Kölner Dom – Gewaltiges Zeichen längst vergangener kirchlicher Macht – gemeinfrei

Die katholische Kirche sieht weltweit ihre Felle davon schwimmen. Das ist derzeit vermehrt in der Bloggosphäre sowie in den journalistischen Medien nachzulesen. Dazu gehört auch, dass sich nach Jahren der liberalisierten Nächstenliebe die Amtsträger der christlichen Kirchen wieder vermehrt auf das eigene Schreckenspotential besinnen. So ist im Atheist Media Blog nachzulesen, dass „Viele Katholiken in den westlichen Ländern (…) eine falsche Vorstellung von der Hölle (hätten) und (…) sich keine Sorgen um die Möglichkeit der ewigen Verdammnis (machten)“. Das sagte Ralph Martin, Experte bei der Bischofssynode zur Neuevangelisierung.

Martin scheint jedoch nicht zu verstehen, dass viele gar keine Vorstellungen von „Hölle“ oder „ewiger Verdammnis“ alleine aus dem Grund haben, weil diese genauso wie rosa Einhörner nichts weiter sind als primitiver Aberglaube. Zwar hat der immer noch seinen Platz in der Gesellschaft, lebt sich aber inzwischen in gänzlich anderen Bereichen wie Esoterik und weiteren energetischen Formen mit quaisreligiösem Ersatzhumbug aus. Die Hölle als Sinnbild des christlichen Schreckens mit einem tanzenden Teufel und seinem lustigem Fegefeuer, über dem er Mensch am Spieß (mit Apfel im Mund) grillt hat einfach ausgedient und wird inzwischen dem üblichen Quatsch zugeordnet, der früher lediglich dazu diente, christlichen Würdenträgern die eigenen Macht zu sichern. Das taten sie, indem sie sich als abgrundtiefe Sadisten die schlimmsten Qualen ausgedacht hatten, um Menschen für ihre eigenen Zwecke gefügig zu machen. Die Krönung dieser sadistischen Hölle war die päpstliche Inquisition, die im Erfinden grausamer Spielchen zu ihrer eigenen Befriedigung und zum Machterhalt der Kirche nicht sadistisch genug sein konnte, so dass sogar der Teufel dagegen als Waisenknabe galt.
Diese Zeiten sind jedoch lange vorbei und auch nicht mehr zurückzuholen. Die Macht der Kirche ist gebrochen und verloren, da nützt es auch nicht, aus der Kirche Ausgetretene mit einem geharnischten Brief die Ohren voll zu jammern. Eher gibt sich die katholische Kirche damit vollends der Lächerlichkeit preis.

In einem weiteren Artikel im Atheist Media Blog über das Wettern der katholischen Kirche gegen gleichgeschlechtliche Ehen müssen sich die Amtsträger der Kirchen wohl eingestehen, dass ihre moralischen Vorstellungen so recht auch niemanden mehr interessiert. Wozu auch, schliesslich hatte ich schon einmal den Widersinn angesprochen, dass sich ausgerechnet diejenigen am meisten um die Sexualität der Menschen kümmern wollen, die am wenigstens davon betroffen sind. Dafür haben einige von ihnen keine Probleme damit, sich kleinen Kindern sexuell zu nähern. Also wäre Schweigen und Demut bei den kirchlichen Würdenträgern angebrachter, denn zum einen sind deren Moralvorstellungen bigott und völlig überholt, zum anderen will die auch kaum noch jemand hören.

Wenn Staat und Kirche nicht mehr an einem Strang ziehen, dann kann das nur gut für ein Volk sein – Entdeckung der Kapuzinergräuel in Wien 1868 – gemeinfrei

Im gleichen Blog finden sich auch gleich zwei Einträge, in denen verschiedene EKD-Ratsvorsitzende sich zu verschiedenen Themen äußern, die in die gleiche Bedeutungslosigkeitskerbe schlagen. „Wir wissen es zu schätzen, in einem demokratischen und religiös neutralen Staat zu leben, der aber bewusst kein laizistischer Staat ist“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider. Nein, bewusst ist das eher nicht, denn die Trennung von Kirche und Staat nach französischem Vorbild hat hier – wie in Deutschland üblich – aufgrund anderer Machtstrukturen (Obrigkeitsdenken) und fehlender Intellektualität nicht konsequent durchgezogen werden können. Insofern ist die jetzige konsequente Entwicklung zu einem laizistischen Staat zwar sehr langsam, aber eindeutig. Darüber können auch rückwärtsgewandte Äußerungen einer Bundeskanzlerin nicht hinwegtäuschen. Der Anteil der Agnostiker und Atheisten in Deutschland wächst stetig und wird seinen Entwicklungsbeitrag dazu leisten, Religionen in den Privatbereich abzudrängen. Da nützen auch keine Drohungen mit einer Grillparty beim Teufel.

Einen Tag zuvor war auch ein Artikel über eine Aussage in dem Blog zu finden, in dem der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider aus Düsseldorf das selbstbestimmte Sterben als unchristlich bezeichnet. Abgesehen davon, dass diese Äußerung sogar in der katholischen Kirche auf Unmut stößt, passt dazu jedoch ganz gut die Weigerung einer Dortmunder Kirchengemeinde, den letzten Wunsch eines an einem Gehirntumor verstorbenen neunjährigen Kind zu erfüllen, nämlich das Anbringen eines Logos seines Lieblingsfußballvereins auf seinem Grabstein. Dafür dürften die Eltern aber gerne das Logo der Religionsgemeinschaft anbringen. Gerne auch riesengroß. Bei anderen Symbolen hört dagegen jegliche christliche Nächstenliebe auf. Anscheinend ist es ein beliebtes Ziel von Ratspräsidenten und Kirchenvorständen, doch noch irgendwie die Hölle wiederzubeleben, indem sie sich selbst empfehlen.

Und am Schluss warnt der Papst mal wieder vor dem praktischen Atheismus, „der letztlich “noch zerstörerischer” sei als die theoretische Bestreitung der Existenz Gottes in früheren Jahrhunderten.“ Weiter heisst es : „Werde der Bezug auf Gott “verdunkelt”, verdunkele sich auch der ethische Horizont.
In der Tat ist das zerstörerisch – für die Kirche. Und viele haben Gott nicht nur „verdunkelt“, sondern längst abgeschaltet – und dennoch nicht ihren ethischen Horizont verloren. Auch beim Papst scheint die Angst vor der eigenen Bedeutungslosigkeit nicht Halt zu machen.

Langsam aber stetig und in gleichem Maße, wie Gesellschaften auf den Laizismus zusteuern, entwickeln sich die Kirchen zunehmend verkleinernd zurück in die Bedeutungslosigkeit. Die einst mächtigen Kirchen, die mit Drohungen von postmortaler ewiger Qual ihre Mitglieder bei der Stange gehalten hat verkommt zunehmend zu einer unbedeutenden Religion unter vielen. Die Versuche, mit den nun neu aufgelegten und der Nächstenliebe widersprechenden Drohungen von Hölle und ewiger Verdammnis noch ein wenig Boden zurück zu gewinnen erzeugt letztendlich nur ein müdes Lächeln, weil kaum noch jemand an den Mumpitz glaubt. Man sollte die Kirche verlassen, bevor neben jeglicher vernünftigen Basis ihr auch noch der letzte Rest Nächstenliebe gänzlich abhanden kommt. Die Welt braucht keinen Gott und keinen Teufel, keine Hölle und vermehrt keine christlichen Bestattungen. Und auf eine Nächstenliebe, die sich aus sadistischen Drohungen von Qual und Verdammnis speist, können wir alle verzichten. Das Christentum hat sich nicht verändert, aber die Menschen, die den kindlichen Aberglauben an eine übernatürliche Instanz inzwischen einfach abgelegt haben.