Verlagserzeugnisfrei

Bild: Nesselsetzer gemeinfrei

Seit einiger Zeit erleben wir das politische Herumgeeiere um das Leistungsschutzgesetz, dass nun letztendlich nach seiner verabschiedeten Fassung in seinen Grundzügen völlig vage gehalten  zur völligen Verunsicherung aller Beteiligten beiträgt. Erstaunlich daran ist, dass der Gesetzgeber wie in letzter Zeit häufig gar keine wirklichen Gesetze mehr erläßt, sondern einen Rahmen zurecht zimmert, den Gerichte dann je nach Auslegung bestücken müssen. Das Versäumnis der dafür zuständigen Ausschüsse, Gesetze möglichst eindeutig selbst zu bestücken, gehört inzwischen zu den wesentlichen Grundzügen einer völlig unfähigen schwarz-gelben Koalition nicht nur in Sachen Leistungsschutzrecht. Man hat den Eindruck, sie seien nicht einmal mehr in der Lage ein Gesetz ähnlich dem Weiterfahrverbot bei roter Ampel zu formulieren.

Daher hat die bereits vor einem halben Jahr absehbare Unsicherheit schon vor längerer Zeit dazu geführt, dass ich seitdem bis auf ganz wenige und in meinen Augen wichtige Ausnahmen gänzlich auf Verlinkung von Verlagserzeugnissen deutscher Verlage verzichte. Sogar die Namensnennung habe ich unterbunden. Das geht ganz gut, denn im Prinzip finden sich alle Artikel in ähnlicher Weise in Deutsch im Ausland, allen voran in Österreich, Schweiz, aber auch in vielen anderen Ländern. Insofern mangelt es nicht an Informationen, auf die man auch zukünftig als Blogger zugreifen kann, ohne sich den hausgemachten und gewollten rechtlichen Unsicherheiten auszusetzen. Gleichzeitig lese ich kaum noch deutsche Verlagserzeugnisse, denn auf der Suche nach interessanten Themen nehme ich doch lieber gleich die Zeitschriften, auf die ich auch verlinken kann und erspare mir damit eine erneute Suche. Das heisst also, dass in meinem Blog nicht nur die Namensnennung deutscher Verlagserzeugnisse nicht mehr stattfindet, sondern sie haben mit ihrem Wunsch, sich die Weiterleitung von Lesern auch noch bezahlen zu lassen mich als Leser verloren. Dazu kommt noch, dass der sogenannte Qualitätsjournalismus seit einigen Jahren erheblich nachgelassen hat und sowieso oft nicht mehr lesenswert ist. Da kann ich gleich online irgendwas lesen und mir selbst die Fakten heraussuchen. Internet macht´s möglich. Sicherlich hat mein Blog in der Szene kein Gewicht, aber darum geht es auch nicht. Ich denke, dass viele Blogger es zukünftig ähnlich handhaben werden – ja eigentlich müssen, wenn sie sich nicht der Gefahr aussetzen wollen, Abmahnungen zu erhalten.

Als ein Gegenbeispiel zu dem völlig verunsichernden Wünschen und Verhalten der Verlage hat der Verlag Heise nun in einem „In-eigener-Sache-Artikel“ gegenüber seinen Lesern und Zitatnutzern eine erfreuliche Erklärung abgegeben. Heise sieht demnach keinen Grund, auf die Einhaltung eines über die bisherigen Regelungen hinausgehendes Leistungsschutzgesetz zu bestehen. Heise: „Die Freiheit der Berichterstattung, der Verlinkung und des Zitierens, wer immer sie auch in Anspruch nimmt, darf keinesfalls gefährdet werden“ [Quelle]. Weiter heisst es: „Daher legen wir Wert darauf, unseren Nutzern noch einmal klar öffentlich zu erklären, dass Links auf und kurze Textausschnitte/Snippets aus unseren Publikationen weiter höchst willkommen sind und dass dies weiterhin keiner Erlaubnis des Verlages bedarf oder gar Geld kostet. Selbstverständlich werden wir auch niemanden deswegen abmahnen oder auf eine andere Weise dagegen juristisch vorgehen“ [Quelle]. Natürlich sind die Grenzen für die Übernahme von Textausschnitten dort gesetzt, „wo jemand ohne unsere Zustimmung ganze Artikel oder erhebliche Textteile aus unserem Angebot übernimmt und damit möglicherweise noch Geld verdient“ [Quelle].

Heise hat hier ganz klar in lobenswerter Weise die Zeichen der Zeit erkannt, nämlich dass mit rückwärtsgewandten oder in diesem Falle völlig überzogenen Gesetzen gegen die freie Informationsverbreitung die gesellschaftliche Entwicklung gefährdet ist. Ich finde, dass eine solche Einstellung Applaus verdient und unterstützt werden sollte, insofern werde ich Heise online wieder in die Liste der Verlagserzeugnisse aufnehmen, auf die ich verlinken werde. Wem noch mehrere Verlage bekannt sind, die sich mit ähnlichen Erklärungen hervorgetan haben, dann bitte ich das in den Kommentaren zu vermerken. Und als Applaus und Dank für Vernunft gibt´s einen großen Link auf

Heise online

Siehe auch:
Das Leistungsschutzrecht als Nacht- und Nebel-Aktion
Leistungsschutzrecht – das elektronische Verlagsgrab
Widerstand gegen das neue Leistungsschutzrecht
Wie man deutsche Verlagserzeugnisse aussperrt
Werft deutsche Verlagserzeugnisse aus dem Suchindex!
Geht sterben!
Offener Brief an die Verleger elektronischer Zeitschriften