Naturwissenschaft
Magnetismus
gemeinfrei

Naturwissenschaft und Religion werden manchmal gerne auf eine Art und Weise in Zusammenhang gebracht, die bei kritischen ZeitgenossInnen leichtes Schaudern erzeugt. Esoterische oder religiöse Menschen bspw. werten die Wissenschaft gerne mit den Worten ab, dass diese ja „auch nur ein Glaube“ sei. Dagegen erzeugen Äußerungen mancher Naturwissenschaftler unmittelbar ein leichtes Gruseln, wenn diese aufgrund neuer naturwissenschaftlicher und überwältigender Erkenntnisse plötzlich meinen, sie müssten in den Tiefen ihrer Meßdaten Gott als Erzeuger erkennen. Das äußert sich manchmal in verklärten Sätzen wie der von George Smoot, Teamchef der US-amerikanischen Astrophysiker 1992 zu Forschungsergebnissen in der Hintergrundstrahlung:  „Dies waren die ursprünglichen Samen, aus denen sich alle heutigen Strukturen entwickelt haben. Wenn man religiös ist, bedeutet das, Gott zu erblicken.

Schlimmer noch sind jene WissenschaftlerInnen, welchen in ihrem Lebensabend der erschütternde Gedanke ereilt, nach einem halben Jahrhundert Forschung immer noch keine befriedigenden Erkenntnisse bezüglich des eigenen Seins und des Sinns des Lebens gewonnen zu haben. So ist es dann durchaus möglich, dass sie ihr eigenes Unbehagen bei der Vorstellung von einem endgültigen Tod ohne Hoffnung auf eine postmortale Existenz mit dem Gedanken bekämpfen, sie seien sich sicher, dass der letztendliche Grund aller naturwissenschaftlichen Dinge in einer höheren Instanz zu finden sei. Solche Aussagen führen jedoch dann in die Irre, wenn die religiösen Einsichten als ernstzunehmendes Resultat einer fortschreitenden Altersweisheit angesehen werden, sozusagen als das angeblich zwangsläufige spirituelle Endergebnis wissenschaftlicher Forschungseinsichten. Doch eine solche vermeintliche Erkenntnis ist schlichtweg ein Argument mit falschen Grundannahmen oder gar aus Unwissenheit, ein sogenannter „Gott in der Lücke“-Fehlschluss, der letztendlich jedoch auf der unterschwelligen Angst vor dem basiert, was da (nicht) kommen könnte.
Gläubige und Esoteriker sehen in solchen Anekdoten dagegen gerne im günstigsten Fall einen Hinweis, im schlimmsten Fall einen Beweis für die Existenz Gottes. Das läßt sich bspw. an den ständig wiederkehrenden Diskussionen um die Religiosität Albert Einsteins ablesen („schon Einstein hat gesagt…!“), dem immer wieder gerne fälschlicherweise sogar tiefe Religiosität unterstellt wurde (in Wirklichkeit bezeichnete er sich selbst etwas kryptisch als „tiefreligiös ungläubig“ und war am Ende seines Lebens alles andere als religiös). Insofern werden solche Aussagen häufig von religiösen Menschen als argumentum ad verecundiam (Autoritätsargument) benutzt, das ebenso in die Reihe der Fehlschlüsse gehört und keinerlei Bedeutung für die Schlüssigkeit von Beweisen hat.

Naturkonstante Gravitation
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Zudem gibt es dann noch hier und da spekulierende NaturwissenschaftlerInnen, die aus der vermeintlich extremen Genauigkeit der Naturkonstanten den Schluss ziehen wollen, dass nur deren Feinabstimmung Leben ermöglicht. Das liegt zum Teil daran, dass einige WissenschaftlerInnen der Ansicht sind, eine geringe Abweichung auch nur einer dieser Werte hätte eine so große Instabilität des Universums zur Folge, dass dieses nicht lange genug oder nicht entsprechend lebensfreundlich existieren würde, um Leben hervor zu bringen. Die angeblich damit verbundene Einzigartigkeit des Universums in Bezug auf die Existenzmöglichkeit von Leben wird deshalb gerne als Beweis für einen Erschaffer heran genommen.
Abgesehen davon, dass die Theorie der Feinabstimmung der Naturkonstanten zu den umstrittenen unvollständigen Theorien gehört und keinerlei Aussagekraft über eine reale andersartige Stabilität von Universen hat, dienen die von manchen WissenschaftlerInnen in Ergriffenheit vorgetragenen religiösen Äußerungen lediglich der Selbsterhöhung der Menschheit und somit der eigenen Selbsterhöhung. Dieser nicht tot zu kriegende Gedanke von einem menschlichen Geschöpf als Krone der Schöpfung sowie dem Ziel eines Gottes, uns irgendwann in ein angebliches Paradies zu geleiten, ist jedoch nichts weiter als anmaßende religiöse Arroganz und Beschränktheit. Auch hier findet sich die Ursache für solche Gedanken in dem zutiefst menschlichen Wunsch, der Homo sapiens sei mehr als eine biologisch-evolutionäre und zufällige Folgekonstruktion ohne tatsächliche Seele. Er sei eher in tiefer Sehnsucht nach der universellen Ewigkeit ein Wesen, welches irgendwann in Gerechtigkeit und Frieden in ein Ganzes aufgeht, nämlich in das Ganze des (geplanten und konstruierten) Universums unter der Herrschaft eines Überwesens.

Creation of the Universe gemeinfrei

Nur so ist zu erklären, warum dieser völlig irreale und in keine wissenschaftliche Theorie passende Gedanke von der Allmächtigkeit eines Konstrukteurs, welcher Grundlage christlicher Religionen ist und seine primitivste Auslegung im Kreationismus findet, immer wieder bei manchen alternden WissenschaftlerInnen auftaucht und in religiös-nebulösen Anekdoten veröffentlicht wird. Die angebliche Einsicht, da müsste mehr sein als nur das biologische Leben, läßt einen Schöpfer zu einem idealen Lückenfüller für alle persönlichen Unsicherheiten werden. In Folge finden dann Religiöse und Esoteriker vermeintliche Berührungspunkte zwischen Naturwissenschaft und Religion, die tatsächlich keine sind, denn es konkurrieren hier zwei völlig unvereinbare Denkmodelle miteinander. Sie können niemals in Einklang gebracht werden, denn Religionen haben ausschliesslich statische und menschengemachte „Wahrheiten“, die sich zudem auch noch untereinander widersprechen. Insofern sind und waren alle auch seriösen Versuche, beides miteinander zu vereinen, nichts weiter als ewig sinnlose und somit völlig überflüssige Konfrontationsmodelle. Die Religion als Welterklärungsmodell ist inzwischen völlig überholt und gehört schlichtweg zu den vertrockneten Mumien, die niemand mehr heraus holen sollte, schon gar nicht von WissenschaftlerInnen in Ergriffenheit vor ihrem eigenen Forschungsgebiet.

Siehe auch:
Naturwissenschaft vs. Religion – der Unterschied und die selbstverschuldete Verdrängung (Teil 1)
Naturwissenschaft vs. Religion III – Die Unvereinbarkeit als Vorteil