Zum Glück habe ich kein Fernsehgerät. Echt jetzt. Wahrscheinlich hätte ich nämlich inzwischen schon längst einen in der Wohnung üblichen losen Gegenstand als Wurfgeschoss zweckentfremdet und in das Gerät geworfen. Oder vielleicht hätte ich auch das parkende Auto beiseite gefahren und den Fernseher genüßlich aus dem Fenster fallen lassen. Denn abgesehen von den kanalunabhängig zumeist todlangweiligen Sendungen würden mir gerade jetzt die ständigen Wiederholungen der völlig unterirdisch gestalteten Wahlwerbespots der Parteien höllisch auf die Nerven gehen. Bereits das einmalige Ansehen im Videokanal hat mir derart zugesetzt, dass die Toleranzgrenze zur Zerstörung meines geliebten Rechners bereits gesenkt wurde.

Wahlwerbespots waren schon immer schlecht und durchweg von kreativer Einfallslosigkeit geprägt. Diesmal aber sind nicht nur die Konzepte miserabel, sondern auch noch die Erscheinungsbilder der jeweils in Szene gesetzten PolitikerInnen. Überalterte Gesellschaft würde ich hinterlistigerweise sagen. Opa und Oma im politischen Karussell mit inhaltsleerem Geschwafel und den üblichen  Wahlverbrechen Wahlversprechen, an die sich nach der Wahl wie geplant niemand der Gebissverrutschtnuschler noch erinnern kann. Das in der üblichen Länge von etwas mehr als zwei Minuten vorgetragene Geschwätz der überalterten Politikzausel bleibt keine 0,4 Millisekunden in Erinnerung, aber Dank der grottenschlecht gestalteten Kurzfilme und der noch schlechteren schauspielerischen Fähigkeiten der Hauptakteure können wir uns an weitaus menschlicheren oder unfreiwillig komödiantischen Ansichten erfreuen.

Insofern hofft der Zuschauer beim Werbespot der FDP mit Rainer Brüderle doch inständig, er möge uns die Peinlichkeit des gleichzeitigen Frühstückens und Nuschelns ersparen. Man erwartet jeden Moment, dass womöglich das Gelbe vom Ei aus seinem Mund fällt, vielleicht gar noch mit seinem Gebiss. Wenn er statt zu nuscheln doch einfach nur das Frühstück verzehrt hätte wäre der Aussageinhalt des Spots letztendlich der gleiche geblieben. Das auswendig gelernte Geschwafel kann sich sowieso niemand merken, denn das ist genauso hohl wie das Hörnchen auf seinem Teller. Beeindruckend ist lediglich, wie er zum Ende des Films Pfeffer und Salz (nicht Salz und Pfeffer) kraftvoll zusammenstößt. Die Buchstaben P und S erinnern merkwürdigerweise jedoch irgendwie an die SED-Nachfolgepartei PDS, von der es schon wieder eine Nachfolgepartei gibt. Wahrscheinlich wollte er keinesfalls Salz und Pfeffer zusammenstossen lassen, denn das hätte womöglich in den Anfangsbuchstaben an die SPD erinnert. Was Brüderle also mit dem Zusammenstoss von Pfeffer und Salz sagen will entzieht sich letztendlich meiner Kenntnis. Zumal ich den Text vergessen habe. Egal. Inhaltlich wie optisch nicht wiederholenswert.

Der Werbespot der CDU erzeugt prompt Würgereize. Eine mit Gitarrenmusik untermalte Angela Merkel ohne Zähne in Nahaufnahme muss nun wirklich nicht sein. Zudem sind aus diesem Mund auch noch abgedroschene Wir-gemeinsam-Verbalflatulenzen zu hören. Grauenhaft. Schlimmer noch sind die offenen Lügen. Mehr Beschäftigte als je zuvor? Echt? Wirklich? Da muss ich die 700.000 Arbeitslose in den 70er Jahren nur geträumt haben. Fazit: Spot sofort abschalten, alternativlos unerträglich, nicht nur wegen des inhaltsleeren Geschwätzes und des fehlenden Gebisses der Vortragenden (beim letzten Schnitt hat sie es wohl endlich eingesetzt). Inhaltlich und optisch einfach mehr als gruselig.

Im Werbespot der SPD kritisieren die Volksredner am SPD-Papppult all die Schwierigkeiten der Bevölkerung, welche die SPD mit der Agenda 2010 erst eingeführt hat. Nachdem dadurch der Schutz von Arbeitsplätzen, Löhnen und Gehältern abgebaut wurde will die SPD nun die Früchte ihrer Arbeit mit einer Forderung nach Mindestlohn vertuschen. Doch der wird erfahrungsgemäß wie alles vor der Wahl versprochene auch hier nicht kommen. Ist ja nichts Neues. Dennoch ist das der einzige Spot bisher mit eindeutigem Inhalt und klarer Aussage: „Wir können nichts“. Eigentlich hat mir Steinbrück einzig wegen seiner großen Klappe gefallen, aber damit kann man kein Volk regieren. Schade.

Zum Schluss und noch gut in Erinnerung ist der Schuss der ökoidiotisch ökoideologisch verblendeten Partei Bündnis90/Die Grünen ins eigene Knie. Der von mir inzwischen zum esoterischen und unwissenschaftlichen Fussabtreter degradierte Verein hatte eine Zwangsfleischfreikantine am Donnerstag vorgeschlagen. Genannt wurde das dann liebevoll Veggie-Day. Der jedoch führte zu heftigen und massiven Reaktionen seitens der Bevölkerung und von Politikern aus anderen Parteien. So verstieg sich ein FDP-Politiker gar in faschistoide Sphären und bezeichnete die Grünen als Ökofaschistidioten und mehr. So weit würde ich ja nicht gehen, obwohl das dazugehörig gestaltete Plakat durchaus fragwürdige Vollkorn-Paralellen aufweist. Insofern haben sich die Grünen in ihrem Wahlwerbespot (soweit dies der richtige ist, denn ich hatte mehrere satirische Spots zu den Grünen gefunden und weiss nicht, welcher der echte ist) mit fundamentalistischen Ökoaussagen schwer zurück gehalten und beschreiben lieber passend zu ihrer Politik völlig sinnfrei die Schneckenzucht im Bundestag. Was soll man von verblendeten Ökofetischisten auch anderes erwarten, zumal sie sogar die Wissenschaft, insbesondere die Gentechnologie, ihrem ökologischen und ernährungspolitischen Fundamentalismus opfern. Idiotisch.

Nur im Zustand höchster Erregung verraten manche Politiker ihre bisher verborgenen und wahren Absichten, und an anderer Stelle soll es sogar zu noch weitreichenderen Ausfällen in der politischen Schwafeltaktik gekommen sein. So wurden unfassbarerweise parteiübergreifend wahre Aussagen plakatiert, wie der ernstzunehmende Bericht in einem zweieinhalbminütigen Film aus Braunschweig zeigt. Doch trotz dieser offenen Bekenntnisse der vier großen Parteien zur eigenen weitreichenden Unzurechnungsfähigkeit werde ich nicht wählen gehen, auch wenn nun wieder jemand über verschenkte Stimmen oder Pflichtübung für Demokraten sinniert. Es gibt nämlich überhaupt keinen vernünftigen Grund wählen zu gehen. Nein, wirklich nicht! Echt nicht! Es gibt allerhöchstens einen guten Grund, sich über das Parteiensystem lustig zu machen und ordentlich Sand in das politische Getriebe zu schütten. Der besteht darin, die tatsächlich einzig wahre und wahrhaftige Partei zu wählen, denn die kann nichts, macht nichts, verspricht nichts – und ist sehr gut. Und mit dieser Partei, die sich nun im folgenden Video vorstellt, wird es sicher wenigstens ein Spaß:

Direktlink zum Youtube-Video

Siehe auch:
Konsequente Inhaltsleere von politischen Nullen
ueberschaubare Relevanz -meine Nichtwahlempfehlung #BTW2013
aarks -Bundestagswahl 2013: Die Parteien im Schwurbel-Check und die darauf folgenden einzelnen Artikel über die verschiedenen Parteien im gleichen Blog.

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