Mit viel Geschrei zum Ziel – gemeinfrei

Es ist schon einige Zeit her, dass ich über emotionale Erpressung geschrieben habe. Dabei ging es in der auf drei Blogbeiträge aufgeteilten Thematik in erster Linie um Täter und Opfer innerhalb von Beziehungen und Freundschaften, die bis zur extremen Abhängigkeit gesteigert werden kann und auch vor einer Drohung des eigenen Suizids nicht halt macht, um eigene Vorstellung der Erpressenden gegenüber dem Partner und Opfer durchzusetzen. Dass diese Form der emotionalen Erpressung aber auch von ganzen Gruppen gegenüber einer Gesellschaft durchgeführt werden können und damit durchaus auch die angebliche Schuld der Erpressten dazu führen kann, bestimmte Dinge zu unterlassen, mag nicht unbedingt neu sein. Dennoch kommt dies seit einigen Jahren zunehmend hier vor und ist an vielen verschiedenen Begebenheiten abzulesen.

Das harmloseste aller Beispiele ist das seit einiger Zeit vermehrte Wehleidsgeschrei der Würdenträger christlicher Kirchen, die mit großer Sorge um ihren gesellschaftlichen Einfluss inzwischen jegliche Felle davon schwimmen sehen und zunehmend öffentliche Klagelieder anstimmen. So haben verschiedene Bischöfe inzwischen schon häufig lautstark beklagt, dass das Ansehen der Kirche, seine Symbole und seine verkrusteten Werte kaum noch Stellenwert in der Gesellschaft haben. Demzufolge wird inzwischen vermehrt von ihnen eine gesellschaftliche Zwangsanerkennung seiner Schutzwürdigkeit per Gesetz gefordert. Zusätzlich postulieren sie im Einklang mit einigen rückwärtsgewandten konservativen Politikern durch den zunehmenden Verlust christlicher Werte den Untergang des Abendlandes, zum Anderen sehen sie auch durch die Missachtung ihrer diskriminierenden Werte zum Thema Homosexualität Sodom und Gomorra auf die Gesellschaft zukommen. Dies kratzt jedoch niemanden in dieser Gesellschaft bis auf die sich unter erzkonservativen Vorzeichen neu organisierenden religiösen Einzelgruppierungen.
Und hier findet sich die nächste und bereits gefährlichere Stufe, die ich schon einmal in einem anderen Artikel beschrieben hatte. Es handelt sich um eine unterschwellige Fundamentalisierung und Radikalisierung von manchen christlichen Gruppierungen, die bereits mit emotional erpresserischer Werbung auf ihre eigene angebliche Verfolgung aufmerksam machen wollen und bereits dazu übergegangen sind, ihre von vielen barbarischen Ereignissen überschattete christliche Geschichte schön zu schreiben. So waren angeblich die Kreuzritter gar nicht so barbarisch wie bisher dargestellt und die Hexenprozesse viel „humaner“, als die Historiker uns „weismachen“ wollen.

Kreuzritter beim Gemetzel gemeinfrei

Hier wird die emotionale Erpressung völlig unterschwellig und subtil in die Gesellschaft wie ein Virus eingeführt. Verpackt in ein zurechtgezimmertes Bild christlicher Harmlosigkeit sollen uninformierte Menschen mit schlechtem Gewissen auf ihre Seite gezogen werden. Die Summe der ach so ärmlich jammernden und angeblich geschichtlich so ungerecht behandelten Christen soll dann letztendlich dazu führen, dass die Angriffe unterbleiben, denn wer greift schon jemanden an oder drängt jemanden aus der Gesellschaft, der geschichtlich völlig falsch bewertet wurde und als schwach gilt. Zu diesem emotional erpressenden Wehleidsgeschrei passt auch durchaus die schon völlig lächerliche Aussage des Bamberger Erzbischofs  Schick, dass kein Christ aus Protest gegen Blasphemie gewalttätig werden würde. Soviel Ignoranz gegenüber der tatsächlichen Situation und der christlichen Geschichte hätte ich ihm gar nicht zugetraut.

Eine schon wesentlich wirkungsvollere emotionale Erpressung kommt von denjenigen auf ziemlich perfide Weise, die wissentlich unsere Nahrung gedanklich vergiften. Die ideologisch verblendeten Gruppierungen wie Greenpeace und Bündnis90/Die Grünen gehören heutzutage zu den erfolgreichsten emotionalen Erpressern unserer Gesellschaft. Unter dem Vorwand, dass Gentechnik was ganz böses und gemeingefährlich ist und die Menschheit vergiftet, haben sie es tatsächlich geschafft, Deutschland in Sachen Gentechnologie zunehmend zurück in die Steinzeit zu katapultieren. Dass sie sich mit ihrer emotional erpresserischen Desinformation und der tiefen wissenschaftlichen Ignoranz an Stalin und Lyssenko anlehnen, ignorieren sie wie bei typisch ideologischen Denkweisen üblich.

Warum vegane Gerichte manchmal wie Fleisch aussehen müssen kann niemand erklären – gemeinfrei

Zu den nächsten und perfidesten, aber dennoch erfolglosesten emotionalen Erpressern gehören die fleischlosen Gesundheitsfetischisten, und hier besonders diejenigen, die mit gezielten Kampagnen und grossformatigen Plakaten mit Bildern von treudoof blickenden Tieren die Gesellschaft zu einem fleischlosen Essen zwingen wollen. Da ihre Diskussionen am Tisch niemand mehr hören will und das Gejammer vom armen Tier keinen wirklichen Fleischesser interessiert, wird eben versucht mit drastischen Methoden ein schlechtes Gewissen und Schuld zu erzeugen nach dem Motto: „Du bist schuld, dass dieses Tier sterben musste!“ Bisher gelingt ihnen das nur bei instabilen Persönlichkeiten mit schlechtem Gewissen, und dass dies dennoch weitgehend eine Farce ist zeigen die vielen vegetarischen und veganen Gerichte, die teilweise wie Fleisch aussehen sollen. Warum das so ist kann irgendwie niemand so recht erklären.

Das alles sind jedoch durchweg harmlose Beispiele für langwierige Versuche, über emotionale Erpressung den Willen bestimmter Gruppierung durchzusetzen, und am erfolgreichsten waren damit bisher die aus der grünen Ecke, denn auch durch die massive Lobbyarbeit viele reicher Bio-Firmen haben sich grüne Gruppierungen zu willfährigen Handlangern derselben vereinnahmen lassen und diese Zielsetzung vor allem in Sachen Gentechnologie massiv emotional erpressend über eine vermeintliche Vergiftung der Bevölkerung vertreten. Grüne Gruppierungen als wissenschaftsfeindliche Biolobby-Lakaien, wer hätte das je gedacht.

Doch wie man richtig emotional erpresst, und zwar mit sofortigem Erfolg, haben all die hier genannten nie wirklich herausbekommen. Das jedoch ist einer kleinen Gruppe von Opernhausbesuchern gelungen, die nach einer Aufführung zum Arzt gegangen sind und sich dort haben behandeln lassen. Wohlgemerkt: es handelt sich um eine Oper, also nichts weiter als eine Bühnenaufführung, ein Schauspiel in der Schärfe weit unter Spielbergs Spielfilmen. Die Oper wurde dennoch umgehend von den Verantwortlichen abgesetzt – sie hatten die Hosen gestrichen voll. Es hätte ja jemand zu Tode kommen können, gar im Opernhaus einen tödlichen Herzinfarkt erleiden können. Nicht auszudenken, was auf das Opernhaus an Ärger zugekommen wäre. Sanitäter! So geht das eben, wenn man den ollen Wagner beleidigt und ihn auf seine antisemitische Vergangenheit festnagelt. Man muss zum Arzt! In meinen Augen war das die erfolgreichste prompte emotionale Erpressung, von der ich in den letzten Jahren gehört oder gelesen habe. Ich habe herzlich gelacht.

Genauso könnte es passieren, dass jemand beim Lesen dieser Zeilen der Tod ereilt, aber deshalb stelle ich mein Blog bestimmt nicht ein oder nehme einen Artikel heraus. Bei mir funktioniert emotionale Erpressung nicht, auch dann nicht, wenn wegen der Nichterfüllung einer emotionalen Erpressung mir gegenüber jemand damit droht, an der nächsten Linde zu baumeln.

Update: ich sollte um Mitternacht keine Artikel schreiben. Mehrere (Formulierungs-)Fehler entfernt…

Siehe auch:
Emotionale Erpressung – eine Anleitung
Emotionale Erpressung II – Erkenntnisse
Emotionale Erpressung III – klare Einblicke und Auswege
Verletzte Gefühle und die Forderung nach staatlich geschützte emotionale Erpressung
Das Ärgernis der emotionalen Betroffenheit
Sinnloser moralischer Mainstream

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