Menschenrechtssieg für Europa – gemeinfrei

Endlich hat eines der fortschrittlichsten Gerichte in Europa, mämlich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ein wegweisendes Urteil verkündet. Nicht mehr nur der einfache Staatsbürger, sondern auch alle Menschen mit Religionszugehörigkeit dürfen in Europa zukünftig nicht mehr aufgrund ihrer Glaubensregeln oder moralischen Glaubensgrundsätzen sexuelle Minderheiten diskriminieren. Das heisst also, dass Schwule und Lesben auch von allen gläubigen Menschen gleich behandelt werden müssen, selbst wenn das ihrer Religion eindeutig widerspricht.

Es ging dabei im ersten Fall um eine religiöse britische Standesbeamtin, die sich weigerte, gleichgeschlechtliche Partner zu verpartnern. Beim zweiten Fall handelte es sich um einen christlichen Partnerschaftsberater, der aus religiösen Gründen keine Schwulen und Lesben behandeln wollte. In beiden Fällen folgten die Straßburger Richter nicht den Argumenten der KlägerIn, auch wenn es gerade im ersten Fall ein Minderheitsvotum zweier Richter gegeben hat. Da versteht man nicht gleich, wieso ein zur Neutralität verpflichteter Staat Rücksicht auf die religiösen Belange verbeamteter Staatsangestellte gewähren könnte. Beamte haben, zumindest hier in Deutschland, die Regeln und Gesetze des Staates zu vertreten. Ihre eigenen weltanschaulichen Belange sind dagegen im Dienst zu Recht völlig unerheblich. Ob das jedoch in Großbritannien anders gesehen wird, ist unklar.

Im Prinzip hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte nun jedoch eine weite Tür aufgestossen, hinter der den bisher  immer wiederkehrenden diskriminierenden Äußerungen seitens kirchlicher Würdenträger (bspw. die angebliche Unnatürlichkeit der Homosexualität aufgrund nichtvorhandener natürlicher Gesetze oder vermeintlich moralische Belehrungen über die gleichgeschlechtliche Orientierung und deren Handhabung) nun endgültig das rote Warnschild der strafrechtlichen Diskriminierung gezeigt werden kann. Das bis dato Religionen von solchen Diskriminierungsgesetzen ausgenommen wurden, ist vielleicht im günstigesten Fall noch als (unnötiger) Übergang in eine menschenrechtskonforme Zeit anzusehen, fast aber schon eine Schande für einen Staat mit strikter neutraler Weltanschauung.

Dass hierbei noch in vielen Bereichen einiges im Argen liegt, zeigt der Bericht im Atheist Media Blog über zwei katholische Kliniken in Köln,  die einer Vergewaltigten die Beweissicherung und die „Pille danach“ mit dem Hinweis ablehnten, sie widerspäche den Grundsätzen der katholischen Kirche. Weiter heisst es auf dem Blog: „Ärzte, die sich dieser Regelung widersetzten, müssten mit fristloser Kündigung rechnen„. Das Ganze wird inzwischen seitens kirchentreuer Quellen als reines Missverständnis bezeichnet, aber alleine ein solches „Mißverständnis“ muss aufgrund diverser Anweisungen  zustande gekommen sein und ist in ihren Auswirkungen eina absolute Unverschämtheit. Insofern wird bereits von einem Skandal gesprochen.

Deshalb sollten kirchliche Träger sozialer Insitutionen zukünftig entweder religionsunabhängige und vom Staat vorgegebene  Regeln strikt einhalten oder die Trägerschaft abgenommen bekommen. Das Gesundheitswesen kann nicht von längst überholten Moralvorstellungen einzelner Religionen beeinträchtigt werden. Und genau deshalb ist es an der Zeit, dass alle religiösen Moralapostel mit Zugriff auf öffentliche Bereiche endlich zur absolut staatlichen Rechtstreue gezwungen werden.

Siehe auch
Traditionelle Diskriminierung
Deutschland Deine Diskriminierungen
Schrecklich christliche Bischöfe
Man wird doch wohl noch Gott mit Füßen treten dürfen…
Rückwärtsgewandte Katholikenbischöfe
Die Mär von dem natürlichen Gesetz
Die überflüssige Institution Ehe