Deutsche Verlage erkämpfen sich derzeit mit intensiver Lobbyarbeit das Recht per neuem Gesetz, sich für die Weiterverlinkung auf ihre Verlagserzeugnisse, also für die Werbung ihrer Online-Zeitschriften und die Zuführung von Lesern auch noch bezahlen zu lassen. Die Frage ist jedoch, wer wird das mitmachen? Der Gesetzesentwurf dazu wurde jedenfalls gestern im Bundestag in erster Lesung beraten.

Stellen Sie sich vor, ein Stadtführer empfiehlt einer Gruppe eine bestimmte Gaststätte aufzusuchen, weil es dort besonders gut schmeckt. Der Betreiber des Restaurants verlangt nun vom Stadtführer für dessen Empfehlung und die Weiterleitung der Touristen zu seinem Betrieb eine Vergütung. Würde der Stadtführer jemals wieder Gäste zu diesem Betrieb schicken? Sicher nicht. Würde der Stadtführer den Betriebsinhaber nicht eher fragen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat? Das dürfte anzunehmen sein. Und würde der Stadtführer nicht eher zu dem Betriebsinhaber sagen, dass er ihm nur noch Gäste schickt, wenn er ab jetzt dafür bezahlt? Das wäre wahrscheinlich.

Warum also sollte das Unternehmen Google und andere Suchmaschinen dafür bezahlen, dass sie Leser an die entsprechenden Verlagserzeugnisse weiterleiten? Es gibt dafür keinen vernünftigen Grund, und dass uns derzeit sämtliche Online-Zeitschriften genau das Gegenteil davon erzählen wollen, läßt die Glaubwürdigkeit auch von bisher angesehenen elektronischen Verlagen in´s Bodenlose fallen.

Auf Internet-Law ist dennoch nachzulesen, dass deutsche Verlage sich ihrer Sache sicher scheinen.  Thomas Stadler: „In diesem Zusammenhang hört man jetzt öfter die These, man werde Google und Co. dann schon noch zwingen, an die Verlage zu zahlen. Gerade das sieht das Gesetz jedoch nicht vor.“ Begründet wird das wohl mit kartellrechtlichen Bedingungen, doch Google ist gar nicht verpflichtet, Urheberrechtslizenzen zu erwerben, es ist ja nicht einmal verpflichtet, eine deutsche Geschäftsstelle zu betreiben.

Deshalb soll Google seine deutsche Geschäftstelle schließen und somit alle deutschen Verlagserzeugnisse völlig aus dem Suchindex entfernen. Verlage sollen erst dann wieder in den Suchindex aufgenommen werden, wenn diese dafür entsprechend bezahlen. Dann schauen wir doch einmal, welchen Wert das neue Leistungsschutzgesetz überhaupt hat. Suchmaschinen, Blogger und auch Leser können auf elektronische deutsche Verlagserzeugnisse verzichten, im Ausland gibt es genug deutschsprachige Zeitschriften. Und eine deutsche Google-Suchmaschine muss man auch nicht haben – Google.com ist überall. Insofern kann man im Prinzip Thomas Stadler nur zustimmen, wenn er am Ende seines Artikels meint: „Vielleicht wäre es aber auch für die Politik und die Verlage ganz heilsam, wenn das Gesetz tatsächlich in Kraft tritt, denn dann wird die Politik sehr schnell erkennen, was sie angerichtet hat und die Verlage werden einsehen müssen, dass sie ein Eigentor geschossen haben. Möglicherweise ist dieser pädagogische Effekt ja genau das, was jetzt nötig ist.“ Und deshalb, Google und andere Suchmaschinen, werft deutsche Verlagserzeugnisse einfach aus dem Suchindex!

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Hier geht es zu weiteren interessanten Artikeln über das geplante Leistungsschutzrecht (update):

Google – Verteidige Dein Netz

Internet Law – Wie geht es mit dem Leistungsschutzrecht weiter?
Netzpolitik.org – Zum Nachschauen: Debatte über Leistungsschutzrecht in erster Lesung im Bundestag
Überschaubare Relevanz – Geht sterben (4)
Netzpolitik.org -Eingriff in freies Internet: Jugendorganisationen politischer Parteien lehnen Leistungsschutzrecht gemeinsam ab
Internet-Law – Google, das Leistungsschutzrecht und die Heuchelei der Presse
Netzpolitik.org – Tagesspiegel korrigiert: Netzpolitik bekommt kein Lobby-Geld von Google
Netzpolitik.org – Leistungsschutzrecht: Das bestellte Gesetz
Netzpolitik.org – BDZV: Arbeit von Suchmaschinen ist mit Ladendiebstahl vergleichbar
Netzpolitik.org – Wissenschaftler gegen Leistungsschutzrecht
Internet-Law – Leistungsschutzrecht: Was ist von den “Fakten und Argumenten” des BDZV zu halten?
Internet-Law – Wen betrifft das Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse jetzt eigentlich?
Internet-Law – Max-Planck-Institut, GRUR und führende Rechtswissenschaftler sprechen sich gegen Leistungsschutzrecht aus

Siehe auch:
Geht sterben!
Das Leistungsschutzrecht als Nacht- und Nebel-Aktion
Leistungsschutzrecht – das elektronische Verlagsgrab
Offener Brief an die Verleger elektronischer Zeitschriften
Widerstand gegen das neue Leistungsschutzrecht