Das sinkende Schiff der Kirche – gemeinfrei

Eigentlich lohnt es sich nicht, schon wieder darüber zu schreiben. Die Homophobie der katholischen Kirche und seiner Vertreter ist inzwischen jedem hinlänglich bekannt, und im Prinzip ist bei öffentlichen Stellungnahmen in Bezug auf dieses Thema von sexuell eher unterforderten und zölibatär lebenden Männern nichts anderes zu erwarten als diskriminierender Nonsens. So möchten auch diesmal wieder die deutschen Bischöfe in merkwürdigen (Ein-)Trachten auf recht unchristliche, weil eindeutig der Nächstenliebe verwehrenden Art und Weise die Öffnung der schon längst überflüssigen Institution Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ausschließen und das Adoptionsrecht für solche Paare – ogottogott – sowieso.

Eigentlich ist es nichts Neues. Es war zu erwarten, denn aus der Kirche war in den letzten Monaten eine Menge Unsinn zu dem Thema zu hören, sei es die blinde Verleugnung der Realität in Bezug auf Homosexualität, die angeblich der Natur oder irgendwelchen ominösen und nicht vorhandenen „natürlichen Gesetzen“ widersprechen soll. Oder sei es das Demonstrieren der „heiligen“ Ehe als unverückbare Institution, die aber schon lange nicht mehr der traditionelle allein selig machende Bund für´s Leben, sondern schon seit langem zu einen zeitlich begrenzten Bündnis „verkommen“ ist. Die Ehe „Bis dass der Tod euch scheidet“ ist längst tot. Doch die Bischöfe wollen diese überflüssigen und mumifizierten Werte aufrecht erhalten und sie vor Veränderung schützen. Deshalb fordern die deutschen Bischöfe jetzt eben vehement in typischem Gleichklang, dass die Ehe trotz deutlich gegenteiliger Mahnung des Bundesverfassungsgerichts doch bitteschön nach ihren stockkonservativen und homophoben Vorstellungen dem Manne und der Frau (wahrscheinlich nur in dieser Reihenfolge…) vorbehalten sei und keinesfalls für gleichgeschlechtliche Partnerschaften geöffnet werden darf. Doch die alten Werte der Ehe sind längst verfallen oder bedeutungslos. Sie ist letztendlich nichts weiter als eine finanzielle Anerkennung der Partnerschaft durch den Staat sowie die Anerkennung des Adoptionsrechts, egal mit welchen Geschlechtern. Das Sakrament der Ehe hat schlichtweg endlich ausgedient, denn es war nichts weiter als ein in die Politik hineinreichendes Hindernis für eine gesellschaftliche Weiterentwicklung. Die Ehe wird nun zu dem, was sie immer sein sollte, nämlich ein reiner Partnerschaftsvertrag auf Zeit. Die Anerkennung durch die Kirche ist letztrangig oder gar unerheblich. Als Tradition ist die Ehe endgültig bedeutungslos und muss nun nur noch in den Köpfen der Konservativen zertreten werden.

Doch viel schlimmer als die Forderung nach dem Erhalt alter Werte ist ihre eigene Erkenntnis, dass die Kirche mit ihren homophoben und ehelichen „Werten“ in den letzten Zügen liegt. Sie hat in den letzten Jahren an moralischer Anerkennung verloren wie keine andere Institution. Vielleicht liegt es einfach an der Merkwürdigkeit, dass gerade die Kirche, die bis jetzt es nicht einmal geschafft hat, die zuhauf vorgekommenen missbräuchlichen homosexuellen Handlungen an Kindern innerhalb ihrer eigenen Reihen lückenlos aufzuklären und aufzuarbeiten sich anmaßt, sie wüsste, was für diese Gesellschaft in moralischer Hinsicht richtig sei. Ausgerechnet dieser Verein sexuell unterforderter Trachtenträger, die nicht zuletzt mit dem Gehampel um die „Pille danach“ in moralischer und christlicher Hinsicht völlig versagt hat und in Bezug auf die jetzigen Anforderungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften erneut versagt, vertritt den Wert der Ehe zwischen Mann und Frau als „Keimzelle der Gesellschaft“. Da ist es eigentlich kein Wunder, dass inzwischen bei vielen der Blutdruck steigt, wenn nur einer dieser Bischöfe den Mund aufmacht.

Ok, es mag nicht ganz fair sein, alle über einen Kamm zu scheren (auch wenn es durchaus Spaß macht…), aber in letzter Zeit wirkt das vermehrte Aufbegehren der katholischen Talarträger eher einem letztem Aufheulen vor dem tiefen Fall in die völlige gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit denn einer vernünftigen Einmischung oder Mahnung zugunsten ethischer Werte. Merkwürdigerweise sind die Bischöfe dann am lautesten, wenn es entweder um ein sexuelles Thema geht oder um den Schutz verletzter Religionsgefühle, wobei sich letzteres zumeist auf urkatholische bayerische oder eher fränkisch-konservative Weltoffenheitsdiaspora beschränkt. Forderungen nach mehr sozialer Gerechtigkeit hört man hingegen kaum, denn damit könnte sich die Kirche ungewollt in die Nesseln setzen. Als Arbeitgeber gehört die Kirche nicht gerade zu den sozialen Einrichtungen.

Der Kirche werden ihre Werteverkündigungen nicht mehr abgenommen, sie wirkt nicht mehr glaubhaft. Seit den vermehrten Diskussionen um gleichgeschlechtliche Partnerschaften wird die Kirche zunehmend belächelt. Ihre konservativen Erhaltungsstrukturen führen zu Starrheit, zur Unbeweglichkeit und oftmals in die Lächerlichkeit. Deshalb wird sie der Verkümmerung entgegen gehen, und auch wenn sie nicht ganz untergehen wird sinkt ihre Arche, und kein Gott wird ihr helfen. Demut für eine ehemals mächtige Organisation wird das einzige sein, was ihr helfen könnte – falls sich dann noch ein paar Gläubige für sie interessieren.