Das Single-Dasein war ja schon oft Gegenstand diverser Untersuchungen. Unzählige Menschen spekulierten bisher darüber, warum Ein-Personen-Haushalte seit einigen Jahren zunehmen. Beim Bundesamt für Statistik sind offizielle Statistiken über solche Haushaltssituationen einsehbar, und nach deren Angaben sind rund 40% aller Haushalte reine Single-Haushalte. Leider wurde nicht erfasst, wie viele der in Single-Haushalten lebenden Menschen auch tatsächlich ohne Beziehung sind.

Nach unbestätigten Angaben scheinen das jedoch rund einem Viertel der angegebenen Single-Haushalte zu sein. Hierbei ist eine weitere von Allensbach erhobene und auf Statista einsehbare Umfrage von Interesse. Nach der gehören rund 10% der echten Singles zu den überzeugten Singles, wogegen die überwiegende Mehrheit, nämlich rund 49%, mit dem Singledasein derzeit zufrieden ist und weitere 11% nicht wissen, ob ihnen der derzeitige Zustand zusagt oder nicht. Rund 30% der beziehungslosen Singles jedoch sind unzufrieden und wünschen sich eine neue Partnerschaft.

Großes Liebespaar
(Ehepaar Hembus)
Ernst-Ludwig Kirchner
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Warum aber sind inzwischen so viele Menschen überhaupt ungebunden? Warum leben dazu so viele zwar freiwillig in einer Beziehung, aber dennoch getrennt in Single-Haushalten?
Vernachlässigen wir bei der Frage die Single-Haushalte, in denen die Menschen eine Beziehung haben und durch äußere Umstände – etwa beruflich – vom Partner räumlich getrennt leben müssen. Vernachlässigen wir auch die Singles, die gerade frisch geschieden oder verwitwet sind. Sie gelten alle nicht als echte Singles. Sprechen wir auch nicht über die durchschnittlich höheren Kosten von Single-Haushalten (Miete, Heiz-, Nebenkosten, Fahrzeug- und Wegekosten) und schauen uns lediglich die persönliche Situation der räumlich getrennt lebenden Partner sowie der beziehungslosen Menschen in den Single-Haushalten an.

Es wird viel darüber spekuliert, warum sich zunehmend räumlich getrennte Beziehungen bilden und diese oft auch räumlich getrennt bleiben, also die Paare eher nicht bereit sind, eine gemeinsame Wohnung zu beziehen. Sicher mag durch die zunehmende finanzielle Unabhängigkeit der einzelnen Menschen der Wunsch zu einer konsequenten Bindung, zu der auch das räumliche Zusammenleben gehört, massiv abgenommen haben und deshalb Paare nicht mehr so leicht den Schritt zu einer gemeinsamen Wohnung machen zu wollen. Die zunehmend wichtiger werdende persönliche Unabhängigkeit bleibt erhalten, und deshalb werden auch doppelte Lebenshaltungskosten in Kauf genommen.

Divorce de Napoleon et Josephine
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Doch der wahre Hintergrund liegt wohl eher in der Tatsache, dass es nämlich einfacher bleibt, bei Missfallen oder dem Abflauen einer Beziehung eine Trennung zu vollziehen. Es ist um ein vielfaches  leichter, in der Konsequenz sich lediglich  zurückziehen als ausziehen zu müssen. Das bewahrt nicht nur die vielzitierte Unabhängigkeit, es bewahrt vor allem die schnelle und stete Möglichkeit, sich einen anderen, besseren Partner zu suchen, auch innerhalb einer zufriedenstellenden Beziehung. Dann ist umgehende Trennung in einer solchen Situation nicht nur für einen selbst leichter, sondern auch in Bezug auf eventuelle Trennungsprozesse mit dem derzeitigen Partner. Man muss ihn weder rauswerfen noch muss man selbst ausziehen, ja, man muss nicht einmal rechtfertigen, warum man eine Beziehung aufgibt, denn es bleiben beide sowohl in materiell abgesicherten Verhältnissen als auch jeder in seinem intimen Wohnumfeld zurück.
Eine Trennung ist hier eine ziemlich einfache und banale Angelegenheit. Zwar mag das emotional nicht unbedingt immer leicht sein, vor allem nicht für den, der zurückgewiesen wird, ansonsten ist das alles jedoch kein Problem und schnell erledigt. Weder muss eine neue Wohnung gesucht, müssen Güter getrennt noch Umzüge organisiert werden. Jeder geht „einfach“ zurück in seine eigene Wohnung und wechselt eventuell als höchsten Aufwand das Türschloß, damit der bisherige Partner nicht mehr hinein kann. Somit ist die Möglichkeit zur neuerlichen Partnerwahl auch über die ganze bisherige Beziehungzeit hinweg erhalten geblieben. Sozusagen eine Beziehung „light“, bei der niemand eine verpflichtende materielle Verbundenheit tragen muss und schon gar nicht die Schwere der überholten traditionellen Form der Institution Ehe. Beziehung light, bei Nichtgefallen zurück in die eigene Wohnung,

Genauer hinschauen muss man aber aus dem gleichen Grund bei den echten Singles, deren Zahl in den letzten Jahren ebenso angewachsen ist. Alleinstehende galten früher im Prinzip als Exoten, heutzutage findet man sie jedoch „an jeder Ecke“ und in jedem Alter. Und da fragt man sich doch unwillkürlich, ob die Unabhängigkeit wirklich das Ziel des Daseins ist, ob sich Singles mit oder ohne Beziehung nicht doch genauso ihre Wahlmöglichkeit erhalten wollen, hier jedoch sehr konsequent. Denn im Prinzip gibt es immer einen „besseren“ Partner als den, den man gerade haben könnte. Würden Singles sich auf eine Beziehung einlassen, würden sie umgehend diese Wahlmöglichkeit verlieren. Deshalb verwehren sie sich alleine schon den Gedanken daran, es könnte jemand kommen, der zu ihnen passen könnte. Denn sicher ist nämlich nie, ob der wirklich auf Dauer passt, und die Partnerwahlmöglichkeit darf auf keinen Fall eingeschränkt werden. Insofern gehört es zu den Standardaussagen von Singles, dass sie sich nur noch mit jemanden einlassen, der nahezu perfekt zu ihnen passt. Doch der kommt „glücklicherweise“ nie, denn auch er würde die Wahlmöglichkeit erneut einschränken, falls der ganz perfekte Partner doch noch kommen sollte. Im Prinzip sind glückliche Singles am meisten darüber glücklich, dass sie jederzeit die Wahl haben, auch wenn sie die nie treffen. Und die meisten der konsequenten Singles warten solange auf den richtigen Partner, bis sie sterben.

Vielleicht hatte der Autor einer Zeitschrift, an die ich mich nicht mehr erinnere, in einem Schlußsatz eines Artikel über das Singleleben recht, in dem es hieß, dass Singles manchmal nachts hoch schrecken und laut ausrufen: „So geht das nicht weiter!“ Aber glücklicherweise hört es ja niemand…