Vorgestern am Abend, als ich den Artikel über Skeptiker und Pseudoskeptiker geschrieben hatte, war es schon recht spät und mir brannten ein wenig die Augen. Insofern hatte ich die vor dem Veröffentlichen des Artikel übliche Überarbeitung mit Fehlerkorrektur und Überprüfung auf eine allgemein als geschlechtergerecht anerkannte  Sprache relativ schlampig durchgeführt und erst gestern Mittag bereits nach der Veröffentlichung des Artikels noch weitere übersehene Fehler beseitigt. Dabei sind mir einige Dinge aufgefallen, die ich hier kurz darstellen möchte.

Ich halte eine geschlechtergerechte Sprache für notwendig, auch wenn mir von klein auf die gesellschaftlichen Probleme durch eine nicht-geschlechterneutrale Sprache nicht mitgegeben wurden. Für mich ist eine Bezeichnung, die sich auf Menschen bezieht im Großen und Ganzen gefühlt geschlechtsneutral, insofern habe ich das Problem einige Zeit nicht wirklich verstanden. Ein „Skeptiker“ bspw. schliesst für mich gedanklich deshalb beide Geschlechter ein, weil das Wort innerlich von mir stets mit „Mensch“ und nicht mit „Mann“ ergänzt wird, insofern ist ein Skeptiker eben für mich ein skeptischer Mensch oder Skeptikermensch ohne Geschlechtsbezug. Bei meinen Blogartikeln habe ich es deswegen auch hin und wieder versäumt, die geschlechterneutrale Schreibweise zu benutzen.
Es ist mir allerdings schon länger klar, dass eine neutrale Denkweise bei der nicht-geschlechterneutralen Sprache eher selten ist und von den meisten Menschen nicht auf diese Art und Weise gedacht wird. Das bestätigt auch ein kleines Experiment, welches Martin Bäker von Scienceblogs in seinem Blog „Hier wohnen Drachen“ vor rund zweieinhalb Jahren zum Thema sprachlichen Sexismus durchgeführt hat. Das Ergebnis zeigte auch zu meiner Überraschung ziemlich deutlich den weitverbreiteten unterschwelligen Sexismus, der in der Sprache lebt.
Wenn also die Sprache ein Spiegelbild gesellschaftlicher Verhältnisse ist und bei einem Wort wie „Skeptiker“ viele eben nur an Männer denken, dann ist eine umfassende geschlechterneutrale Sprache viel bedeutender als angenommen. Sie sollte in der Gesellschaft unbedingt als selbstverständlich gelten und jeder sollte darauf achten, sie auch entsprechend wie selbstverständlich zu benutzen.

Nun ist aber die allgemein bisher übliche Vorgehensweise hin und wieder lästig und verschlechtert ein wenig sowohl das Gesamtbild als auch die Lesbarkeit von Artikeln. Zudem sind sie sprachlich zumeist recht umständlich. Die Schreibweise bspw. von „SkeptikerInnen“ oder „Skeptiker_innen“ ist zwar verständlich, beinhaltet aber zwei für mich störende Elemente. Zum Einen nämlich ist in solchen Wortkonstrukten der maskuline Teil stets erstgenannt, zum Anderen stolpere ich doch immer wieder über die Brüche im Lesefluss, und ich lege einigermaßen Wert auf eine gute flüssige Lesbarkeit (die mir natürlich auch nicht immer gelingt).
Also muss etwas anderes her, und einige gute Beispiele sind im letzten Absatz bei Sprachbrocken 18/2013 im Sprachlog von Anatol Stefanowitsch zu lesen, der auf Anfrage eines Kommentators (welcher die Wortkonstrukte mit „orthografischen Tricks oder Besonderheiten (wie Schräg– oder Unterstriche, Binnenmajuskeln oder Sternchen„[1] ebenso wie ich unpraktisch findet) Tipps für echte geschlechterneutrale Bezeichnungen gibt. Die stören den Lesefluss nicht und können ebenso in der Umgangssprache vernünftig benutzt werden.

gwupscreenshot

Nicht geschlechterneutral
Screenshot GWUP

Im Gegensatz zu dem dort angeführtem Beispiel „Lehrende“ statt Lehrer haben sich die meisten Mitmenschen an der Gebräuchlichkeit des geschlechterneutralen Wortes „Studierende“ statt „Studenten und Studentinnen“ oder „StudentInnen/Student_innen“ inzwischen gewöhnt. Andere müssen dringend folgen.
Dazu gehört sicher auch das von der GWUP offiziell benutzte Wort „Skeptiker“, welches ebenso unbedingt durch das geschlechterneutrale Wort „Skeptische“ ersetzt werden sollte. Damit wird nämlich der typische männliche Eindruck vermieden, der dem „Skeptiker“ sowie dem dominant maskulinen Teil des Wortes „SkeptikerInnen“ anhaftet. Insofern sollte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die GWUP ihren Zusatz „Die Skeptiker“ in „Die Skeptischen“ umbenennt, und auch ihre Zeitschrift Skeptiker sollte eine solche geschlechterneutrale Bezeichnung tragen.
Gerade die von vielen um Geschlechterneutralität bemühten Wissenschaffenden (statt WissenschaftlerInnen) innerhalb der GWUP könnten damit ein Beispiel dafür geben, dass ihnen nicht nur innerhalb der Universitäten oder an den Arbeitsstätten an einer geschlechterneutralen Umsetzung der Sprache gelegen ist, sondern auch als repräsentative Vereinigung einer ganzen Bewegung skeptisch denkender Menschen beiderlei Geschlechts.
Außerdem hätte die Umbenennung auch einen deutlich positiven Nebeneffekt. Während der Name „Der Skeptiker“ doch etwas steif und dröge wirkt, vermittelt ein Titel wie „Die Skeptischen“ eher selbstbewusste Aktivität und cooles Wissen, vielleicht sogar ähnlich dem vor kurzem auf Astrodicticum Simplex unter dem Titel „
Die Superhelden des Bildungsfernsehenvorgestellten Trailer „PBS: The Movie (PBS Meets The Avengers). Insofern wäre eine Umbenennung doch eine Überlegung wert, oder?