Network Operations
gemeinfrei

Ich gestehe, dass ich zu den Menschen gehöre, die um keinen Preis der Welt oder aufgrund eines noch so reizvollen Angebots auf das Internet verzichten möchten. Zwar wäre ich selbstverständlich ohne Probleme in der Lage, auch völlig ohne Internetanschluss meinem Leben nachzugehen und käme sicherlich gut zurecht, aber ich möchte nicht mehr ohne die Anbindung an das World Wide Web sein. Meine Konsequenzen sind deshalb täglich sichtbar: nach dem Aufstehen am Morgen an den Tagen, an denen ich das Haus nicht gleich verlassen muss, wird stets noch vor dem Frühstück der Rechner eingeschaltet. Nach dem Frühstück und der morgendlichen Dusche werden dann als erstes die Emails abgerufen und das Einloggen in WordPress und Twitter vorgenommen.

Aber auch an meinem Arbeitsplatz gehört die erste halbe Stunde ganz dem weltweiten Netz, denn auch hier werden die Emails gleich dem Rechner daheim abgerufen und verschiedene Login-Vorgänge vorgenommen. Erst danach konzentriere ich mich auf anderen Aufgaben. Ich lege also stets erst einmal Wert darauf, ganztägig immer online und zumindest über Email erreichbar zu sein, denn auch alle anderen Netzwerke melden jede Anforderung an mich letztendlich immer über Email.

Merkwürdigerweise kann ich mich jedoch nicht mit iPhones oder iPads und dergleichen anfreunden. Wenn ich bei Freunden zu Gast bin, dann sehe ich immer die in meinen Augen umständliche Handhabung der transportablen Geräte sowie das zumeist viel zu kleine Lesefeld und vor allem das umständliche und wenig praktikable Schreiben von Texten. Insofern besitze ich bis heute lediglich ein (altes) Handy zum Telefonieren und sonst nichts weiter. Doch es gibt viele Momente, in denen ich gerne mit dem Internet verbunden wäre, jedoch alle externen Geräte in dieser Situation schlichtweg unbrauchbar wären. Es sind die Momente, in denen ich mich an bestimmten Orten zurücklehne und entweder die Umgebung geniesse oder entspannt die Augen schliesse. Solche Orte können bspw. eine Waldlichtung, eine Parkanlage, ein Meeresstrand oder ganz einfach eine Bank vor einem Haus sein. Auch kann es das eigene Bett sein, in dem ich mich jeden Abend in der bei mir länger als üblich dauernden Einschlafphase befinde. Das alles sind Orte, an denen ich am liebsten gute Texte aus aller Welt oder Wissenschaft lesen oder selbst einen Text für mein Blog schreiben würde.
Für solche Orte und nach meiner Vorstellung sind jedoch alle bisherigen auf dem Markt befindlichen Geräte denkbar ungeeignet. Das liegt daran, dass ich mich – vor allem beim Schreiben – optisch und motorisch auf das Gerät und auf die Tastatur konzentrieren muss. Im Bett ist es dabei noch am schlimmsten, denn ich müsste diese Arbeit entweder im Sitzen und sicher bei Licht erledigen, und dann könnte ich auch gleich am Schreibtisch sitzen bleiben. Und selbst wenn ich nur lesen möchte muss ich zumindest das Gerät auf dem Schoß oder in der Hand halten und die Augen benutzen.

Deshalb wünsche ich mir einen Internetanschluss direkt in das Gehirn. Ein Chip, der mich mit dem Internet verbindet und mit dem ich ständig in Kontakt mit dem Netz stehe. Ein Chip, mit dem ich ohne eine einzige Fingerbewegung Texte schreiben und lesen kann. Wie schön würde es sein, draussen in der Natur über diese schreiben zu könnnen, ohne sich durch die Unzulänglichkeiten eines zusätzlichen Gerätes mit Bildschirm und viel zu kleiner Tastatur oder eines sich leerenden Akkus ablenken zu lassen. Wie schön wäre es, gleich im Gehirn das unbekannte Insekt mit der entsprechenden Datenbank abgleichen zu können und in Erfahrung zu bringen, was das für ein Insekt ist und wie es lebt. Wie schön und entspannend könnte es sein, abends im Bett zu liegen und noch einen interessanten Artikel lesen zu können, während man liegt und die Augen bereits geschlossen hat. Oder noch schnell eine Idee in´s Notizbuch zu schreiben, welche zumeist bis zum nächsten Tag sowieso wieder vergessen worden wäre. Oder letztendlich gar noch einen Text für das Blog zu schreiben, ohne sich dafür an den Computer setzen zu müssen.

Der Neurowissenschaftler Gerhard Roth hat in einem (übrigens äußerst sehenswerten) Vortrag davon gesprochen, dass das Internet nach der Sprache und der Schrift der dritte Intelligenzverstärker sei. Auch wenn die Menschheit erst noch lernen muss, das Internet in all seinen Möglichkeiten unbehindert zuzulassen und die Welt staatlich einschränkende  Kleinkrämerei überwunden hat, dann könnte das Internet als dritter Intelligenzverstärker in vollem Umfang genutzt werden, und der Weg zu einer Datenverbindung über ein Interface direkt in das Gehirn wäre dann nicht mehr weit. Ich hätte das gerne jetzt schon, also bitte her mit dem Gehirn-Chip! Bitte sofort!