Religionen gehören zu den alten Traditionen, die nicht nur mögliche Versionen dafür liefern, wie das Universum entstanden ist und warum es besteht, sondern gleichzeitig auch Erklärungen dafür parat halten, warum Menschen überhaupt existieren und was mit ihnen geschieht, wenn sie sterben. Diese Tatsache ist eine recht gute und wahrscheinlich auch evolutionär gut begründbare Erklärung dafür, warum es Religionen überhaupt gibt. Viele Menschen mögen sich nicht damit abfinden, dass der eigene Tod auch ein absoluter Tod sein kann. Sie suchen deshalb ihr Seelenheil in verschiedenen Formen religiöser Vorgaben, damit der ewige Fortbestand des eigenen Individuums in einer anderen Form gesichert erscheint und dem Leben einen Sinn über den Tod hinaus verleiht.

Religiöse sterben demzufolge zumeist in dem Glauben, sie wären dann bei Gott, vielleicht mit ein bisschen Reinigung durch das Fegefeuer als Zwischenstufe. Die Hölle dagegen ist inzwischen – vorwiegend bei den wohlhabenden Gesellschaften – im Prinzip abgeschafft. Zumindest wird die Drohung der Hölle von den meisten nicht mehr ernst genommen. Aber auch wenn den Religionen nach und nach ihre postmortale Gerichtsbarkeit verloren gegangen ist, bieten sie dennoch ein relativ abgerundetes Bild für ein menschliches Leben und geben Hoffnung den Lebenden und den Sterbenden.

Agnostische oder atheistische Menschen dagegen lehnen im Prinzip solche Denkweisen ab. Für sie gibt es im Großen und Ganzen kein Überleben der „Seele“ und demzufolge kein ewiges Überleben bei einem Gott. Ein Weiterleben nach dem Tode scheint ausgeschlossen, die Individualität zerfällt mit dem Stillstand des Gehirns in ein Nichts, es ist endgültig abgeschaltet wie der Wolframfaden einer Glühbirne. Es wird keine Energie mehr geliefert, um das Gehirn zum „Leuchten“ zu bringen, und das Gehirn gleicht dem zerstörten Wolframfaden, der nie wieder leuchten wird und somit dem natürlichen Verfall preisgegeben ist.
Sicherlich gibt es durchaus diverse Erklärungsversuche für ein angebliches Leben nach dem Tod ausserhalb religiöser Entwürfe, doch die meisten sind nichts weiter als Religionsersatz, vor allem dann, wenn sie sich auf esoterischer Ebene bewegen und letztendlich nur eine andere Art Opium für das  Volk bedeuten.

Im Prinzip jedoch haben Agnostiker und Atheisten keine Probleme damit, im Leben und in der eigenen Existenz keinen wirklichen Sinn zu sehen, und es ist für sie zumeist selbstverständlich, dass mit dem Tod die eigene Existenz endet. Sie halten eine postmortale Individualität zumeist eher für unwahrscheinlich. Deshalb sehen sie häufig den Sinn des Lebens im Leben selbst, in den natürlichen Aufgaben der Natur wie die Fortpflanzung oder in der Anhäufung von Reichtum, manchmal auch darin, sich das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Dazu zählt natürlich auch die von Religionen zumeist verpönte Optimierung des Spaßanteils im Leben. Sogar von Politikern ist ja manchmal zu hören, dass wir keine Spaßgesellschaft seien – warum eigentlich nicht?

Stephen Hawking
„Gott unnötig“
Wiki gemeinfrei

Auch die Naturwissenschaften bestreiten, dass die Existenz des Universum einem tieferen Sinn entspringt, Aussagen darüber lassen sich jedoch nicht verifizieren. Albert Einstein hat in einem Brief an Gutkind Religionen als kindischen Aberglauben bezeichnet, denn auch für ihn begründete sich die Existenz des Universums, seiner Planeten und seiner Bewohner nicht auf einer übernatürlichen Instanz. Ähnlich sieht das auch Stephen Hawking, der eine Existenz Gottes für unnötig hält. Alles kann auch einfach existieren, aus seiner selbst Willen, aus Zufall, aufgrund einer zufälligen Fluktuation, die zum Urknall führte oder aus einer Laune der Natur. Ein „Anstoßer“, „Ausführer“ oder gar Erschaffer ist zur Existenz von allem nicht nötig, auch nicht zur Existenz des in der Gesamtschau des Zeitalters unseres Universums völlig unbedeutenden Menschen, der ja letztendlich evolutionär aus dem gleichen Einzeller stammt wie alle anderen auf der Erde existierenden Lebewesen.

Menschen ohne Religion können also einen Lebenssinn alleine in ihrer Existenz finden, ohne Hoffnung auf ein ewiges Leben. Und wenn jemand stirbt, dann verfällt die geordnete Anhäufung von Bausteinen wieder in seine Einzelteile, nämlich in die Atome, die vor 4,5 Milliarden Jahre in unserem Sonnensystem entstanden sind und für die Dauer eines Lebens „geliehen“ wurden. Nach dem Tod werden diese Bauteile wieder an die Umwelt zurück gegeben, damit sie für neues Leben oder anderen Funktionen zur Verfügung stehen. Und letztendlich reiht sich damit alles nur in einen großen Kreislauf ein, der mit dem Urknall begann und irgendwann mit dem Erkalten des Universums enden wird.

Einen Sinn braucht es dabei nicht, auch keine Spekulationen darüber, was nach dem Tod noch kommen könnte. Denn ein Grundgedanke macht bei all den Spekulationen und religiösen Geschichten über das Leben nach dem Tod ungeheuer gelassen: was immer es auch sein mag, was da kommen sollte oder nicht, es wird – unabhängig davon, was jemand in seinem Leben geglaubt hat – nach dem Tod genau das eintreten, was die Naturgesetze dafür vorgesehen haben. Nicht mehr und nicht weniger.