Der Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern hat in einer Mitteilung Ministerin Haderthauer daran erinnert, dass neben dem gestrigen willkommenen Besäufnis-Feiertag der Väter derselbe auch noch irgendwie einen kirchlichen Hintergrund hat. Die Ministerin meinte nämlich, bayerische Väter gehen in Sachen Kindererziehung mit gutem Beispiel voran (dafür können aber anscheinend einige nicht einmal einen Nagel in die Wand schlagen). Der Arbeitskreis ist der Ansicht, dass Kinder auch den Vater im Himmel bräuchten und die Geschichtsvergessenheit der Ministerin beschämend sei. Doch was haben Kinder von einem Vater, den sie nie zu Gesicht bekommen und der zudem auch noch Single ist? Klar ist jedenfalls, dass sie eine Mutter im Himmel scheinbar nicht brauchen, denn von der ist nie die Rede…

Dazu passt ganz gut eine ziemlich kurze Mitteilung über den Zustand der englischen Kirche, in der 98 % der Menschen in einer normalen Woche nicht mehr in einen Gottesdienst und 95 % auch nicht zu Weihnachten in die Kirche gehen. Gleichzeitig wurden 88 % der Kinder nicht getauft und 66 % der Beerdigungen nicht durch die Kirche von England begleitet. Die Kirche ist auf beschleunigter Talfahrt, und das nicht nur in Großbritannien, sondern auch hier in Deutschland. Vielleicht öffnet ja der Teufel den Schlund der Hölle und verschluckt die Kirche gleich ganz. Aber den gibt´s ja auch nicht. Schade, wäre ´ne tolle Show.

Ein französischer Pfarrer, dem vermutlich von Satanisten aus dem Tabernakel seiner Kirche konsekrierte Hostien gestohlen wurden beklagt, dass die Medien nicht einmal Notiz von dem „gotteslästerlichen Frevel“ genommen haben. Das sagt er ausgerechnet im tiefsäkularen Frankreich. Da hätten die Medien ja viel zu tun, wenn sie über jeden Einbruch berichten würden, bei dem Utensilien mit einem Wert in Höhe von zwanzig Cent geklaut wurden.

Kreuzschatten2

Abgehängt – Bild: Nesselsetzer CC BY-NC-SA 3.0

Das Hickhack um Kreuze in öffentlichen Gebäuden nimmt keine Ende. Der Staat, und hier vor allem das religiös-konservative Bayern scheint extreme Schwierigkeiten damit zu haben anzuerkennen, dass inzwischen der größte Teil der Bevölkerung religionslos ist und keine Symbole in öffentlichen Gebäuden wünscht. Aber es wird wohl noch einige Kreuzbewegungen geben, bis eine allgemeine laizistische Grundordnung sich beim Staat durchsetzt. Solange nennen wir die Kreuze in öffentlichen Gebäuden einfach Wanderkreuze, weil sie mal hängen und mal nicht, je nach Durchsetzungskraft der Beteiligten.

Gleichzeitig mit den Kreuzesdebatten im Münchner Gerichtssaal hat die sogenannte seriöse Presse inzwischen die Inquisition übernommen, wie ed2murrow von dem Blog „Die Ausrufer“ in seinem Artikel „Heute schon exorziert?“ treffend über das Gebaren einiger Gazetten geschrieben hat (die hier wegen dem LSR nicht einmal erwähnt werden). Da sind doch tatsächlich einige dieser Blätter der Ansicht, sie seien alleine für das zu vermittelnde deutsche Bild im Ausland zuständig. Gleichwohl haben sie in Sachen Vorverurteilung die Nase vorn und sind jedoch nicht in der Lage, mehr über den ersten Prozeßtag des NSU-Verfahrens zu berichten als dass die Beklagte schöne Haare hat. Da wünscht man sich doch gleich, dass diese Zeitungen in ihrem Todeskampf gegen das Internet etwas schneller sterben mögen.

Abtreibung ist in öffentlichen Krankenhäusern, die unter katholischer Fuchtel Trägerschaft stehen, nach wie vor nicht erlaubt. Vergewaltigte werden weiterhin abgewiesen, wenn sie abtreiben lassen wollen. Ich denke, es wird endlich Zeit, der in die zunehmende Bedeutungslosigkeit versinkenden Kirche endlich diese Trägerschaften wegzunehmen, um eine einheitliche Rechtssicherheit für alle Patienten durchzusetzen. Da wir sowieso schon alles bezahlen, brauchen wir die Kirchen nicht, schon gar nicht ihre extravaganten Moralpositionen.

Blasphemie
Albrecht Dürer
gemeinfrei

Religiöse Gefühle geniessen keinen grundrechtlichen Schutz. Das hat die 113. Tagung des Studienkreises für Presserecht und Pressefreiheit beim Bayerischen Rundfunk am vergangenen Wochenende in München ergeben. Der Staat müsse lediglich das Grundrecht auf Ausübung der Religionsfreiheit sicherstellen. Die Religion selbst, deren Symbole oder gar den Namen Gottes muss ein säkularer Staat nicht vor Verunehrung schützen. Das wird sicherlich einigen nicht passen, ist aber auch vor dem Hintergrund kirchlicher Anmaßungswünsche als eindeutige demokratische Grundposition zu vertreten.

Vor kurzem noch waren die Bedenken gross, dass die blasphemische Wissenschaft anstreben könnte, die Schöpfung irgendwann im Labor nachzubauen oder Gott wie auf dem Seziertisch zu analysieren, und schon wird es für den in bisher unentdeckte Bereiche verschobenen Lückengott verdammt eng. Ausgerechnet in der bayerischen Landeshauptstadt, nämlich an der LMU München sind Wissenschaftler der Entstehung des Lebens ein ganzes Stück näher gekommen. Bisher war die Entstehung an den zu kurzen RNA-Bausteinen gescheitert, die Wissenschaftler unter urzeitlichen Bedingungen in Experimenten erreicht hatten. In einem neuen Modell, in der eine Gesteinspore nach urzeitlichem Muster als Labor fungiert, entstehen jedoch durch bestimmte temperaturbedingte Bewegungen Bedingungen, welche die Biomoleküle aneinanderhalten und somit zu einer größeren Länge sich zusammensetzen können. Genaueres kann hier nachgelesen werden. Wie es scheint, liegt Gott bereits ziemlich fest angeschnallt auf dem Seziertisch und harrt seiner wahrscheinlich völlig profanen Entdeckung in Form von bestimmten Mechanismen, deren Entdeckung wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Der Arme!