Hellseherniete und Vom-Pferd-Erzähler
Nostradamus gemeinfrei

Gerade warten wir ja alle auf den Tag mit der unheilschwangersten Bedeutung und dem weitreichendsten Prophezeiungsunsinn in diesem Jahr, ja sogar in diesem Jahrhundert, nämlich auf den angeblichen Weltuntergang am 21.12.2012. Ganz nebenbei ist das auch der kürzeste Tag in diesem Jahr, und die meisten werden den wohl eher in vorweihnachtlicher Hektik als in andächtiger Furcht vor dem zahlreich vorgebrachten Prophezeiungsquatsch verbringen. Abends werden dann einige auf die Uhr schauen und sagen „Ach ja, heute sollte ja die Welt untergehen. “

Natürlich wird es bedauerlicherweise ein paar Verrückte geben, die aufgrund der Weltuntergangspanik zu Tode kommen werden, aber ansonsten wird nicht mehr passieren als der in diesem Tagen übliche Vorweihnachtsstress. Hinterher  – also nach dem 21.12.  – wird man dann erneut feststellen, dass niemand in die Zukunft schauen kann, während andere gleich wieder im Internet nachlesen werden, wann denn die nächste Apokalypse vorhergesagt wird.

Beliebt und idiotisch
Vorhersage nach Sternzeichen – gemeinfrei

Nun sind ja nicht nur Zukunftspropheten mit Weltuntergangsprophezeiungen völlig blind. Alle Hellseher, Wahrsager und Astrologen sind ja absolut nicht in der Lage, überhaupt irgend etwas konkretes vorauszusagen. Ich hatte ja schon häufiger angedeutet, dass ein Blick in die Zukunft völlig unmöglich ist. In diesem Jahr scheint die zukunftssehende Zunft aber durchweg besonders von Blindheit geschlagen zu sein, denn nach der Prognosenrückschau 2012 der GWUP läßt sich aus dem Artikel durchaus herauslesen, dass Hellseher, Untergangspropheten, Wahrsager und Astrologen mit öffentlichkeitswirksamen Verhersagen besonders oft daneben lagen. Das ist eigentlich kein Wunder, denn wenn Zukunftsseher besonders intensiv mit Zukunftsschwachsinn glänzen wollen, dann  scheint der Griff in´s Klo am heftigsten zu sein (haben die das etwa nicht vorausgesehen…?). Insofern lagen die meisten auch noch unter der üblichen zwanzigprozentigen Zufallstrefferquote, und am schönsten sind die 50/50 Möglichkeiten, wie der prognostizierte Ausbruch des Vesuvs oder der Zusammenbruch des Euros. Hier lagen die Katatstrophenwünsche wohl am höchsten und das Hellsehen völlig daneben. Bei lediglich zwei Möglichkeiten besonders oft die falsche zu wählen ist eine ganz besonders zu würdigende Leistung der zukunftssehenden Zunft.

So wird bei der GWUP nicht nur der Finger in die Wunden der Unfähigkeit hellsehender Nullnummern gelegt, nein, es wird berechtigterweise mit der ganzen Hand ordentlich darin herum gerührt, denn unsere häufig danebenliegenden Orakelfreunde entpuppen sich zunehmend als Antihellseher oder Antiastrologen – soviel falsche Prognosen geben ja nicht einmal diejenigen ab, die einfach nur einmal aus einer Laune heraus raten.
Dazu kommt noch, dass manche der Vorhersagen – wie bei Weltuntergängen üblich – schon alleine thematisch dazu verdammt sind, völlig daneben zu liegen. Die Trefferquote geht dort nämlich zwangsläufig gegen Null. Ein zufälliger Weltuntergang wäre gerade jetzt am 21.12.2012 so dermaßen unwahrscheinlich, dass man nicht einmal unter starkem Alkoholeinfluss darüber nachdenken muss. Deshalb sind solche angekündigten Ereignisse schlichtweg völlig an den Haaren herbeigezogener Schwachsinn, zumal es astronomisch bis heute absolut keinen einzigen Hinweis auf irgendeine Konstellation gibt, der darauf hindeuten würde, die Welt hätte wenigstens den Hauch einer Untergangschance.

Aber weder Wahrsager noch Leichtgläubige lernen etwas daraus. Nächstes Jahr werden die ersten Weltuntergangspropheten wieder in Reih´ und Glied stehen und ihren dann neu erfundenen und unglaubwürdigen Blödsinn in das Internet plärren, Astrologen werden weiterhin leichtgläubige Menschen, von denen es ja zahlreiche gibt, mit verschwurbelten Zukunftslügen hinter´s Licht führen, und Quacksalber jeglicher Art werden weiterhin von der (nicht vorhandenen) Wirkungsweise der Homöopathie, Schüssler-Salzen und Co. erzählen.

Warum auch soll es je anders sein – auch die einen vom Pferd erzählende Hellseherniete  Nostradamus ist ja rd. 450 Jahre nach seinem Ableben immer noch in aller Munde, obwohl seine bis heute nichtssagenden Schwurbelverse nichts weiter sind als die geistige Flatulenz eines verrückten Apothekers. Wer schreibt, der bleibt eben, auch wenn er noch so einen an der Schüssler Schüssel hatte.