Pille danach – gemeinfrei

Im Brights-Blog wurde unter dem Titel „Die “Pille danach” und die katholische Unmoral“ auf einen Artikel hingewiesen, in dem Moraltheologen, pro familia-ÄrztInnen, Uni-ÄrztInnen und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unterschiedliche Wirkungsweisen der Pille danach beschreiben. Auch wenn der entsprechende Moraltheologe letztendlich vernünftigerweise empfiehlt, den ÄrztInnen in den Kliniken die Gewissensentscheidung zum Verschreiben der Pille danach selbst zu überlassen, so ist es doch mehr als fragwürdig, was Theologen eigentlich in dieser Angelegenheit überhaupt zu suchen haben.

Sicher, jeder darf seine Meinung kundtun, egal ob TheologIn, GärtnerIn, MaurerIn, ÄrztIn oder StrassenbahnfahrerIn. Wir leben in einem demokratischen Rechtsstaat, in dem jeder das Recht hat, sich zu allen Themen zu äußern. Doch niemand von ihnen außer staatlichen Institutionen haben eine Entscheidungsbefugnis über einen Menschen, es sei denn, der legt diese freiwillig in deren Hände. Dabei entsteht jedoch das Problem, dass Vergewaltigungsopfer ganz unfreiwillig in die Fänge katholischer Moralapostel geraten, wenn diese aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sind, das Krankenhaus auf eigenen Wunsch zu verlassen oder überhaupt eine Meinung äußern zu können. Ich hatte es hier schon angesprochen, dass ein Gremium über die weitere Vorgehensweise – das ganze nennt sich dann hochtrabend Ethikkommission – innerhalb von 24 Std. entscheidet, wie mit dem Vergewaltigungsopfer verfahren wird. Dazu gehört auch selbstverständlich die Entscheidungsmöglichkeit, dem Opfer die Pille danach aus moraltheologischen Gründen zu verweigern.

Im Krankenbett – gemeinfrei

Dieses Gebaren ist schon eine Unverschämtheit ansich. Wie viel mehr aber erst dann, wenn die Vergewaltigte nicht einmal zu deren Glauben gehört und sich den Moralvorstellungen der Kirche gar nicht unterwerfen will. Ich persönlich würde es mir verbitten, dass Vertreter irgendwelcher religiösen Glaubensgemeinschaften aufgrund ihrer Moralvorstellungen über mein gesundheitliches Wohl entscheiden, auch wenn ich mich in einem Krankenhaus unter deren Trägerschaft befinden würde. Das Recht auf Notwehr, also das Recht auf eine Abtreibung oder der Pille danach nach einer Vergewaltigung wiegt in jedem Falle nicht nur schwerer als katholisch-moralische Bedenken, sondern einen Verhinderung dieser Notwehr aus moralischen Gründen ist eindeutig vorsätzlich unterlassene Hilfeleistung.

Es wäre mir in jedem Falle völlig egal, ob diese Trägerschaft von der katholischen Kirche, den Zeugen Jehovas, den Hindus oder den Buddhisten käme. Mein gesundheitliches Wohl hat Vorrang vor jeglicher Moralvorstellung und finden ihren Rahmen im staatlichen Recht, nicht bei irgendwelchen konservativen Männern mit uralten Büchern.
Deswegen sollten theologische Einwände zukünftig nicht mehr beachtet werden, schon gar nicht, wenn es sich um von Staat übernommene Aufgaben handelt. Von solchen Institutionen in kirchlicher Trägerschaft wird erwartet, dass sie sich im Rahmen der staatlichen Gesetze bewegen, nicht im Rahmen ihrer verqueren moralischen Vorstellungen, die im Gesundheitswesen nicht nur durch die zwei abgewiesenen Fällen zu einer verwerflichen Unmoral geführt haben. Theologische Entscheidungen haben im Gesundheitswesen absolut nichts zu suchen. Insofern sollten die Kirchen endlich aus dem Gesundheitswesen entfernt werden, solange sie sich nicht eindeutig voll und ganz an die staatlichen Regeln halten. Ansonsten halte ich sie als Klinik-Träger für absolut untauglich.

Dieser Staat muss endlich absolut und vollständig säkular werden, und die jüngsten Vorfälle um die Kölner Krankenhäuser haben deutlich gezeigt, dass Religion aus der Gesellschaft entfernt und in den Privatbereich verdrängt werden muss. Religiöse Strukturen und deren Traditionen behindern stets den Fortschritt, vor allem in moralischer Hinsicht. Deren Werte sind überholt.
So sollte auch die Pille danach endlich rezeptfrei ausgegeben werden, so wie es im fortschrittlichen Europa in schon fast allen Ländern üblich ist.