Bischöfe müssen draussen bleiben
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Sexualität war und ist in den christlichen Kirchen, vor allem jedoch in der katholischen Kirche nach wie vor ein äußerst verklemmtes Thema.  Nachdem mahnende Worte und Aufrufe seitens der katholischen Kirche zu einer Absage an Schwangerschaftsverhütung und Kondome in Europa nur noch müde belächelt werden, sind die teils diskriminierenden Aussagen über Sexualiät und Ehe, vor allem in Bezug auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften in einem ansonsten zum Glück säkularisierten Land wie dem unseren immer wieder ein Ärgernis. Von den meisten rückwärtsgewandten und „stinkkonservativen“ Bischöfen ist man ja inzwischen gewohnt, dass ihre Aussagen häufig frei von jeglicher Intelligenz sind.

Doch nicht nur die bisher von mir kritisierten Bischöfe Woelki (Berlin) oder Meisner (Köln) können laut und vernehmlich mit zum Teil diskriminierenden verbalen Inkontinenzen  – unter Hinweis auf die vor Inkonsistenz strotzende Bibel – den Rest der Gesellschaft und zunehmend auch gläubige Mitmenschen mehr als nötig belästigen und nerven. Nein, das haben anscheinend alle Bischöfe gelernt. So auch der französische Lyoner Kardinal Philippe Barbarin in seiner Aussage, Homosexualität als Ehe würde zu Vielweiberei und Inzest führen. Das passt auch gleich ganz gut zu einem anderen Vorfall, bei dem nämlich der US-Erzbischof Henry Mansell einen Pfarrer öffentlich verwarnt hatte, weil dieser an der gleichgeschlechtlichen Hochzeit seines Vetters teilgenommen hatte. Und –  schlimmer noch – Erzbischof John Nienstedt von St. Paul and Minneapolis (USA) sieht die Homosexualität gleichbedeutend mit Mord.

Drastische, aber wie so oft völlig schwachsinnige Worte, wenn sich kirchliche Amtsinhaber zum Thema (Homo-) Sexualität äußern. Ich hatte schon einmal angedeutet, dass ausgerechnet die sexuell unerfahrensten Menschen in einer Gesellschaft – nämlich die katholischen Priester und Bischöfe – der Ansicht sind, sie wüssten genauestens Bescheid, wer sich sexuell wie zu verhalten hat. Zudem gehören sie einer Religionsgemeinschaft an, die von einem ihrer Mitpriester als die „größte transnationale Schwulenorganisation“ bezeichnet wurde. Zusätzlich hat die katholische Kirche auch noch herbe Probleme auch mit homosexuellem Kindesmissbrauch zu bewältigen. Das kann gar nicht oft genug erwähnt werden. Es wirkt nämlich auf mich ähnlich wie das Kunstverständnis des gerade verstorbene Friedrich Zimmermann, der als Innenminister kraft seines Amtes angeblich genau wusste, was Kunst ist und diversen Kunstereignissen daraufhin die finanzielle Unterstützung entzog. Seit dieser Zeit wurde dem Mann aus Bayern eher das Urteilsvermögen über Kunst abgesprochen, genauso wie man den Bischöfen das Urteilsvermögen über Sexualität unumwunden absprechen kann. Ämter machen nun mal nicht automatisch intelligenter, sondern bieten lediglich eine willkommene Plattform, um sich zu allen Dingen öffentlich äußern zu können. Sogar dann, wenn das Gesagte noch so schwachsinnig bzw. das Urteilsvermögen noch so eingetrübt ist und für viele Menschen schlichtweg zu einer Zumutung wird.

Diese öffentliche Plattform nutzen die Bischöfe zur Zeit recht häufig. Doch abgesehen davon, dass die Lyoner Wurst mehr Geschmack hat und beim Biss in dieselbe angenehmere Geräusche von sich gibt als der Lyoner Bischof in seinen Interviews, will er den Zuhörern nichts geringeres vermitteln als den vollständigen Untergang des Abendlandes, „Jetzt Neu“ und dramatisch in der soundsovielten Wiederauflage. Hardliner der katholischen Kirche holen stets die Untergangskeule heraus, wenn wegen zu erwartender Gesetzesänderungen in den westlichen Staaten die Gesellschaft sich in Richtung Normalität und Legalität und somit aus den bisher verklemmten christlichen Regeln bewegt, diesmal eben bezüglich gleichgeschlechtlicher Ehen. Zuletzt ging das Abendland bekannterweise bei der Einführung der Pille, im großen Stil jedoch bei den Gesetzesreformen zu Schwangerschaftsabbrüchen unter.

Sodom and Gomorra
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Homosexualität ist also nach den Aussagen der bischöflichen Instanzen in jedem Falle der Vorbote für Sodom und Gomorra. Doch letztendlich sind die Aussagen der Bischöfe die Vorboten für eine teils zunehmende Radikalisierung der Christen gegenüber Andersdenkenden. Es wird nicht mehr lange dauern, bis zwischen den Hardlinern der kath. Kirche und den Kritikern mit härteren Bandagen gekämpft wird. Es wird auch nicht mehr lange dauern, bis die ersten Bischöfe wegen Diskriminierung angezeigt werden, wenn sie sich zu homosexuellen Lebensweisen auf diese Art und Weise weiterhin äußern. Das ist in jedem Falle die logische Konsequenz, denn die Gesetze der Bibel sind gegenüber den staatlichen Gesetzen völlig wertlos geworden und haben keinerlei Gewicht, schon gar nicht, wenn sie diskriminieren. Dann gehört die Bibel in die Vitrine – als Anschauungsstück, was Menschen mit alten Büchern so alles anrichten können. Und den Mitgliedern sollte empfohlen werden, aus dem homophoben Männerverein doch endlich auszutreten, wenn sich Bischöfe weiterhin nicht in ihren Aussagen mäßigen. Terry Jones läßt grüßen.