Sprechverbot

Sprechverbot – gemeinfrei

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von Freiburg Robert Zollitsch hat in einem Interview mit einer Zeitung davor gewarnt, die Partei Alternative für Deutschland (AfD) zu wählen. Die Reaktionen darauf waren nicht nur recht bissig, sondern ließen auch durchblicken, dass Bischöfe und Priester kein Mandat hätten, sich öffentlich von der Kanzel über Politik zu äußern und Wahlempfehlungen zu geben. Mitglieder der sowieso unwählbaren Partei verstiegen sich gar in homophobe und diskrimierende Äußerungen.

Nun habe ich ja Aussagen von Bischöfen und Priestern schon häufiger kritisiert und deren Meinungen stets mit einem kritischen Blick oder mit heftigem Kopfschütteln begleitet. Das ist auch dann insofern nötig, wenn sie auf die Einhaltung und weiteren Beachtung moralischer Leichen pochen, deren Aussagegültigkeit längst überholt sind und letztendlich nur noch daraus bestehen, andere ganz unchristlich zu diskriminieren.
In diesem Falle jedoch hat Zollitsch nichts weiter getan, als seine Meinung zum politischen Thema Europa und Euro kundzutun, und das sogar mit einer einigermaßen vernünftigen und christlichen Begründung. Dazu hat er nicht wie vorgeworfen dies von der Kanzel getan (wobei man bei dem Fall einer politischen Kanzelpredigt sicherlich den Kopf schütteln müsste, denn solche Predigten haben in der Tat nichts auf einer Kanzel verloren), sondern diesmal seine Meinung in einem Interview verkündet. Und dazu hat er als Bürger jedoch genauso wie jeder andere das Recht dazu, auch mit der integrierten Empfehlung, welche Partei seiner Ansicht nach wählbar ist und welche nicht.
Doch diese Freiheit der Meinung scheint bei manchen Parteimitgliedern und Journalisten noch nicht angekommen zu sein. Zwar ist ebenso die Kritik an Zollitsch Aussage eine Selbstverständlichkeit, aber diesmal müssen sich die Kritiker fragen lassen, wo sie denn den Unterschied sehen zwischen einem angeblichen unzulässigem Eingriff in den Wahlkampf durch Bischof Zollitsch oder denselben Eingriff eines Schriftstellers Günter Grass, der zwar zugegebenermaßen inzwischen seine letzte Tinte lieber wegschütten sollte statt Unsinn zu verbreiten, der aber ganz offen viele Jahre lang in den Wahlkampf für die SPD eingegriffen hat. Und das wohlgemerkt als schriftstellerische Institution, deren Aussagen als moralische Instanz in der Nachkriegsrepublik schweres Gewicht hatte.  Insofern ist die Kritik daran, dass Zollitsch sich zu einem politischen Thema überhaupt geäußert hat mehr als bigott.

Allerdings verraten die Zollitsch-Kritiker dabei etwas ganz anders und viel perfideres, nämlich dass nach deren Vorstellung das gemeine Volk immer noch viel zu blöde ist, sich eine eigene Meinung zu bilden und es deshalb kritiklos auf Führungspersönlichkeiten hört. Da ist eine politische Empfehlung eines Bischofs gegen den Schwachsinn der Euroabschaffung natürlich einigen ein Dorn im Auge, schliesslich weiss ja jeder der Zollitschkritiker viel besser, was richtig für das blöde Volk ist. Letztendlich ärgern sich die Journalisten und vor allem die betroffenen Parteipolitiker, die Zollitsch nun den Mund verbieten wollen eher darüber, dass ihm eine größere Plattform zur Verfügung steht als ihnen selbst.

Wenn Journalisten und Parteipolitiker gemeinsam irgendwem den Mund verbieten wollen, dann sind diese zukünftig mit äußerster Skepsis zu betrachten. Sie nehmen die selbständige Kritikfähigkeit ihrer Mitmenschen nicht ernst und verstehen nichts von Meinungsfreiheit. Solche Journalisten sollten mit ihrem Blatt lieber sterben gehen (was über kurz oder lang nach den Pleiten mit dem LSR sowieso geschehen wird) als noch weiterhin undemokratischen Unsinn zu verbreiten. Und die in die gleiche Kerbe schlagenden Parteipolitiker, die sich mit ärgerlichem Gekeife und sogar noch völlig idiotischen homophoben Aussagen hervorheben, führen sich argumentativ selbst ad absurdum. Insofern ist diese eurokranke und rechtspopulistische Partei sicherlich am besten in der Versenkung aufgehoben, in der die Partei rückstandlos verschwinden kann. Meinungsfreiheit und die richtige Kritik an einem aufgebrachten Thema ist eben nicht jedermanns Sache.

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