Info-Stammbaum

Der Informationsstammbaum seit dem Leistungsschutzrecht
Bild: Nesselsetzer gemeinfrei

Das mit starker Lobbyarbeit und einer ausgefeilten Lügenkampagne von den Verlegern elektronischer Verlagserzeugnisse unterstützte sowie von der schwarz-gelben Koalition verabschiedete grottenschlecht gemachte Leistungsschutzgesetz ist nun auch im Bundesrat durchgewinkt worden. Das Gesetz ist handwerklich so dilettantisch gearbeitet, dass man sich wirklich fragen muss, ob diese Bundesregierung das Erstellen von Gesetzestexten nicht lieber gleich dem nächstliegenden Kindergarten überlassen sollte. Höchstwahrscheinlich wäre dann mit einem Aufbau der im Kindergarten vorhandenen Plastikbausteine (um keine Firma zu nennen) auf dem Gesetzespapier mehr sachlicher Inhalt zu erwarten gewesen als von den sich erfolglos um eine einigermaßen nachvollziehbare Formulierung bemühenden Ausschüssen. Das nun verabschiedete Leistungsschutzgesetz ist gekennzeichnet von Unfähigkeit, Unlust, Desinteresse, Abhängigkeit gegenüber dem Wohlwollen der Presse sowie der politischen Linie einer Bundeskanzlerin, die eher zunehmend als intelligenzlos denn als alternativlos bezeichnet werden kann.

Dieses Gesetz hat jedoch gerade wegen seiner Unklarheiten Auswirkungen auf alle möglichen Bereiche. So können jetzt eine Horde Anwälte quasi beliebig Abmahnungen verschicken, da der Gesetzestext schwammig verzerrbar ist und erst durch eine ordentliche Rechtssprechung als Ersatz für die Unfähigkeit von Politikern zu einem klaren Gesetzestext geformt werden muss. Das wird jedoch erfahrungsgemäß eine lange Zeit in Anspruch nehmen, denn auf eine schnelle Rechtsprechung ist im Normalfall nicht zu hoffen. Doch kann man den Gefahren durchaus aus dem Weg gehen, wenn BloggerInnen und Snippetnutzer grundsätzlich nicht mehr auf deutschen Verlagserzeugnisse verlinken und im Prinzip auch niemanden aus der deutschen Presselandschaft namentlich erwähnen. Blogger brauchen nämlich die deutschen Verlage gar nicht, denn es gibt unzählige ausländische Online-Zeitschriften, die weltweit ihre Nachrichten in deutscher Sprache vertreiben. Eine Aufstellung solcher Online-Angebote findet sich in alphabetischer Reihenfolge unter presse-guide.com. Hinter jedem der Zeitungslinks befindet sich zumeist gleich das Impressum, an dem sofort abgelesen werden kann, dass es sich um einen Verlag  mit Sitz im Ausland handelt.
Zusätzlich kann es zudem für BloggerInnen durchaus hilfreich sein, bei der Online-Suche die unerwünschten deutschen Verlagserzeugnisse von vorne herein in der Suchmaschine zu sperren. Wie das geht, hatte ich hier schon einmal beschrieben oder kann auch gleich beim Urheber der Idee Elias Schwerdtfeger nachgelesen werden. Das hat den Vorteil, dass unerwünschte Zeitungen beim Suchen schlichtweg übergangen werden und häufiger auf ausländische Onlinezeitschriften verwiesen wird.

Trotz oder gerade wegen des nun eingeführten Leistungsschutzsgesetzes sind inzwischen einige Verlage dazu übergegangen, in ihren Zeitungen zum Teil nicht rechtsverbindliche (Verzichts-) Erklärungen bezüglich des Leistungsschutzrechts abzugeben. Sie möchten damit ihr Verhältnis zum Verlinken und Snippets klar zu stellen und den Bloggern die von dem Gesetz ausgelöste Unsicherheit zu nehmen. Solche Verlage sind in einer wohl unvollständigen Liste auf der Webseite mediainfo.de zu finden. Für mich maßgebend sind jedoch nur folgende Online-Zeitschriften, die sich in aller Deutlichkeit von dem Leistungsschutzrecht distanziert haben und auf dessen Anwendung völlig verzichten. Demzufolge gilt der Link- und Erwähnungsboykott in meinem Blog für sie nicht. Bis jetzt sind das folgende Online-Zeitungen (in alphabetischer Reihenfolge):

Für alle anderen gilt, dass sie hier, soweit sie sich nicht zwischenzeitlich eindeutig vom LSR distanzieren, in diesem Blog absolut konsequent als deutsche Verlagserzeugnisse ignoriert werden. Und das nicht nur als Quellen für mein Blog, sondern auch für mich als Leser und als Konsument. Zeitschriften und deren Verlage, die nicht eindeutig und rechtsverbindlich auf die Anwendung des Leistungsschutzrechts verzichten sind nicht mehr relevant.

Internetmedien2Bild: Nesselsetzer, gemeinfrei – zur freien Verfügung!

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