Derzeit verbreiten manche modernen Regierungen in der EU angeblich Angst und Schrecken bei einigen EU-Mitbürgern mit der Fortschreibung der Gleichstellung gleichgeschlechtlicher mit heterosexuellen Partnerschaften. Traditionell oder konservativ eingestellte sowie homophobe Menschen gruseln sich bei dem Gedanken, einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft könnte der gleiche Wert zugestanden werden wie einer heterosexuellen. Ja, sie sträuben sich mit Händen und Füssen gegen den Wunsch, gleichgeschlechtliche Partnerschaft als Ehen zu bezeichnen, obwohl gerade diese traditionelle Institution in Wirklichkeit schon längst zu den völlig überholten und überflüssigen Traditionen zu zählen ist.

Manche Kritiker der Gleichgeschlechtlichkeit sehen demzufolge in der Aufwertung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften gar einen Niedergang unserer kulturellen Identität, ein Abstieg zu Sodom und Gomorrha, und manche erwarten nichts weniger als den unvermeidbaren Untergang des Abendlandes.
Wenn man jedoch die beabsichtigte Dramatisierung und das idiotische Abendlandsuntergangsgeschrei beiseite schiebt und die Situationen genau betrachtet, so fragt man sich unwillkürlich, was denn das eine mit dem anderen zu tun hat, außer das es sich um zwei Menschen handelt, die als Partner zusammenleben und gesellschaftlich sowie rechtlich anderen Partnerschaften gleichgestellt sein wollen. So ist die Wertigkeit einer heterosexuellen Partnerschaft ja nicht automatisch dadurch gemindert, dass es neben dieser auch gleichgeschlechtliche geben wird. Woher also kommt es, dass es immer wieder Strömungen gibt die meinen, eine Aufwertung einer bestimmten Angelegenheit wäre eine gleichzeitige Abwertung einer üblichen Sache. Im Prinzip ist eine Ehe ansich nämlich gar nichts Besonderes, sondern ein Ergebnis evolutionären Verhaltens, der mit Fortpflanzung, sexueller Verfügbarkeit, Versorgung, Gruppenverhalten  und menschlichen Vorstellungen zu tun hat, also letztendlich nichts weiter als eine gewachsene Anhäufung verschiedener menschlicher Bedürfnisse und Interessen.
Ob denn nun in dieser Kulmination von Bedürfnissen eine Sache wegfällt – im Falle der Gleichgeschlechtlichkeit die gemeinsame Fortpflanzung beider Partner – ist völlig unerheblich, denn auch heterosexuelle Partnerschaften können durchaus ein Leben ohne Fortpflanzung – ob gewollt oder ungewollt –  gemeinsam führen. Die Fortpflanzung selbst ist für einzelne Paare von nicht allzu grosser Bedeutung, schon gar nicht für die Partnerschaft ansich. Insofern ist es moralisch völlig legitim, eine Partnerschaft ganz bewusst mit dem Willen einzugehen, sich auf keinen Fall fortzupflanzen zu wollen. Der Staat muss auch diese Ehen zulassen, und ob eine Fortpflanzung stattfindet oder nicht geht niemanden etwas an. Vor diesem Hintergrund muss die Frage gestellt werden, wieso gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht die gleiche Wertigkeit haben wie eine bisherige Ehe?

Der zweite und viel wichtigere Aspekt jedoch ist die mit der Weigerung, gleichgeschlechtliche Partnerschaften als Ehe anzuerkennen, verbundene offene Diskriminierung der in solchen Partnerschaften stehenden Menschen. Die ist in der Tat gar nicht mal nebensächlich, denn Kritiker gleichgeschlechtlicher Partnerschaften bewegen sich auf gefährlich dünnem Eis, unter dem ein ganzer See geschichtlicher Diskriminierungen brodelt. Eine solche Forderung ist nämlich gleichbedeutend und in nicht zu unterschätzender Deutlichkeit, dass Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen minderwertig seien und deshalb keine gleichwertige Anerkennung erhalten sollen, wenn sie sich als Paar rechtlich vereinigen wollen. Dagegen sind Menschen in heterosexuellen Beziehungen hochwertig und erhalten die volle Anerkennung des Staates. Insofern gibt es tatsächlich nur einen einzigen Grund, um die Aufwertung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zu verhindern, nämlich die Diskriminierung der Menschen mit gleichgeschlechtlichen Vorlieben, und der Staat spielt diesen Diskrimierungsreigen bis heute mit.

Die offene Forderung nämlich, dass homosexuellen Partnerschaften keine Gleichstellung zugestanden werden sollte ist in Wirklichkeit nicht anders rassistisch als die in den USA bis 1967 in 16 Bundesstaaten verbotenen Mischehen. Nun ist es hier nicht mehr so, dass jemand aufgrund seiner gleichgeschlechtlichen Neigung bzw. das Eingehen einer Partnerschaft mit einem gleichgeschlechtlichen Partner von Staats wegen verfolgt wird, das aber auch erst seit der Abschaffung des §175 im Jahre 1994. Anerkannt in gleicher Wertigkeit werden sie jedoch bis heute nicht. Insofern bleibt die Weigerung einer Gleichstellung von Staats wegen eine Diskriminierung, die es abzuschaffen gilt.

Der Grund für das Festhalten an dem Unterschied zwischen den verschiedenen gschlechtsabhängigen Partnerschaften liegt wohl tatsächlich an den auch heute immer wieder verlauteten Äußerungen kirchlicher Würdenträger und anderer christlicher Organisationen, homosexuelle Handlungen widersprächen natürlichen Gesetzen. Dieser wirklich völlig an den Haaren herbeigezogener Unsinn hat etwa die gleiche Argumentationskraft, als läge der Grund gegen Gleichgeschlechtlichkeit in der Existenz eines rosa Einhorns.
Auch wenn Philosophen noch so gerne über natürliche Gesetze fabulieren und umher schwätzen und Theologen das gerne wie kleine Kinder nachplappern: natürliche Gesetze sind wie rosa Einhörner, nämlich nicht existent. Insofern ist eine auf solche angeblichen Gesetze gestützte Äußerung gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften kein legitimes Argument, sondern schlichtweg eine traditionelle, aber gesetzeswidrige Diskriminierung.

Siehe auch:

Die Mär von dem natürlichen Gesetz
Deutschland Deine Diskriminierungen
Die überflüssige Institution Ehe
Rückwärtsgewandte Katholikenbischöfe
Schrecklich christliche Bischöfe