Vor einiger Zeit war zu lesen, dass in einer Kita ein Kind hinausgeworfen wurde, weil die Eltern immer wieder Kekse in die Brotzeitdose des Kindes taten. Das gefiel der Kita-Leitung nicht und demzufolge lag dann abends ein Zettel in der Dose, dass der Kindergarten ein „zuckerarmer“ Kindergarten sei. Das Kind durfte die mitgebrachten Sachen nicht essen. Abgesehen davon, ob sich irgend jemand bei diesem Vorfall an schriftliche Abmachung gehalten hat oder nicht, ist es überhaupt eine maßlose Unverschämtheit und schlichtweg unmenschlich, irgend jemanden das eigene Essen zu verweigern, vor allem dann, wenn die betreffende Person erst vier Jahre alt ist.

Noch unverschämter und in meinen Augen völlig sittenwidrig ist die Forderung, dass nur bestimmte Lebensmittel gegessen werden dürfen, egal ob gesund oder nicht. Diese völlig kranke Einstellung gegenüber dem Selbstbestimmungsrecht des Menschen hat inzwischen derart groteske Züge angenommen (und soll wohl noch groteskere Züge annehmen), dass man seinesgleichen sucht. Was gesund ist entscheidet eine Handvoll sektierender Gesundheitsfanatiker, die genau meinen zu wissen, woran die Volksseele zu gesunden hat. Sie wissen auch ganz genau, was jeder individuelle Mensch zu seiner gesunden Ernährung braucht, und das wird in anmaßender Arroganz von Besserwissern durchgezogen, selbst wenn das Kind dabei kotzt. In Wirklichkeit jedoch sind sie alle über den Ernährungsbedarf des einzelnen Menschen mit völliger Ahnungslosigkeit geprügelt, weil alle ernährungsspezifischen Untersuchungen lediglich als statistische Durchschnittsannäherungen zu verstehen sind, nie jedoch als konkreter Ursache-Wirkung-Nachweis gültig für jeden einzelnen Menschen. Insofern wissen alle, vor allem die, die es angeblich genau wissen, nicht mehr von der Wirkungsweise des Mettbrötchens mit rohem Fleisch und Zwiebeln als eine Amöbe.

Der Trend einer zunehmend größer werdenden Gesundheitsidiotiehysterie ist nicht zu übersehen. Während in der Zeit der Nichtraucherkampagnen den Nichtrauchern die Forderung nach einer Nichtbelästigung durch den Zigarettenqualm des Nachbarn noch ein gewisses Verständnis entgegen gebracht werden konnte, ist der Wunsch  und die Durchführung einer Reglementierung der Ernährung der deutschen Gesellschaft nicht wirklich zu verstehen und auch nicht sehr weit weg von den Sportertüchtigungspflichten des Dritten Reichs, in der „kerngesunde Körper“ herangezogen werden sollten. Doch wenn ein Staat sich mit der Volksgesundheit über eine übliche Krankheitsvorsorge hinaus beschäftigt ist immer Vorsicht geboten, denn dann ist der Weg nicht mehr weit zu einer vollständigen Reglementierung der Gesellschaft à la diverser Unrechtsstaaten. Daher sind die von manchen kuriosen Politikern verkündeten Forderungen nach nur einer Fleischmahlzeit in der Woche so dermaßen idiotisch und an den Haaren herbei gezogen, dass man das bleu-gebratene Steak von gestern gleich wieder herauswürgen möchte. Doch die damit verbundene Gefahr einer repressiven Politik ist nicht zu unterschätzen. Was bilden sich solche Menschen eigentlich ein, dass sie anderen Menschen vorschreiben wollen, was diese zu essen haben? Soll sich die Gesellschaft wirklich eine Woche lang von minderwertigem Grünzeug ernähren, bei der Salat bspw. den Nährwert von Styropor und weitaus weniger Ballaststoffe als eine fette Portion Pommes (mit doppelt Mayonnaise, versteht sich) hat? Geben inzwischen andere langjährige Reglementierungen wie Umweltschutz, Mülltrennung und Nichtraucherschutz nichts mehr an Reglementierungsmacht her, dass nun die Gesellschaft mit dem Zwang zu einem angeblich gesundem Leben durch besserwissende Ernährungsspinner terrorisiert werden muss?

Der mit dem Wohlstand aufgekeimte Wunsch nach Gesundheit und einem langem Leben ist inzwischen so dermaßen zu einem Muss hochstilisiert, dass sich einige anscheinend dazu berufen fühlen, diesen Quatsch von der gesunden Ernährung für jedermann zu einer geforderten und öffentlich überwachten Pflicht verkommen zu lassen. Da wünscht man sich doch wirklich, Kinder mögen endlich wieder Spaß an Fritten und Süßigkeiten haben und ihre Eltern ob ihres erschreckten Gesichtes auslachen. Die Eltern sollten jedoch lieber Kuchen mit richtig süßgezuckerter Sahne in sich hineinstopfen, und – um dem Ganzen die Krone auf zu setzen – genüßlich eine rauchen, und zwar zum gar nicht herzschonenden starken Espresso, versteht sich.

Um diesen Quatsch von einer gesunden Ernährung über das schlechte Gewissen zu steuern, wurde  zuerst die Krankenkassengemeinschaft heran gezogen, denn mit einem ungesundem Leben nimmt man die Solidargemeinschaft angeblich unverhältnismäßig in Anspruch. Das funktionierte aber deshalb nicht lange, weil eine ganze Horde von Beitragszahlern ganz bewusst ihre Gesundheit durch unfallgefährdeten Sport auf´s Spiel setzen, und das zumeist mit nicht gerade geringen Krankenhauskosten und hohen wirtschaftlichen Ausfällen. Also musste als Begründung der Klimawandel her, der in der Tat eindeutig eine Konsequenz dessen ist, dass der Mensch lebt und agiert. Und weil man auf keinen Fall auf Energieverbrauch verzichten oder diesen einschränken möchte, muss die Fleischerzeugung daran glauben, die ja angeblich so energiefressend ist.

GESUND! HEU! Muh!
gemeinfrei

In Wirklichkeit ist den Ernährungsfetischisten jedoch einfach ein Dorn im Auge, dass wolllüstiges Essen von fetten und nahrhaften Fleisch, möglichst am Spieß und möglichst in krebserregendem Feuer gegrillt schlichtweg Spaß macht, genauso wie ein bleu oder mediumgebratenen Steak aus ungesundem rotem Fleisch oder beim seligen Kauen des doppelt dick paniertem und in Butterschmalz gebratenem Schnitzel, dazu mit Mayonnaise angemachtem Kartoffelsalat oder entsprechenden Pommes Frites aus der Friteuse – natürlich auch mit doppelter Portion Mayonnaise. Denn das schmeckt und macht zufrieden. Dagegen mümmeln die Gesundheitsfanatiker an grünen Pflanzen herum und schädigen ihren viel zu kurzen Darm mit viel zu harter Rohkost. Dass dies wirklich krank macht ist heutzutage als Erkenntnis schlichtweg verpönt.
Doch über eines sollten sich die Gesundheitsmümmler im Klaren sein: vor etwa 3 Millionen Jahren hat sich der Homo Erectus von Kadavern ernährt. Das hat dazu geführt, dass seine Kaumuskulatur sich zurückentwickelte und dadurch der Schädel sich verformte. Durch den freigewordenen Platz im Schädel und der großen Energiezufuhr durch Fleisch konnte sich ein größeres Gehirn entwickeln, und das veränderte den Menschenaffen nach und nach zu einem intelligenten und sozialen Wesen. All diejenigen jedoch, die in dieser Zeit weiterhin an der Pflanzenkost festhielten und den Sprung zum Fleischesser evoluti0när nicht geschafft haben sind ausnahmslos ausgestorben. Und ich fürchte, dass in eventuell auf uns zukommenden ernährungsschweren Zeiten unsere fleischverabscheuenden Gesundesser ihnen mit Sicherheit folgen werden. Schlechte Karten!

Ich werde mir jedenfalls nicht vorschreiben lassen, was ich zu essen habe, auch wenn dies noch so ungesund ist. Ich esse seit vielen Jahren vorwiegend Fleisch und verabscheue jegliche Art von Grünzeug. Und ich war bisher noch nie krank! Ätsch! Wenn ich Fleisch will, dann esse ich Fleisch, auch gerne viel und roh. Auch dann, wenn mir Klima- und Krankenkassenschreier im Nacken sitzen. Die bewerfe ich höchstens mit Blutwurst, mit roher – versteht sich.

Siehe auch:

Intolerante Tischnachbarn