Endlich hat dieses unwürdige Spiel ein Ende. Die ehemalige Bundesministerin für Wissenschaft und Forschung Annette Schavan ist gestern zurück getreten. Ich hatte bisher zu dem Thema nichts geschrieben, denn an Spekulationen mag ich mich nicht gerne beteiligen. Ein Plagiatsvorwurf in Bezug auf ihre Doktorarbeit hat erst dann Bestand, wenn die genaue Prüfung durch die zuständige Universität abgeschlossen ist. Dass sich Schavan selbst als Unschuldslamm sieht und dabei der Uni Düsseldorf politische Motivation unterstellt, ist einer Wissenschafts- und Forschungsministerin schlichtweg unwürdig und hat einen mehr als üblen Beigeschmack. Schavan sollte sich deshalb ausführlich und intensiv schämen. Viel schlimmer und unwürdiger jedoch war die damit einhergehende öffentliche Schlacht, bei der sich diesmal ein teilweise finanziell abhängiger Fanclub Schavans zusammen fand, um sich medial mit Stellung, Titel und Quantitätspresse in die Bresche für Schavans Doktortitel zu schlagen – nämlich die sogenannten Schavanisten.

Sicherlich gab es bisher bei jedem Skandal in der Politik Befürworter und Gegner der davon betroffenen Person. Insofern sehe ich es durchaus als legitimes Mittel an, einer durch Plagiatsvorwürfe  in Verdacht geratenen Politikerin von politischer Seite voreilig vorab entweder das Vertrauen auszusprechen oder dieselbe Person politisch als unglaubwürdig zu bekämpfen, je nach politischen Interessen. Das gehört im Prinzip zum politischen Handwerk dazu, auch wenn es in nicht wirklich die feine Art ist. Auch noch verstanden werden kann die Hilfestellung mancher Medien, die Schavan gerne in der Rolle des armen Opfers gesehen haben und bei der sich die Autoren einer bestimmten Zeitung ganz besonders hervortaten (deren namentliche Erwähnung hier aufgrund des anstehenden Leistungsschutzgesetzes nicht stattfindet). So sind auch Journalisten nicht frei davon, Sympathie mit Argumenten zu verwechseln. Darunter leidet zwar erheblich der Qualitätsjournalismus, aber das ist deren Sache, denn sie wollen sich im wahrsten Sinne des Wortes schlichtweg verkaufen. Ob eine Zeitung dem Qualitätsjournalismus zugeordnet werden kann oder nicht obliegt ja letztendlich dem zahlenden Leser, der eine bestimmte Qualität erwartet, und die kann bekanntermaßen auch ganz niedrig sein.

Heinrich-Heine-Universität
Düsseldorf – gemeinfrei

Doch da gibt es etwas, was ungeheuer sauer aufstößt. Nämlich dass einige Wissenschaftler in Amt und Würden wider besseren Wissens oder trotz Unkenntnis der tatsächlichen Lage ihre eigene wissenschaftliche Seriosität ad absurdum führen und den Kollegen an der Universität Düsseldorf die Kompetenz absprechen. Tatsächlich konnte einigen Kritikern des Verfahrens nachgewiesen werden, dass es hier schlichtweg um finanzielle Zuwendungen aus Schavans Bundesministerium ging, eine Befangenheit also per se gegeben war. Andere wiederum scheinen im wissenschaftlichen Betrieb so unwichtig zu sein, dass ihr Aufschrei einfach nur als möglicher Karriereschubwunsch verstanden werden kann.
Doch dass Wissenschaftler sich soweit aufgrund finanzieller Zuteilungen von der Bundesministerin selbst erniedrigen und quasi ohne mit der Wimper zu zucken dafür die unabhängige wissenschaftliche Seriosität nicht nur opfern, sondern sogar ihre eigenen Kollegen in der Prüfungskommission an der Uni Düsseldorf diskreditieren ist eine unglaublich überraschend bittere und ekelhafte Erkenntnis. Zudem ist es unbegreiflich, dass sie sich in ihrer Schavan-Verteidigung so weit aus dem Fenster gelehnt haben, obwohl die Entziehung des Doktortitels seit Eröffnung des Verfahrens als das wahrscheinlichste Ergebnis absehbar war. Davon konnte sich im Prinzip jeder halbwegs interessierte Laie auf schavanplag selbst überzeugen.

Der Schaden für die Wissenschaft ist wieder einmal enorm, denn diesmal waren es Wissenschaftler, die den hohen Anspruch der Wissenschaft an Unabhängigkeit und Seriosität aufgrund persönlichem Machtgebaren und finanziellen Verquickungen ganz bewusst zum Schutz der Doktorwürde von Schavan in alle Richtungen verzerrt und verbogen haben. Auch wenn dieser Trend derzeit kein Einzelfall ist und die seriöse Wissenschaft schwer unter Bedrängnis steht ist Schavans vergangene Aussage, ihr Verbleiben im Amt sei sie der Wissenschaft schuldig, schlichtweg eine Beleidigung derselben. Sie wäre es der Wissenschaft schuldig gewesen, den Rückzug frühzeitig anzutreten und finanziell Abhängige zum Stillschweigen zu animieren. Doch das konnte sie aus persönlichem Egoismus nicht und hat mit den Schavanisten gemeinsam die Wissenschaft geopfert, um politisch zu überleben.
Es ist gut, dass Schavan nach ihren Äußerungen nun weg ist. Nun sollten auch die Schavanisten soviel Solidarität zeigen und ebenso aus der wissenschaftlichen Landschaft verschwinden. Es wäre eine Selbstreinigung, welche der deutsche Wissenschaftsbetrieb dringendst bräuchte.