In letzter Zeit ist vermehrt davon zu lesen, dass Online-Magazine ihre Lesenden darum bitten den Werbeblocker abzuschalten, um die eingeblendete Werbung anzeigen zu lassen. Sie begründen das damit, dass sie schließlich journalistische Inhalte zum kostenlosen Lesen zur Verfügung stellen und dies mit der Werbung finanzieren. Da der Verlag jedoch nur für ausgelieferte Werbung bezahlt wird, ist diese Bitte im Prinzip verständlich, auch wenn sie mich nicht weiter interessiert. Tatsächlich nämlich sind die Probleme ein wenig anders gelagert und das Abschalten der ADBlocker mitunter auch gefährlich.

Grundsätzlich habe ich erst einmal nichts gegen Werbung einzuwenden. Das Anbieten von Waren und Dienstleistungen ist eine übliche Angelegenheit und wird auf verschiedenem Wege verbreitet. Insofern ist die übliche Werbung, bspw. am Strassenrand, auf großflächigen Plakaten, als Leuchtreklame oder in den Papiermedien bzw. den oftmals beiliegenden zusätzlichen Prospekten letztendlich kein Problem. Als Fußgänger, Autofahrer und als Lesender konnte ich bisher aber stets selbst entscheiden, ob ich einer Werbung Aufmerksamkeit und Zeit widme. Wenn mich Werbung gar nicht interessiert, dann schaue ich eben nicht hin und fahre mit meiner Tätigkeit fort. Ich alleine entscheide also, ob ich mich mit dem Lesen einer Werbeanzeige aufhalte oder nicht.

Die meiste Werbung ist zum Einschlafen – gemeinfrei

Doch in den Internetmedien sieht die Welt in dieser Hinsicht tatsächlich ein wenig anders aus. Einige der eingeblendeten Werbespots nämlich behindern den unmittelbaren Fortlauf der eigenen Tätigkeiten, was gleichbedeutend damit ist, dass die Werber entscheiden, ob und wie lange ich mich mit einer Werbung aufzuhalten habe. Das ist hier und da viel häufiger als erwartet auch bei den sogenannten Qualitätsmedien der Fall, die bei dem Aufruf der entsprechenden Webseite erst einmal den journalistischen Text verdunkeln, unleserlich machen oder mit einer Fläche überdecken und mit nicht oder nicht eindeutig als manuell schließbar erkennbarer Werbung mir die Entscheidung abnehmen wollen, wieviel Lebenszeit ich für diese Werbung zu geben habe.

Das empfinde ich als pure Bevormundung. Ich lasse mich jedoch nicht dazu zwingen eine Werbung zu lesen, und ich lasse mich nicht einmal dazu zwingen, meine Lebenszeit mit Warten zu vergeuden, bis die Werbung wieder verschwindet. Ich lasse mich auch nicht emotional erpressen, indem ich ständig gefragt werde, ob ich für diesen Artikel bezahlen möchte oder nicht.
Als Konsequenz schließe ich umgehend die ganze Seite ohne den entsprechenden Artikel gelesen zu haben. Nichts ist wirklich so interessant, dass ich mich in meiner Lebenszeit von irgendeiner Werbung blockieren und von einem Verlag bevormunden bzw. Werbung zwangsvorführen lasse. Wenn mir jemand etwas kostenlos anbietet, dann bin ich nicht aufgrund des Angebotes verpflichtet, irgendeine Bedingung zu erfüllen. Auch andere Unternehmen versuchen das immer wieder. Manche Suchmaschinen möchten bspw. gerne bei mir Cookies setzen und weisen sogar auf ihre Nutzungsbedingungen hin. Dennoch dürfen die bei mir kein einziges Cookie speichern, und wenn sie aufgrund dessen den Dienst unmöglich machen sollten, so sei es drum. Suchmaschinen und Zeitschriften gibt es genug. Was auf meinem Rechner passiert und auf meinem Monitor zu sehen ist obliegt alleine meiner Entscheidung.

Ebenso handhabe ich die Werbung in Videoangeboten auf diese Art und Weise. Im Gegensatz zu Youtube, bei denen man zumeist nach fünf  Sekunden die Werbung überspringen kann, werden auf manchen Verlagsseiten Videos mit einem langen nicht abbrechbaren Werbevorspann versehen, um dann anschliessend die manchmal genauso lange oder sogar kürzere eigentliche Information zu übermitteln. Das geht gar nicht, und solche Videos werden von mir grundsätzlich sofort gecancelt, egal, wie interessant der Inhalt hätte sein können.

Zeitung nicht gefunden? Auch egal! gemeinfrei

Deshalb ein sehr klares Wort zu den Verlagen: ich brauche euch nicht, ich brauche auch eure kostenlosen Angebote nicht. Wenn ihr nicht in der Lage seid, eure Angebote anders als über Zwangswerbung zu vermarkten könnt ihr gerne mit euren kostenlosen Angeboten sterben gehen. Ich alleine entscheide, ob ich eine Werbung lesen möchte oder nicht. Ich alleine bestimme, ob ich für eine Werbung Zeit aufwenden will oder nicht. Und ich alleine entscheide, ob ich meinen Werbeblocker aktiviere oder nicht. Im Gegenzug habe ich auch nichts dagegen, wenn ihr alle Inhalte kostenpflichtig online stellt oder bei eingeschaltetem Werbeblocker Inhalte verweigert. Der Absprung der Lesenden ist euch sicher. Oder vielleicht versucht ihr über die im Wahljahr von euch besonders abhängige Bundesregierung noch schnell ein gesetzliches Verbot für ADBlocker zu erreichen! Oder vielleicht ein Notopfergesetz für vermarktungsunfähige Verlage? Oder vielleicht ein Gesetz zum Pflichtlesen für jedermann? Schnääääll!

Ob sich eine dieser Vermarktungsstrategien allerdings durchsetzen wird bezweifle ich stark, dazu gibt es viel zu viele kostenlose Inhalte, auch im Ausland. Und ich möchte daran erinnern, dass ihr diejenigen wart, die den Internetmarkt mit kostenlosen Inhalten gefüllt habt. Niemand hat euch darum gebeten. Deshalb könnt ihr jetzt auch jammern, bis ihr schwarz werdet, zumal ihr euch in letzter Zeit mit dem Kampf um das Leistungsschutzrecht sowieso schon verdammt unbeliebt gemacht habt.
Also beklagt euch nicht darüber, dass die Lesenden entscheiden werden, ob sie Werbung oder eure Produkte lesen wollen oder nicht. Das letzte Wort haben in diesem Falle immer die Lesenden, und die schulden euch nichts! Und wenn ihr dem Markt anders nicht mehr gewachsen seid, dann geht eben sterben. Ich weine euch keiner Träne nach. Und der ADBlocker bleibt eingeschaltet!

Siehe auch:
Adblocker abschalten? Ich glaube, es hackt!