Es ist im Allgemeinen ein zunehmendes Ärgernis. Nach Islamisten, Bischöfe und Gläubige haben nun auch Bundeswehrführer und Wehrbeauftragte den emotionalen Auftritt für sich entdeckt. Sie hatten sich wegen eines eher schlecht gemachten Videos des Musikers  Joachim Witt mit betroffenem emotionalen Geschrei öffentlich geäußert. Vor Jahren noch wäre es undenkbar gewesen, dass irgend jemand in der Bevölkerung das Jammergeschrei von Politikern, Bischöfen oder anderen Gruppierungen in irgendeiner Form ernst genommen hätte. Wer schreit hat unrecht, so hieß es immer, und auch heute noch sollte der Satz unbedingt Gültigkeit haben. Auch wer mit verletzten Gefühlen hausieren geht fällt unter diese Einordnung.

Nun aber waren die BundeswehrsoldatInnen, allen voran der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes Oberst Ulrich Kirsch von einem eher merkwürdigen Joachim-Witt-Video so dermaßen betroffen und dessen Gefühle verletzt, dass die Bundesregierung eine Indizierung des Videos prüfen läßt – wegen angeblich jugendgefährdender Bilder im Video.  Zwar sieht man solche Bilder in vielen anderen Spielfilmen, aber hier scheint es eher darum zu gehen, dass es sich um Bundeswehrsoldaten handelt. Sogar der Wehrbeauftragte Königshaus äußerte sich mal wieder emotional in persönlicher Betroffenheit. Ansonsten ist von dem ja kaum was zu hören. Anscheinend wird sich zukünftig nur noch beleidigt-emotional geäußert, um sich Gehör zu verschaffen, vor allem dann, wenn man an unwichtigen Positionen hockt.

Wir haben durch die Aufgeregtheit und Gewaltbereitschaft der Islamisten gelernt. Wer am lautesten schreit oder gar Botschaften anzündet bekommt Gehör. Das sieht man an den bisher unterstützenden Äußerungen deutscher Bischöfe und Politiker zum Thema Blasphemie, nicht zuletzt auch die Aussagen von Schriftstellern und Philosophen. Zusätzlich scheint es inzwischen auch bei uns schon bei Auseinandersetzungen dazu zu gehören, gleich mal damit zu drohen, jemanden umzubringen oder ihm zumindest „die Fresse zu polieren“, wie bei den jüngsten Vorfällen um das Witt-Video zeigt. Es scheint auch nichts mehr Schlimmes daran zu sein, offen eine Zensur zu fordern, wie dies Spaemann getan hat. Demnächst werden auch andere Gruppen erkannt haben, dass man mit lauten Protestgeschrei am meisten erreicht, denn auch ein Imkerverein kann von verletzten Imkergefühlen und Verunglimpfung sprechen, wenn man nach einem Bienenstich laut „gottverdammte Bienenzucht“ ruft.

Die Bundeswehr hat sich in den letzten Jahren zu einer modernen seriösen Truppe entwickelt, die in internationalen Aufgabenstellungen im Rahmen weltweiter Übereinkünfte eingebunden ist. Hat eine solche mit wichtigen und manchmal auch für Leib und Leben gefährliche Aufgaben betraute Truppe es nötig, sich mit einem eher unwichtigen und künstlerisch fragwürdigen Video eines einzelnen Künstlers so intensiv zu beschäftigen? Ist das Selbstbewusstsein der Truppe so schwach, dass man über schlechte Kunst nicht großzügig hinweg sehen kann? Muss man eigentlich wegen jedem Mist auf die Barrikaden gehen oder den Künstler gar mit dem Tod bedrohen?
Weit weg von islamischen Zuständen oder Auswüchsen ist das nicht.  Solche Auswüchse sind jedoch einer Truppe wie der Bundeswehr schlichtweg unwürdig.  Bleibt gelassen!