Bamberg und Eichstätt
tiefschwarz und gemeinfrei

Eigentlich hatte ich keine Lust, nach dem letzten Skandal in Kölner Krankenhäusern unter katholischer Trägerschaft wegen der abgewiesenen Vergewaltigten und der nicht zur Ruhe kommenden Diskussion um die Pille danach schon wieder über die kath. Kirche zu schreiben. Aber nun haben  – nach den von mir unkommentierten weil völlig abwegigen Progromvorwürfen von Erzbischof Müller  – wieder die um das schwärzeste Bistum konkurrierenden Bischöfe Schick und Hanke zugeschlagen.

Deren Bistumsgrenzen verlaufen nämlich mitten durch Nürnberg, und demzufolge haben beide Bischöfe in erzkonservativer Einmütigkeit dem Veranstalter der traditionellen Nürnberger Fastenpredigtreihe untersagt, den Gründer der österreichischen Pfarrerinitiative, Helmut Schüller, einzuladen und ihm somit im Einklang mit dem Vatikan einen kirchlichen Maulkorb verpasst. Begründet wird das aus dem Bamberger Generalfakiriat Generalvikariat mit dem Hinweis, der von Schüller geforderte Ungehorsam in der Kirche wäre nicht geeignet, mit Mut und Besonnenheit komplexe Themen aufzugreifen. Deswegen wurde gleich die ganze Veranstaltung abgesagt. Die Begründung dafür gehört zu dem typische Opfergeschrei der katholischen Kirche, nämlich dass der Veranstalter und nicht die Bischöfe aufgrund der Einladung Schüllers für den „Schaden an der Kirche“ und somit für die vollkommene Aussetzung der Fastenpredigtreihe verantwortlich sei. Sicherlich dürften das die Nürnberger anders sehen, denn die bischöfliche erzieherische Maßnahme zur Kritikunterdrückung wird wie jede aktive Maßnahme seitens der Kirche eher das Gegenteil dessen bewirken, was beabsichtigt ist. Insofern werden wieder einige der Schäflein genug von dem Gebaren ihrer Hirten haben und im Nürnberger Standesamt den Kirchenaustritt einleiten.

Kirchenaustritt
gemeinfrei

Die vom Bamberger Generalfakirvikar erwähnten Eigenschaften Mut und Besonnenheit haben in der katholischen Kirche jedenfalls eine ganz andere Bedeutung als in der Gesellschaft. Mut wird dort nur in der Hinsicht als solcher angesehen, wenn die Kirche heldenhaft gegen die zahlreichen (nötigen) Angriffe verteidigt werden. Das verkrustete katholische System jedoch zu kritisieren ist in deren Augen nicht mutig und fällt unter Blasphemie, was nach Vorstellung mancher Bischöfe umgehend unter Strafe gestellt werden sollte.
Die gleiche Fehlinterpretation findet sich in dem Wort Besonnenheit, was im Prinzip nichts anderes bedeutet, als dass kirchliche Würdenträger keinesfalls verärgert werden dürfen und der (völlig überflüssige und idiotische) Gehorsam vor der Kritik stets im Vordergrund zu stehen hat. Dann, und auch nur dann scheint das uniformierte Kirchenpersonal eventuell vielleicht manchmal hin und wieder für fünf Sekunden, aber auf keinen Fall länger geneigt zu sein, die eine oder andere lauwarme und weichgespülte, sprich besonnene Kritik über sich ergehen zu lassen, vorausgesetzt, man kommt nicht auf die Frechheit, noch irgend etwas zu fordern.

Es wird für jeden Katholiken zunehmend attraktiv, den von der katholischen Kirche geforderten Gehorsamsquatsch zu verweigern und die Kirche zu verlassen. Das katholische System wird immer unerträglicher und wehleidiger. Die uniformierte Altherrenriege des spirituellen Tieffliegens kämpft das letzte Gefecht um gesellschaftliche Relevanz, doch ihnen sollte zunehmend gewahr werden, dass ihre Meinung kaum noch gefragt ist. Auch die letzten Bastionen des erzkonservativen Katholizismus wie Bamberg und Eichstätt verlieren zunehmend an Glaubwürdigkeit, auch hier scheitert das System mehr und mehr am desinteressierten Bürger. Insofern wird die Frage immer interessanter, ob die klassischen Religionen gerade durch die weltweite Vernetzung des Internets nicht sowieso langfristig verschwinden werden, wie Valerie Tarico derzeit neben einigen anderen neuen Thesen propagiert. Da nutzt  auch Kardinal Meisners lautes Wehklagen über eine angebliche Katholikenphobie nichts mehr.

Letztendlich ist das Witzige an den derzeitigen Nürnberger Vorkommnissen jedoch, dass der geplante und abgesagte Auftritt Helmut Schüllers die ganze Aktion um ein vielfaches bekannter gemacht hat und Schüller trotzdem sprechen wird, vermutlich dann vor einem viel größeren Publikum als die Nürnberger Fastenpredigtreihe je hätte bringen können. Nach seinem eigenen Bekunden liegt ihm nämlich bereits eine neue Einladung für den 24. Februar vor. Bisher ist allerdings noch nicht bekannt, wer ihn eingeladen hat und wo er sprechen wird. Vermutlich waren es gehorsamsverweigernde Kirchenmitglieder, welche die Einladung erneuert haben und Schüller an einem anderen Ort sprechen lassen. Und auch die Fastpredigtreihe könnte zukünftig einfach ausserhalb der Kirchen und somit außerhalb des Hausrechts der Kirche stattfinden. Es wäre in jedem Falle ein weiterer Schritt zur nötigen Entmachtung konservativer Bischöfe.

Siehe auch:

Der Quatsch von der Schöpfungsordnung
Der Unsinn von der religiösen Gehorsamspflicht
Christliche Kirchen wehren sich gegen ihre zunehmende Bedeutungungslosigkeit
Schrecklich christliche Bischöfe
Rückwärtsgewandte Katholikenbischöfe