegründet bleiben, nach einem ideologischen Ursprung riechen und Hinterfrager abgewimmelt werden, dann sind solche Ergüsse genauso wertlos wie die bekannten Schwurbeleien esoterischer Huschi-Fuschi-Freunde gegenüber Skeptikern. Vielleicht aber ist genau das der neue Trend, dem sich der Journalismus inzwischen verschrieben zu haben scheint, doch so etwas braucht tatsächlich niemand mehr.

Letztendlich möchte ich nun immer noch wissen, warum ich hier in Deutschland Wasser und Ressourcen sparen soll. Ich vermute aber, dass ich tatsächlich keine fundierten Antworten erhalten werde, weil diese Behauptung schlichtweg zu den ökologischen Schwurbelideologien zu gehören scheint. Aber bitte: ich lasse mich gerne eines Besseren belehren!😉