Immer noch der gleiche Quatsch – gemeinfrei

Passend zu den immer wieder in der Bloggerszene und von den Studierenden bemängelten Tatsache (auch bei mir nachzulesen), dass zunehmend die Universitäten von allerlei pseudowissenschaftlichen Unsinn gezielt unterwandert werden , hat sich nun endlich der Landesverband Liberaler Hochschulgruppen Nordrhein-Westfalen (LHG NRW) auf seiner Mitgliederversammlung mit einen Beschluss von solchen alternativen Quacksalbereien distanziert und diese als eine Abwendung von den Maßstäben wissenschaftlichen Arbeitens bezeichnet. Davon berichtet die GWUP in ihrem Blog.

Das von dem Verband veröffentlichte pdf-Papier  ist nicht nur ein Schritt in die richtige Richtung, sondern auch gleich eine Abrechnung mit der quacksalberfreundlichen Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, Barabara Steffens. Diese plant nach Worten der Hochschulgruppe „eine schrittweise Integration von wirkungslosen Therapieformen in der Hochschullandschaft“(*). Was die Beschlussfassenden davon halten quittieren sie nicht gerade freundlich: „Den dahinterstehenden Ideologien begegnen die Liberalen Hochschulgruppen Nordrhein-Westfalens mit den Worten Adornos: »Okkultismus ist die Metaphysik der dummen Kerle.«(*)“ Damit distanziert sich der Hochschulverband nicht nur klar von Steffens politischen Bestrebungen, „Einfallstore für Pseudowissenschaften in das Hochschulwesen zu errichten„(*), sondern vergleicht den Aufwertungsversuch der alternativen Ideologien durch Steffens mit ziemlich harten Worten als ein nicht gerade von Klugheit beseeltes Streben.

Campus – gemeinfrei

Doch viel wichtiger noch ist der in letzter Zeit häufiger zu vernehmende und auch von der Landesgruppe ausgesprochene nötige Hinweis auf die Einhaltung wissenschaftlicher Standards. So heisst es in dem Beschluss: „Alternativmedizin schadet NRW als Forschungsstandort im internationalen Wettbewerb. Homöopathie im Hochschulwesen bedeutet eine Abkehr vom Denkstil der Aufklärung. Das »sapere aude« Kants ist der vorrangige Wahlspruch jedes Wissenschaftlers und darf nicht den Interessen der Landesregierung und privater Verbände geopfert werden„(*).
In der Tat sollte gerade einer Ministerin bekannt sein, dass fast alle der alternativen Heilmethoden durchweg durch die Bank ausgenommen des Placeboeffekts völlig wirkungslos sind, und es ist eine Unverschämtheit sondersgleichen, dass Steffens die Wirkungslosigkeit damit relativieren will, indem die Maßstäbe für den Nachweis einer Wirkung nicht mehr so streng angelegt werden sollen. Daher ist der Mitgliederbeschluss nicht nur ein deutlicher Weg in die richtige Richtung zur Abgrenzung von alternativen Unsinn, sondern auch eine längst überfällige Stellungnahme, die man inzwischen von jeder Universität erwarten sollte.

*Alle Zitate aus dem pdf-Papier der Liberalen Hochschulgruppen Nordrhein-Westfalen LHG NRW

Edit: gestern abend war ich zu müde, wollte aber den Artikel unbedingt noch schreiben. Insofern wurden heute ein paar dieser Schreib- und Formulierungsfehler nachträglich geändert. Ein vergessener Link wurde ebenso dazugefügt.

Siehe auch:
GWUP – Liberale Hochschulgruppen in NRW gegen Pseudowissenschaften
Psiram – Hochschulen mit pseudowissenschaftlichen Lehr- und Forschungsinhalten
Kopfschüttelnde Ministerialbeamte
Überall Zauberschulen – studiert lieber im Ausland!
Fortschreitender Rationalitätsverlust in der Politik
Der schleichende Rationalitätsverlust in der Gesellschaft
Gegen das Übermaß des Unsinns ist jeder Streiter notwendig!
Homöopathisches Mittel gegen Leichtgläubigkeit
Das Phänomen des unkritischen Denkens – Teil 1
Das Phänomen des unkritischen Denkens – Teil 2
Der ganz normale Wahnsinn – Aberglaube im Umfeld
1.100.000$ für wirksame Homöopathie
Homöopathie im Kampf mit der Realität
Homöopathie als preisgeehrte Luftnummer