Derzeit ist die Diskussion über die beiden Kölner Skandal-Krankenhäuser, die in Trägerschaft von der Stiftung der Cellitinnen betrieben werden und eine vergewaltigte junge Frau abgewiesen haben, in aller Munde. Nach den anfänglichen Verlautbarungen, dies sei ein Mißverständnis seitens der Ärzte, weitete sich der Fall jedoch aus, als zum Einen bekannt wurde, dass diese Abweisung kein Einzelfall war und zum Anderen der geforderten Null-Toleranz-Grenze seitens der Kirche ein Testlauf militanter Abtreibungsgegner aus erzkonservativen Kirchenkreisen um kreuz.net und gloria.tv vorausgegangen war.

Durch diese Vorfälle wurde bundesweit bekannt, dass die staatlich verbriefte gesundheitliche Grundversorgung, zu der selbstverständlich auch die Pille danach nicht nur für Vergewaltigungsopfer gehört, nicht in den katholischen Krankenhäusern gegeben ist. Gleichwohl ist der Staat aber verpflichtet, eine vollständige Grundversorgung flächendeckend zu gewährleisten. Das jedoch ist durch die erhöhte Anzahl katholischer Kliniken vor allem in ländlichen Gegenden anscheinend nicht durchgehend gewährleistet. So wird von Fällen berichtet, dass katholische Kliniken grundsätzlich die Pille danach aus rein religiösen (nicht wie alle Betroffenen vorschieben aus ethischen) Gründen nicht verschreiben und für manche Vergewaltigte eine Odyssee durch die Stadt oder über das Land beginnt, um einen Notarzt zu finden, der die Pille verschreibt sowie eine Apotheke, welche die Pille auch vorrätig hat. Auch das ist nämlich nicht immer gegeben, wie in einer Zeitung aus Osnabrück (wg. dem anstehenden Leistungsschutzrecht ohne Link) beschrieben wird. Wenn dann eine Vergewaltigte das Krankenhaus aus gesundheitlichen Gründen nicht verlassen kann, dann tritt eine Ethikkommission innerhalb von 24 Std. zusammen, die dann entscheidet, was weiter geschehen wird.

Nun ist das aber schon sehr nahe an der unterlassenen Hilfeleistung und schlichtweg eine Unverschämtheit und eine Zumutung, dass eine Kommission über die Schwangerschaft einer vergewaltigten Frau entscheidet – ein absolutes Unding und eine höchst fragwürdige und unzulässige Anmaßung kirchlicher Institutionen. Es widerspricht dem gesetzlich verbrieften Selbstbestimmungsrecht eines Menschen, sich in einem Notfall einem solchen Gremium ausliefern zu müssen. Auch die Zeitdauer ist eine Unverfrorenheit. Je später einer Frau die Pille danach verabreicht wird, umso höher ist die Möglichkeit einer Schwangerschaft. Vielleicht wird sich die Regel ändern, wenn die ersten Frauen die Klinik oder den Träger der Klinik auf Unterhalt verklagen werden.

Zudem ist in fast ganz Europa, nämlich in Belgien, Dänemark, Estland, Finnland, Griechenland, Großbritannien und Nordirland, Island, Lettland, Litauen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Spanien, Türkei, den Niederlanden, Norwegen, Frankreich (seit Mitte der neunziger Jahre), Luxemburg (seit 2005) die Pille danach zur postkoitalen Empfängnisverhütung in Apotheken rezeptfrei erhältlich (aus Wikipedia: Pille danach). Nur hier in Deutschland kann man sie nur über ein Rezept erlangen, obwohl pro familia im Mai 2012 eine neuerliche Kampagne unter dem Titel „Pannenhilfe nach 6“ startete mit dem Ziel, die „Pille danach“ rezeptfrei zu machen.

Vom Staat kann jedoch verlangt werden, dass die Intensität einer gesundheitlichen Grundversorgung im ganzen Land gleich ist und nicht von der Zufälligkeit des Krankenhausträgers abhängig sein darf. Deswegen müssen sich entweder kirchliche Träger mit ihren Krankenhäusern den staatlichen Vorgaben voll und ganz anpassen, also auch mit Abtreibung und Pille danach zulassen, oder sie sollen sich schleunigst aus den Trägerschaften komplett zurück ziehen. Und wenn sie sich weigern, sollte ihnen die Trägerschaft umgehend abgenommen werden. Immerhin finanzieren sich die Krankenhäuser sowieso größtenteils aus Steuergeldern, und verklemmte Sonderregeln religiöser Lebensschutzfanatiker braucht die Gesellschaft nicht, schon gar nicht in Krankenhäusern. Zusätzlich muss die Pille danach endlich rezeptfrei sein, dann erledigt sich die Abhängigkeit von verängstigtem oder indoktriniertem Krankenhauspersonal von selbst.