Eigentlich geht es hier nicht speziell um das in der Überschrift erwähnte Klonen von Lebewesen, sondern allgemein um die Bewertung der inzwischen möglichen zahlreichen Eingriffsmöglichkeiten in das vorgeburtliche Leben. Bisher habe ich die Diskussionen um die wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Genetik, der Stammzellenforschung, der Präimplantationsdiagnostik und dem Klonen von Lebewesen nur am Rande mitbekommen. Die eher leisen wissenschaftlichen Nachrichten gehen ja zumeist umgehend unter im lauten Getümmel moralisch aufgewühlter Diskussionen, die ich allerdings gerade wegen der zahlreichen emotionalen Anteile nicht sonderlich interessant finde. Andere Diskussionen wiederum sind unnötig mühselig, weil sich die Schreiberlinge gerne und oft  in dem Bereich des manierierten Zelebrierens philosophisch heißer Luftblasen verlieren, wie am Beispiel eines Artikels in der Wiener Zeitung nachgelesen werden kann.

Die Frage ist jedoch, welche der vorgeburtlichen Eingriffsmöglichkeiten überhaupt ethische Probleme bereiten könnte, und ich möchte das Geschrei die Einsprüche einfach mal zusammengefasst betrachten, ohne mich allzu sehr in Einzelheiten zu verlieren. Dazu muss man zuerst erwähnen, dass ja grundsätzlich sich in den oben genannten wissenschaftlichen Forschungs- und Diagnosebereichen erst einmal die hehre Zielsetzung wiederfindet, das menschliche biologische Leben zu verstehen und gleichzeitig zu verbessern. Das heißt also, dass die Forschung und die daraus gewonnenen Erkenntnisse grundsätzlich erst einmal dazu heran genommen werden sollen, Erbschäden und Erbkrankheiten, Missbildungen und Behinderungen von vorne herein frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden, soweit dies inzwischen möglich ist. Doch trotz aller Erfolge ist diese Forschung in ihren Ergebnissen noch so ziemlich am Beginn ihrer Möglichkeiten. Insofern sind die hier und da auftauchenden Ängste vor dem Frankenstein-Monster noch ziemlich verfrüht.

Nun werden dennoch viele der vorgeburtlichen Eingriffe schon jetzt schlichtweg abgelehnt, vor allem von offiziellen religiösen Anhängern. Die jedoch nehme ich dann nicht ernst, wenn sie ihre Ablehnung mit den nach ihren Vorstellungen verbotenen Eingriffen in das fundamentale Handwerk ihres Gottes begründen. Nun muss das jedoch ein ziemlich schwacher Gott sein, denn jeglicher Eingriff bleibt wie alles auf dieser Welt ohne göttliche Konsequenzen, und selbst wenn Gott persönlich auf dem Seziertisch liegen würde bliebe es folgenlos. Also wird uns die Forschung auch irgendwann die Möglichkeit gestatten, das menschliche Design ohne Rücksicht auf den angeblichen Plan eines angeblichen Gottes zu verändern und die Nachkommen nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Insofern ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieser Gott von seinen Anhängern aus dem letzten Rest der bisher ungeklärten biologischen Vorgänge der Lebensentstehung ganz heraus genommen wird und weiter in den unsichtbaren Bereich über den Rand des Universums hinaus verschoben werden muss, um seine Existenz zu rechtfertigen. Und gleichzeitig mit dem Verlust der vermeintlichen biologischen Göttlichkeit verliert auch seine Moral jegliche Berechtigung, denn in Wirklichkeit war dort niemals eine moralische Grundlage vorhanden, nicht einmal die Moral des göttlichen Zufalls.

Auch der deutsche Ethikrat meldet sich regelmäßig zu dem Thema zu Wort. Nun denkt man bei diesem Gremium zuerst an einen erlauchten Kreis aus seriösen ÄrztInnen und PhilosophInnen bestehend, natürlich unvermeidbar mit einem inzwischen eher überrepräsentativen Anteil kirchlicher Moralspezialisten. Doch manche Mitglieder des deutschen Ethikrats scheinen in ihrer Ablehnung gegenüber den genannten Forschungszweigen argumentativ auch nichts besseres anbieten zu können als ihre religiösen Mitsitzer. Insofern ist die derzeitige Vorsitzende des deutschen Ethikrates Christiane Woopen in einem Gastbeitrag in einer hier wegen dem LSR nicht genannten Zeitung im Kern ihrer Aussage der Ansicht, dass ein weltweites Verbot des „Fortpflanzungsklonens“ deshalb notwendig sei, weil damit die genetische Ausstattung eines entstehenden Menschen nicht mehr zufällig ist oder einem göttlichem Wirken zu verdanken hat und er zudem „nicht neu“ ist[1]. Der Inhaber des Blogs „Überschaubare Relevanz“ konnte sich ob dieser Aussage(n) „unterschwelliges Glucksen, das sich schnell über verzweifelt unterdrücktes Prusten in brüllendes Gelächter wandelt“ nicht mehr enthalten.[1] Und in der Tat ist die Aussage der Vorsitzenden lediglich ein weiterer Hinweis auf die umfassende Argumentationslosigkeit der PID- und Klongegner. Wenn es keine wirklichen Gründe dagegen gibt, dann muss ob des eigenen unwohlen Gefühls Gott vorgeschoben werden, denn der ist gegen alles…

Es gibt tatsächlich keinen wirklichen Grund gegen die genannten Forschungszweige, und nicht einmal gegenüber dem Klonen gäbe es einen rationalen Grund, um abgelehnt zu werden. Sicher mag es gruselig sein, bestimmten unangenehmen Personen mehrmals zu begegnen, bei manchen ist mir der oder die eine schon zuviel. Vor dem Hintergrund aber, dass all diese Forschung nicht nur dem Menschen zukünftig in unbekanntem Maße dienen wird und als Grundlagenforschung absolut notwendig ist, sind die bisherigen Einwände dagegen schlichtweg nichts weiter als verstaubtes Traditionsdenken, und es spielt dabei keine Rolle, ob dieses Denken in religiösen Gründen liegt oder in der Angst vor dem Unbekannten begründet ist.  Auch die Angst vor dem Mißbrauch ist kein Grund, auch wenn der sich letztendlich einfach nicht vermeiden lassen wird, denn genauso wie jemand hochwirksame Medikamente dazu missbrauchen kann, um sich oder anderen zu schaden wird dies in den genannten Fällen ebenso möglich sein. Aber dennoch werden die medizinischen Vorteile überwiegen, und deshalb sollte alles in diesen Bereichen, ob Genetik, Stammzellenforschung, PID oder das Klonen in vollem Umfang zugelassen werden. Denn all diese Eingriffspunkte sind keine heiligen Kühe, die unbedingt vor menschlichem Einfluß geschützt werden müssen. Alles nämlich, was machbar ist, ist auch erlaubt und findet seine Begrenzung ausschliesslich im wissentlichen körperlichen oder materiellen Schaden anderer. Darüber hinausgehende Befürchtungen wie der Verlust traditioneller Werte, Angst vor dem Mißbrauch oder Angst vor einem Hineinpfuschen in ein angeblich göttliches Handwerk gehören nicht dazu. Laßt sie klonen!