The Descent of the Modernists – gemeinfrei

In vielen Foren und Kommentareinträgen ist immer wieder von ausufernden Diskussionen zwischen Atheisten und Religionsanhängern zu lesen, die zumeist irgendwann seitens der Gläubigen abgebrochen werden oder im Nirwana nicht genehmigter Kommentare verschwinden, wenn die Diskussion auf dem Blog eines Gläubigen geführt wird. Das ist im Prinzip kein Wunder, denn gegenüber einer anhaltend rein logisch-sachlichen Kritik nach den in der Naturwissenschaft angewandten Regeln von Beweisführung und Falsifikation stehen Religionsanhänger stets auf verlorenem Posten.

Das liegt zum Einen daran, dass Grundlagen von Religionen in weiten Teilen inkonsistent sind, dass heisst, die Texte widersprechen sich häufig und sind damit logisch angreifbar. Zum Anderen  sind die meisten der aufgeführten Erzählungen auf einen Wahrheitsgehalt hin nicht überprüfbar oder – vor allem bei übernatürlichem Hintergrund – nach den heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen unwahrscheinlich. Zudem ist eine angenommene übernatürliche Instanz in keinster Weise erfassbar und hat insofern den gleichen logischen Status wie Spaghettimonster oder rosa Einhorn. Und zusätzlich werden durch die zunehmende Technisierung der Wissenschaften Erkenntnisse möglich, die ganze religiöse Inspirationskomplexe – etwa Nahtoderfahrungen und göttliche Visionen – auf natürlich erklärbare Zustände reduzieren. Insofern ist es also kein Wunder, dass Religionsanhänger nichts wissenschaftlich Konkretes vorweisen können ausser einem Buch mit einem widersprüchlichen und der Wissenschaft widersprechenden Inhalt.
Aus diesem Grund werden häufig Anforderungen von diskutierfreudigen Atheisten nach einem Beweis für die Richtigkeit ihrer Glaubensansätze zumeist mit der hilflosen Rückanforderung beantwortet, dass doch der Gegenbeweis auch nicht angetreten werden kann. Dass dies nach der menschlichen Logik sowieso gar nicht möglich ist, wird dabei gerne ausgeblendet.

Bibelausschnitt – gemeinfrei

Diese Beweislücke machen sich neben den Religionsanhängern auch Esoteriker, Ufogläubige und Verschwörungsanhänger zunutze, die bestimmte Vorgänge postulieren und diese im Normalfall nicht beweisen können. Aus der Unmöglichkeit eines Nichtexistenzbeweises entsteht jedoch ein durch die Gläubigen verursachtes Beweisvakuum als Argumentationsgrenze, welches in eine gewisse Machtlosigkeit der auf naturwissenschaftlicher Basis argumentierenden Nichtgläubigen mündet. Gleichzeitig führt diese vermeintliche Beweisschwebe zwischen fehlendem Nachweis und fehlendem Gegenbeweis dazu, dass Menschen sich auf ihre Erfahrungen verlassen und glauben, die seien wahrer als alle Wissenschaften, und das ist in den Religionen genauso häufig anzutreffen wie in der Esoterik.

Atheisten jedoch argumentieren zumeist auf benannter logisch-sachlicher Basis und eröffnen damit einen Stil, bei dem jegliche Diskussionen mit Religionsanhängern wie auch mit Esoterikern, Ufologen und Verschwörungstheoretikern versagen muss. Es kann kein anderes Ergebnis geben als die Totalkapitulation einer der beiden Gesprächsteilnehmer, was demzufolge auf Seiten der Gläubigen zumeist in der Weigerung mündet, wissenschaftliche Grundlagen anzuerkennen oder die Diskussion fortzuführen. Häufig wird dem Gegenüber auch einfach das Wort abgeschnitten, wie in manchen Blogs bei mit strenger Logik diskutierenden Atheisten nachzulesen ist. Und letztendlich mündet die argumentative Machtlosigkeit der Gläubigen häufig in der Forderung nach einem Argumentationsverbot, welches sie hinter einem ersehnten Blasphemiegesetz verstecken. Das alles sind letztendlich nichts weiter als offene Totalkapitulationen.

Doch im Prinzip ist diese Art der Diskussionsführung von Atheisten in Bezug auf Religionen auch nicht ganz fair. Denn theoretisch sollte jedem Diskutanten klar sein, dass Religions- oder Geisteskonstrukte argumentativ nicht mit naturwissenschaftlichen oder logischen Beweisführungsansprüchen versehen werden können. Die Philosophie bspw. würde bei einer solchen Anforderung zwangsläufig völlig in sich zusammenbrechen, weil sie keine neutrale Beweisführung kennt und nicht in der Lage ist, eine bestimmte Meinung oder These unabhängig vom Geist des Menschen als  wiederholbar zu postulieren, es würde auch den Grundlagen der Philosophie widersprechen. Genauso widerspricht es Religionen, über den Glauben hinaus von einem argumentativ nachweisbarem Wissen zu sprechen. Zwar entstehen aus philosophischen und religiösen Konstrukten immer wieder Ansprüche an vermeintliche ultimative Wahrheiten. Manche postulieren sie gar als natürliche Gesetze und reizen demzufolge ganz besonders zum argumentativen Widerspruch. In Wirklichkeit aber sind Philosophie, Religionen, Esoterik u.a. „beliebige“ menschengemachte Konstrukte. Sie alle haben keine außerhalb der Menschen gemachte, also bspw. naturalistische oder göttliche Basis, nicht einmal in Sachen Ethik.

Im Gespräch – gemeinfrei

Atheisten, die mit Gläubigen diskutieren, werden deshalb genauso scheitern wie Gläubige, die sich auf Glaubensgrundsätze berufen und diese als „wahr“ ansehen. Da reden zwei miteinander, die auf den vorhandenen verschiedenen Basen eigentlich gar nicht miteinander reden können. Deshalb verwundert es mich immer wieder, dass sich Gläubige auf solche Gespräche einlassen. Sie müssen argumentativ zwangsläufig scheitern.
Der Glaube an Gott ist eben nur ein Glaube, Wahrheiten sind dort nicht vorhanden und Gott kann nicht bewiesen werden. Und wer sich nicht in die Ecke drängen lassen will, der sollte auf dieser Ebene nicht diskutieren. In der Esoterik ist es auch sinnlos, sich von einem Homöopathenerklären zu lassen, wie das Wassergedächtnis funktioniert. Er wird es nie erklären können, weil es wie in den Religionen reine menschlich konstruierte Glaubensangelegenheiten und nicht im wissenschaftlichen Sinne erklärbar sind.
Sicher mag die vereinnahmende und missionarische Postulierung von Glaubensgrundsätzen als „Wahrheiten für alle“ zu genau diesem argumentativen Spaß des „Gläubige-argumentativ-in-die-Ecke-drängens“ führen und ist auch legitim. Zu einer seriösen Diskussionsführung kommt es bei dieser unterschiedlichen Sichtweise jedoch genausowenig wie das Diskutieren in unterschiedlichen Sprachen, bei der die eine die jeweils andere Seite nicht versteht.

Über eines wundere ich mich jedoch immer wieder, warum nämlich Gläubige nicht in der Lage sind, den für einen Gläubigen einfachsten und selbstverständlichsten Satz zu sagen, nämlich „Ich glaube!“. In diesen zwei Worten steckt der ganze Sinn der Religion, nämlich nicht zu wissen und einfach zu glauben, ohne Gottesbeweise und ohne Rückgriff auf die Logik. Dann müssten sie sich auch nicht argumentativ in die Ecke drängen lassen, denn glauben kann jeder, was er will und so lange er will. Und mit einem Glauben muss er sich auch nicht einer erwarteten Logik beugen. Jedoch hätten mit einer reinen „Ich glaube“-Aussage wohl nicht so viele Menschen missioniert werden können, und deshalb ist die argumentative Kapitulation der Religionsanhänger genau der Preis dafür.

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