Weinkeller – gemeinfrei

Vor längerer Zeit hatte ich in einem Beitrag mit dem schon fast abergläubischen Unsinn aufgeräumt, dass ein guter Wein bei der Lagerung atmen müsse. Dieser Quatsch hält sich nach wie vor hartnäckig bei angeblichen Weinkennern und ist kaum auszurotten. Vielleicht mögen sie auf die schönen uralten Märchen nicht verzichten, welche sie schon ihr gesamtes Leben in geselliger Runde vertreten und sich damit ein wenig im Glanz des echten Weinkenners sonnen können. Letztendlich jedoch bekommt jeder chemisch interessierte Weinkenner lediglich facepalmverdächtige Zuckungen, wenn solche Sprüche oft noch mit erhobenem Zeigefinger als Weinweisheit vorgetragen wird.

In dem oben genannten Artikel vom Mai 2012 schrieb ich auch, dass mit dem Schraubverschluss oder dem Kunststoffkorken die Zeit des korkenden Weins vorbei sei. Doch das ist, wie noch gar nicht so lange bekannt, nicht ganz richtig und muss hier korrigiert werden. Auch Wein aus Flaschen ohne echten Korken aus Korkeiche kann durchaus korken, also nach Kork schmecken.  Für korkenden Geruch ist nämlich eine Chemikalie namens 2,4,6-Trichloranisol (TCA) verantwortlich, welche durch die Behandlung von Korkeichen mit bestimmten chlorhaltigen Pilz- oder Sporenmittel produziert wird. Manche in den Korkeichen lebenden Pilze werden nämlich durch die Behandlung nicht abgetötet, sondern können plötzlich munter die muffig riechende Chemikalie produzieren, die jeder Mensch schon bei etwa 1 bis 3 Nanogramm pro Liter intensiv wahrnehmen kann, da der menschliche Geruchssinn äußerst empfindlich auf diese Chemikalie reagiert. Der Wein, der trotz Schraub- oder Kunststoffverschluss danach riecht, muss demzufolge bereits vor dem Abfüllen  mit dieser Chemikalie in Berührung gekommen sein, etwa durch gereinigte Holzfässer, bei denen die Holzplanken mit den entsprechenden Fungiziden desinfiziert wurden. Für den Korkgeruch können also durchaus verschiedene zu reinigende Orte und chlorhaltige Chemikalien verantwortlich sein. Und insofern kann dann auch ein Wein mit Schraub- oder Kunststoffverschluss übelst korken.

Schinken, Brot und Wein
gemeinfrei

Wenn also jemand ein Glas oder eine Flasche korkenden Wein in einem Restaurant zurückgehen läßt, dann kann es durchaus passieren, dass der „wissende“ Kellner sich hinter der Theke über den Gast lustig macht in der Annahme, dass der Wein gar nicht korken kann, weil die Flasche mit einem Kunststoffkorken oder einem Schraubverschluß versehen ist. Wenn man das als Gast beobachtet sollte man sich nicht scheuen, den Kellner darüber aufklären, dass eben auch Wein mit anderen Verschlüssen korken kann. Diejenigen, die weiterhin als Weinkenner glänzen möchten, müssen sich nur das Wort 2,4,6-Trichloranisol merken, mit dem man sicherlich mehr Eindruck schinden kann als mit dem Quatsch vom atmenden Wein. Wohl bekomm´s! 😉

Siehe auch:
Korkelnder Unsinn: “Wein muss atmen!”