Seit Einführung des Leistungsschutzrechts in Deutschland lasse ich die meisten deutschen Webseiten mit Nachrichten links liegen und lese bis auf wenige Ausnahmen regelmäßig fast nur noch ausländische deutschsprachige Presse. In einer dieser Onlinemagazine, nämlich in der östereichischen Zeitung Der Standard (übrigens eine sehr gute und empfehlenswerte Onlinezeitung) war jüngst ein Artikel zu lesen, in welcher der Club of Rome wieder einmal vor den ökologischen Folgen des Wohlstandes und des Fleischkonsums warnt.

Das ist im Prinzip deshalb ärgerlich, weil eine solche Warnung an dem eigentlichen Problem vorbei geht und demzufolge nichts weiter als ökologischer und ideologischer Trendpopulismus ist. Tatsächlich nämlich ist der Fleischkonsum grundsätzlich erst einmal notwendig, denn Fleisch enthält so gut wie alle Stoffe, die der menschliche Körper benötigt. Das ließe sich zwar inzwischen auch zum Teil durch Pflanzen ersetzen, erfordert aber eine aufwändig aufmerksame Zusammensetzung bestimmter pflanzlicher Lebensmittel, um Mangelerscheinungen durch fehlende Mineralstoffe oder Vitamine zu vermeiden. Doch letztendlich werden bei einer rein pflanzlichen Ernährung fast immer darüber hinausgehende Maßnahmen notwendig, um fehlende Mineralstoffe zu ersetzen. Zink ist bspw. ein solcher Mineralstoff, der hauptsächlich in tierischen Produkten vorkommt und in dieser Form vom Körper besser verwertet wird als von pflanzlichen Trägern. Auch der Ersatz durch Nahrungsergänzungsmittel soll dabei gar nicht gut funktionieren. Deren Verwertbarkeit wird nämlich seit einiger Zeit erheblich in Zweifel gezogen. Sowohl das Bundesinstitut für Risikobewertung als auch die Stiftung Warentest rät von der Einnahme der Nahrungsergänzungsmittel auch deshalb ab, weil sie bei Mangelerscheinungen durch einseitige Ernährung nicht nur nutzlos sind, sondern sogar eine schädliche Wirkung entfalten können.

Bei einer weiteren kritischen Betrachtung der Ernährung durch Fleisch wird gerne angeführt, dass deren Herstellung bis zu siebenmal mehr Energie benötigt als die Herstellung von essbaren Pflanzen. Das mag im Prinzip so stimmen, verkennt jedoch den Sinn und Zweck eines wohlständigen Lebens. Selbstverständlich ist es völlig legitim, zur Gestaltung des Wohlstandes und der Erhöhung der Lebensqualität Energie zu verbrauchen. Dazu gehört eben auch für viele die Herstellung von Fleisch. Schliesslich ist es ja auch legitim, Lebensmittel und Waren aus der ganzen Welt hierher zu transportieren, obwohl wir die meisten selbst herstellen oder einfach darauf verzichten könnten. Was alleine das Transportsystem an Energie verschlingt, damit wir unsere Bananen oder Mangos im Supermarkt kaufen können ist kaum bezifferbar.

Zusätzlich sind wir zu jeder Zeit im Großen und Ganzen bereit, für die Erhöhung unseres Lebensstandards und unserer Bequemlichkeit auch in anderen Lebensbereichen weitreichend Energie sogar zu ver(sch)wenden. An erster Stelle steht dabei das in Deutschland heißgeliebte eigene Auto mit anhaltendem Trend zum Zweit- oder gar zum Drittwagen. Nur wenige interessieren sich tatsächlich für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder den Zusammenschluss in Fahrgemeinschaften. Das Fahren im eigenen Auto ist auch in Zeiten hochpreisigen Sprits immer noch des Wohlstands liebstes Kind, und die meisten der fünfsitzigen Fahrzeuge bewegen sich regelmäßig völlig energieineffizient mit nur einer Person an Bord durch den täglichen Strassenverkehr.
Insofern ist das Argument, die Produktion von Fleisch würde mehr Energie kosten als die Produktion etwa von Soja, völlig irrelevant. Das kalte Essen aus der Dose ist ja schließlich auch energiesparender als die Herstellung von Bratkartoffeln. Doch wen interessiert das?

Dagegen jedoch ist bis heute eine ganz andere Art enormer ökologischer Energieverschwendung völlig unbeachtet, nämlich die marktgerechte Aufbereitung der zu verarbeitenden Lebensmittel. Allein die Hälfte aller produzierten Lebensmittel werden bereits schon während der Produktion entsorgt, weil sie in Form und Farbe nicht den Erwartungen der Lebensmittelverkäufer und Kunden entsprechen. Das meiste davon wird tatsächlich nutzlos entsorgt, denn sie dürfen aufgrund europäischer Gesetze nicht einmal mehr so ohne weiteres in der Mastfütterung verwertet werden.

Wenn man darüber genauer nachdenkt offenbart sich im Prinzip ein unhaltbarer Zustand. Zu den fünf Tomaten, die ich in einem Supermarkt kaufe gehören noch einmal fünf Tomaten, die aufgrund nicht entsprechender Normen bereits auf dem Produktionsweg schon von vorne herein gnadenlos aussortiert wurden und im Müll gelandet sind – und die ich selbstverständlich mitbezahlen muss. Der Blick auf die gefüllten Lebensmittelregale in einem Supermarkt und die Vorstellung, dass die gleiche Menge bereits entsorgt wurde offenbart die immense Verschwendung von Lebensmitteln und Energie. Damit leben wir täglich, und das schlichtweg nur aufgrund dessen, dass wir auf einwandfreie Ware bestehen und unperfekte Lebensmittel liegen lassen. Da brauchen wir uns über die ebenso nutzlose Zwangsentsorgung von Speiseabfällen aus Kantinen und Lokalen schon gar nicht mehr zu unterhalten.

Diese fortwährend regelmäßige Vernichtung der Hälfte aller produzierten Lebensmittel ist beispiellos, doch darüber wird von keinem der Ökoideologen gesprochen. Die üben sich lieber im Wehklagen über das arme getötete Tier oder über die angeblich gefährdete Volksgesundheit durch fleischliche Ernährung. Das wirkliche Problem, nämlich die enorme Verschwendung unglaublicher Energiemengen durch die gezielte Vernichtung von Lebensmitteln kümmert keinen der ökologischen Weltverbesserer.