Niemals hätte ich gedacht, dass ich mit Wehmut einmal an die Zeit zurück denken werde, in denen die Kneipen verräuchert und die Musik laut war. Wer erinnert sich noch an diese Zeit, in der man sich beim Betreten einer Kneipe zuerst einen Weg an dem Billardtisch vorbei zur voluminösen Musikbox bahnte, nebenbei mit Fingerzeichen Richtung Theke sein Getränk bestellte (welches der Gastwirt prompt richtig interpretierte) und dann mit Hilfe von 20 Pfennig und dem Drücken einer Tastenkombination an der Musikbox die neueste Rockscheibe auswählte? Der obligatorische schnelle Griff hinter die Box, mit dem die Lautstärke beträchtlich erhöht wurde quittierte der Gastwirt meist mit einem schrägen Blick, aber er duldete die erste Scheibe in dieser Lautstärke, weil sonst jeder der Anwesenden umgehend gemeckert hätte.

So wartete er den automatischen und zumeist aufgrund der aufwändigen Mechanik geräuschvollen Plattenwechsel ab und brachte die Lautstärke dabei wieder auf ein unterhaltungsfähiges Niveau. Wenn die Platte hin und wieder hängen blieb und im ein-eindrittel Sekundentakt stets das gleiche plärrte, bekam die Musikbox nicht selten so manchen Fußtritt von den Gästen.

Eine solch geschundene Musikbox hatte ich vor einiger Zeit zur Restaurierung, und die zusammengesuchten alten Singles (Schallplattensingles, nicht Unverheiratete!) taten ihr übriges, um nostalgische Gefühle kurzzeitig wieder zu aufleben zu lassen. Nur das Verräuchern war leider nicht mehr drin. 😉

MusikboxBild: Nesselsetzer CC BY-NC-SA 3.0