Inquisitorische Bestrafungen
gemeinfrei

In der katholischen Kirche gibt es viele Verbote, deren Einhaltung zuweilen eindringlich von Bischöfen angemahnt werden, häufig zu irgendeinem aktuellen Anlass und zumeist aus tiefschwarzen Bistümern. Diesmal jedoch hat sich der Vatikan selbst geäußert und – wenn man den Medien glauben darf – öffentlich ein Verbot ausgesprochen. Es handelt sich hierbei um einen von der Sängerin Madonna produzierten Kurzfilm über die Meinungsfreiheit. Die Popikone dürfte sich über die unerwartete Werbung durchaus freuen, denn kirchliche Verbote fördern stets die Vermarktung eines Produkts. Während das Verbot selbst den meisten Menschen kaum die Bohne interessiert, werden jedoch viele in und ausserhalb der Kirche auf Madonnas Film aufmerksam und somit deren Neugierde geweckt. Wobei sich hinterher die sündigen Verbotsumgeher zumeist wie üblich fragen, was denn an dem Film nun verbotswürdig gewesen sei.

Richtlinie für solche Verbote und andere innerkirchlichen Verklemmungen ist das Codex Iuris Canonici, das Kirchenrecht. In dem Werk werden unter anderem auch mögliche Verfehlungen katholischer Schäflein aufgeführt, die mit Verbrennen auf dem Scheiterhaufen völlig belanglosen Maßnahmen geahndet werden. Zumindest bei denen, die nicht ihr Gehalt von der Kirche beziehen. Eine der Strafen ist die völlig total grausame Exkommunizierung, nach welcher die so bestrafte Person nicht mehr an Gottesdiensten teilnehmen darf. Zusätzlich gibt es noch das Interdikt, welches den Empfang von Sakramenten untersagt. Darüber hinausgehende Möglichkeiten wie Inquisition, Folter und die Läuterung durch das Feuer sind der Kirche leider aus Gründen der festgeschriebenen Menschenrechte nicht mehr gestattet. Zusätzlich reicht der Arm des für gewöhnliche Gläubige völlig zahnlosen Kirchenrechts nicht mehr weiter als bis zur Kirchentür. Gotteslästerung und -leugnung, Gehorsams- und Glaubensverweigerung sowie Autoritätsmißachtungen gegenüber der Kirche werden im Prinzip bei einfachen Gläubigen auch deshalb kaum noch geahndet, weil der Kirche sowieso mehr Schäfchen davonrennen, als ihnen lieb ist.

Auch hier im Blog wurde gerne über Gott gelästert, derselbe verleugnet und Gehorsam gegenüber der Kirche stets verweigert, jedoch bin ich bis heute als Nochmitglied der katholischen Kirche nicht einmal verwarnt worden. Wie belanglos das Kirchenrecht doch geworden ist. Wenigstens hätte mich ja ein Ordinarius anschreiben können.  Insofern ist es ja ganz lustig, die eigenen Vergehen gegen das Kirchenrecht hier einmal aufzuführen.
Für kirchliche oder christliche Dauermißversteher betone ich jedoch explizit, dass dies keine öffentliche Beichte ist, Absolution ist unerwünscht😉

  • Nach Can. 1364 des Kirchenrechts bin ich ein Apostat, bisher zumindest ein halber. Ich bestreite rundum den Glauben an Gott und an die kath. Kirche als solche und lehne den vollkommen ab. Der Kirchenaustritt ist geplant und wird demnächst vollzogen. Ebenso lehne ich Heiligenverehrung ab, vor allem dann, wenn dieselben auch noch angeblich göttliche Visionen hatten. Das sind jedoch nichts weiter als Symptome geistiger Erkrankungen. Siehe dazu meinen lästerlichen Beitrag „Die Banalität mystischer Visionen„.
  • Nach Can. 1366 bin ich ein katholisches Elternteil, welches seinem Kind widerrechtlich eine „nichtkatholische Taufe und Erziehung“ hat angedeihen lassen. Erzogen wurde dieses ganz bewusst unindoktrinierend im atheistischen Sinne.
  • Nach Can. 1367 habe ich als Ministrant ständig Hostien gefuttert, ob geweiht oder nicht und dem Pfarrer den Meßwein weggetrunken. Manchmal auch aus den Kännchen, wenn nach der Messe etwas übrig war. Das Wasser bekam mein Mitministrant. Der hat es dann weggeschüttet. Ich bereue nichts! Allerdings denke ich, dass dieser Frevel längst verjährt sein dürfte.
  • Nach Can. 1368 habe ich gegenüber kirchlichen Autoritäten jede Menge christliche Versprechen gegeben. Also all das, was man so als junger indoktrinierter Christ eben automatisch bei den entsprechenden Veranstaltungen verspricht. Heutzutage ist das alles für mich wertloser Quatsch, und ich halte mich schon lange an kein einziges der mehr oder weniger erzwungenen Versprechen mehr.
  • nach Can. 1373 habe ich schon einige katholische Untergebene zum Ungehorsam verleitet. Darunter auch einen mir persönlich bekannten katholischen Priester. Dem hatte ich empfohlen, sich endlich eine Freundin zu suchen, um seine persönlichen Probleme zu lösen. Was er dann wohl auch tat. Zusätzlich habe ich weiteren Personen ihre moralischen Fehlindoktrinationen durch die Kirche bezüglich Empfängnisverhütung genommen und sie zur einem verhütenden und somit unbelastetem Sexualleben in „wilder Ehe“ ermuntert. Von der Ehe oder gar einer kirchlichen Hochzeit habe ich abgeraten, ist eh nur überflüssige Show.
  • nach Can. 1374 bin ich zwar keinem Verein beigetreten, der „gegen die Kirche Machenschaften“ betreibt, aber ich fühle mich in Einheit mit den Atheisten, die Machenschaften gegen die Kirche betreiben. Zumindest insofern, dass die Kirchenmitglieder zum Austreten ermuntert werden und die Religion in den Privatbereich zurückgedrängt werden soll. Außerdem erkläre ich jedem nichtaktivem Kirchenmitglied, dass seine Mitgliedschaft lediglich ein Überbleibsel seiner indoktrinierten Kindheit durch die Kirche sei.

Das alles ist nicht gerade wenig auf dem Kerbholz, denn schliesslich bestreite und verleugne ich die gesamte Existenzgrundlage der Kirche. Immerhin sollte ich aufgrund der Angaben schon längst mehrmals auf dem Scheiterhaufen verbrannt exkommuniziert worden sein. Früher hätte man sich bei einem solchen Sündenregister freilich gefoltert und brennend wiedergefunden, ganz im christlichen Sinne. Da hat die Kirche keinen Spaß verstanden. Überhaupt nicht. Heutzutage jedoch windet sie sich in tiefer Machtlosigkeit. Das hin und wieder sinnlose Aufbäumen mittels vorgetragener Strenge wie beim geharnischten Austrittsbrief sind die letzten lustigen Zuckungen einer ehemals mächtigen Institution. Die Kirche hat keine Macht mehr, und das ist das beste, was einer Gesellschaft passieren kann.

Quellenangabe: Zitate in kursiver Schrift aus dem deutschen Codex Iuris Canonici, Buch VI, Teil II, Titel I u. Titel II, Can. 1364 bis Can 1374