AusschnittKAEigentlich  war der Vorgang so banal, dass ich im Prinzip nicht viel zu meinem inzwischen vollzogenen Austritt aus der katholischen Kirche schreiben kann. Den in einem anderen Artikel über meine zahlreichen Vergehen gegen das Kirchenrecht angekündigten Schritt habe ich diese Woche durch eine Angestellte des Standesamtes in meinem Ort vollziehen lassen.  Der reine Verwaltungsakt begrenzte sich auf die Willenserklärung in Verbindung mit der Vorlage des Personalausweises und in der Ausstellung der Austrittsbescheinigung, zuzüglich einer gesamten Verwaltungsgebühr von 31,00 €.

Der Austritt war dafür, dass dieser in einem bayerischen tiefschwarzen Nest mit ein paar Kühen und Schweinen Gebiet mit geringer Einwohnerzahl vollzogen wurde recht unkompliziert. Die Verwaltungsangestellte hatte diesen Vorgang routinemäßig im Rahmen einer hier nicht immer selbstverständlichen Sachlichkeit formell nüchtern abgewickelt. Sie war sogar bereit, mir die Anzahl der bisherigen Austritte aus Religionsgemeinschaften in diesem Jahr zu nennen. Das Ergebnis war jedoch nicht überraschend, denn der ländlichen Lage entsprechend waren bisher lediglich 0,31% der hier zu dieser Verwaltung gehörenden Einwohner aus einer Religionsgemeinschaft ausgetreten (2012 waren es in ganz Bayern lediglich 32.000 Austritte). Kein Wunder also, denn die Kirchen sind hier noch stets gut besucht. Leerstehende Kirchengebäude gibt es (noch) nicht.

Dennoch sind jetzt schon viele der Pfarreien nicht mehr selbständig von einem theologischen Hausherrn besetzt. Zumeist werden sie der nächstgrößeren Gemeinde zu gegliedert, in der noch ein Pfarrer seinen Dienst versieht. Insofern werden solche Gemeinden – solange es geht – auch durch die Laien vor Ort am Leben und in Betrieb gehalten, doch der weitere Verfall der Kirche und die weiteren Austritte werden auch hier über kurz oder lang zur Aufgabe von Kirchengebäuden führen. Es ist stark zu vermuten, dass dieser Kelch auch an dem tief katholischen Bayern nicht vorüber gehen wird.

Die umliegenden tiefschwarzen Bistümer sind zuweilen bekannt und beliebt. Vor allem die Medien in ganz Deutschland reißen sich förmlich um die Anekdoten, die so mancher Domherr öffentlich verzapft. Sei es wieder einmal rückwärtsgewandter Unsinn, die Forderung nach einer Bestrafung für Gotteslästerer oder die Verbreitung strafrechtlicher Diskriminierungsfloskeln über gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Hier in Bayern ist die Welt eben noch in Ordnung, die Bischöfe noch erzkonservativ und die Indoktrination der Glaubensschafe noch ziemlich stabil. Oh seliges kirchliches Bayernland. Aber ich schweife ab…

Natürlich mache ich kein Geheimnis aus meinem Kirchenaustritt. Insofern sind so manche Reaktionen gesprächigsfreudiger Zeitgenossen recht interessant. Am häufigsten und demzufolge häufiger als angenommen signalisieren viele Verständnis für meinen Austritt, und nicht wenige sprechen gar davon, dass auch sie am liebsten austreten würden. Fragt man jedoch nach dem Grund, dann geben die meisten ihre allgemeine Unzufriedenheit mit dem System der Kirche an, welche derzeit sich immer noch in den pädophilen Vergehen mancher Priester manifestiert. Dazu gekommen sind aktuelle Vorfälle wie die Anekdoten um den Limburger Bischof, dessen Verhalten als maßlos, skandalös und selbstherrlich betrachtet wird.

Doch zumeist sind die Gesprächspartner über meine Erklärung erstaunt, dass mich weder der Limburger Bischof noch die pädophilen Straftaten der Priester zum Austritt bewegt haben. Denn schliesslich würde ich ja auch nicht aus einem Kegelverein austreten, nur weil der Leiter des Kegelvereins im Nachbardorf sich etwas zu Schulden hat kommen lassen. Alleine der Verlust des Glaubens an eine höhere Instanz, der konsequenterweise die gesamte 2000jährige Kirche mit all ihren Theologien, ihren Zeremonien, ihren Gesängen, ihren Gotteserscheinungen, den Gebeten und den Ritualen ad absurdum führt, haben mich zum Austritt bewegt. Die erschreckendste aller Erkenntnisse dabei war, dass selbst eine weltumspannende riesige Kirche mit ihren Milliarden von gläubigen Menschen mit dem Wegfall des göttlichen Grundes zu nutzlosem Brimborium degradiert wird.

Das heisst nicht, dass ich die Bedürfnisse der Menschen nach einem Glauben nicht respektiere, denn ich gestehe jedem Menschen jegliche Art der Religionsfreiheit zu. Für mich aber ist das alles völlig nutzlos geworden, weil die Möglichkeit einer göttlichen Existenz in der Tat gleich Null ist. Demzufolge ist der Kirchenaustritt in meinem Falle nicht nur ein staatlich formaler Vorgang, sondern ganz besonders der befreiende Ausstieg aus einem durch indoktrinierte Menschen vorgegebenen religiösen und im Prinzip esoterischem Denkprozess, der Inkonsistenzen stets als Denk- und Interpretationsfreiheiten verkauft hat. Meine eigene schon länger neugewonnene Freiheit, mich voll und ganz auf die mir mögliche erkennbare Realität zu konzentrieren und mir diese Realität nicht durch spirituellen oder göttlichen Nonsens aufweichen zu lassen, hat mit dem Kirchenaustritt ihre Vollständigkeit erlangt. Ich bin religionsfrei.