Mit Antisemitismus besudelter Wagner gemeinfrei

Drüben bei „gnaddrig ad libitum“ hat sich der Autor ein wenig über den medialen Dauerbeschuss zum 200sten Geburtstag und 130sten Todestag unseres wohl nun ewig am Grünen-Hügel-Hals hängenden und in sächselnd-antisemitischer Deutschtümelei versumpften Romantikzausel Richard Wagner ausgelassen. Man mag ja seinen Kompositionen eine gewisse Neuerung der romantischen Musik zugestehen, aber wer mag heutzutage noch romantische Musik ausgenommen deutschösterreichische Diktatoren und diejenigen, die es aufgrund angeblicher Kunstkennerei mögen und damit angeben müssen. Der gar nicht so einzigartig angerührte musikalische Emotionsbrei war nicht Wagners Erfindung, auch wenn er in Sachen Harmonien, Lautstärke und Aufführungsformat zu neuen Ufern aufgebrochen ist. Dennoch muss er seinen Platz mit anderen teilen, denn in der romantischen Zeit gab es viele Komponisten mit bis heute bleibenden Spuren in Musik und Komposition.

Doch um eines kommen wir bei aller heroischer Wagnervergötterung nicht herum, denn die Götterdämmerung bricht trotz aller Schönfärberei nicht nur bei den Nibelungen herein, sondern auch unmittelbar bei der Tatsache, dass Wagner ein eingefleischter widerlicher Antisemit war. Da nützt auch kein Drumherumschreiben, kein Schwafeln über tiefenpsychologische Abhängigkeiten eines indoktrinierenden Umfelds und keine Verharmlosung, er sei ja nur ein Kind seiner Zeit gewesen. So meint etwa der Psychologe Josef Rattner gar: „Wer so hartnäckig um eine Ideologie des Hasses kreist, bedarf ihrer und kann anscheinend ohne sie nicht leben. Daher muss das antisemitische und rassistische Element in Wagners Persönlichkeit in einem größeren Zusammenhang gesehen werden.“ (Richard Wagner im Lichte der Tiefenpsychologie. Berlin 1984). Man ersetze „Wagner“ mit „Hitler“ und schon liest sich der Satz völlig blödsinnig, denn auch im gleichen „größeren Zusammenhang“ könnten theoretisch alle nationalsozialistischen Kriegsverbrecher gesehen werden. In Wirklichkeit ist das jedoch ein absolutes Unding.

Wagners Motivation für seinen Antisemitismus war auf keinen Fall nur eine nebensächliche Begleiterscheinung, sondern eher Teil der geistigen Brandstiftung, welche die Vorläufer des unmenschliches Regimes des Dritten Reiches befeuert hat. So hat Wagner seine zeitweilige Erfolglosigkeit nicht in seiner eigenen Unfähigkeit gesucht, sondern sich als Opfer angeblicher jüdischer Gegnerschaft gesehen. Seine missgünstige Geringschätzung jüdischer Komponisten wie Mendelsohn-Bartholdy hat Wagner sogar in einer antisemitischen Hetzschrift festgehalten. Doch damit nicht genug. 1869, also 14 Jahre vor seinem Tod, veröffentlichte er eine zweite überarbeitete Fassung seines inhumanen Pamphlets mit einer nach Dahlhaus vergiftenden Wirkung, dass das „Judentum … zur Schlechtigkeit verurteilt sei„, und zwar angeblich nicht aufgrund der eigenen Bewertung Wagners, sondern aus seiner Bewertung des Weltgeistes heraus (Wikipedia: Das Judenthum in der Musik – Inhalt, letzter Abschnitt). Insofern sind durchaus manche Historiker zurecht der Ansicht, dass in Wagner viel Hitler steckte, und in der Tat ist das umgekehrt nachgewiesenermaßen der Fall, denn „Hitler erklärte später, mit Ausnahme Wagners keine Vorläufer gehabt zu haben, und bezeichnete Wagner als „größte Prophetengestalt, die das deutsche Volk besessen“ habe“ (Wikipedia: Richard Wagner – Wagner und Hitler, zitiert nach Joachim Fest: Hitler. Eine Biographie S. 96).

Wagners Musik in der Lautstärke von Kanonendonner – gemeinfrei

Wagner war eindeutig ein eingefleischter Antisemit. Insofern interessiert mich seine Musik nicht. Nicht nur ob der Schwülstigkeit, sondern vor allem aufgrund seiner persönlichen inhumanen Einstellung. Die Feierlichkeiten in diesem Jahr zu seiner Person halte ich demzufolge für überflüssig. Kaum zu glauben, dass Wagners antisemitische Einstellung wahrscheinlich von Festrednern kleingeredet und seine schwülstige Musik in der Lautstärke von Kanonendonner gewürdigt wird. Auch wenn sein musikalischer Einfluss unbestreitbar ist, seine Person dagegen ist nicht nur unwichtig, sondern auch vergessenswert. Wenn jemand im Leben sich nicht durchgängig anständig benehmen kann, dann sind auch seine Leistungen obsolet, auch wenn diese sich kulturell verselbständigt haben. Wagner kann mir gestohlen bleiben, seine Büsten und Denkmäler meinetwegen verfallen.  Ich hatte ja damals schon dafür plädiert, dass das Festspielhaus im Zuge der abenteuerlichen Nachkriegs-Stadtsanierung der Bayreuther Stadtverwaltung in den 70er Jahren hätte ebenso mit abgerissen werden sollen. Wagners Urenkelin hätte es sicher liebend gerne in einer Großstadt wieder aufgebaut. Und Bayreuth wäre das antisemitische Erbe los. Doch auch sein Wohnhaus Wahnfried steht noch in Bayreuth und beherbergt die Richard-Wagner-Stiftung. Vielleicht sollte man jetzt endlich Wagner gerecht werden und das Haus in „Wahnsinn“ umbenennen, denn Wagners Gedankengut war nicht von intellektueller Vernunft geprägt.
Bleibt mir also weg mit dem ollen Zausel Wagner!

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