Vorgestern lief ich eher zufällig an einem Geschäft vorbei, in dem Heilsteine aller Art angeboten werden. Ich finde es ja immer wieder erstaunlich, dass jemand die Ladenmiete eines nicht gerade kleinen Ladengeschäfts mit dem Verkauf von esoterischen Krimskrams bezahlen kann. Über das Verhältnis der Deutschen zum Aberglauben hatte ich ja bereits hier einige Angaben gemacht und auf die entsprechenden Statistiken verlinkt. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass mit den völlig willkürlichen Heilsversprechungen durch Heilsteine manchem Abergläubischen oder Hilfesuchenden ein paar Euros für völligen Schwachsinn aus der Tasche gezogen werden.

Geordnete Heilsteine
Hilft gegen bodenlose Dummheit – oder auch nicht;  Wiki gemeinfrei

Schuld an dem Unsinn ist die vertrottelt-visionäre Hildegard von Bingen, die in den Edelsteinen die von Gott gesandten „Hüter alles Guten“ sah und damit den Boden für den esoterischen Unsinn schon recht früh bereitete (übrigens ist die auch schuld an der Wiederentdeckung des fürchterlich schmeckenden Dinkels, welcher ebenso fester Bestandteil der über den üblichen Placebo-Effekt hinausgehend wirkungslosen Hildegard-Medizin ist).
Nachdem es dann auch bei uns als „uraltes Wissen“ wiederentdeckt wurde und sich entsprechend verbreitete, hat der Spaß jedoch bereits im Jahre 2008 ein Ende gefunden. Da hat nämlich das Landgericht Hamburg festgestellt, dass „das Bewerben von Heilwirkungen von Steinen und die Bezeichnung derselben als „Heilsteine“ unlauterer Wettbewerb ist, selbst wenn auf den fehlenden wissenschaftlichen Nachweis der heilenden Wirkung hingewiesen wird“ (Wikipedia). Hildegard von Bingen würde in ihrem Schrein rotieren – wenn sie nur könnte. Insofern ist es eher verwunderlich, dass in Deutschland noch solche Geschäfte existieren, in denen eine nichtvorhandene Heilwirkung offen beworben wird. Denn ein wissenschaftlich überprüfbarer Beweis für eine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus existiert nach wie vor nicht.

Auch in Österreich ist der Aberglaube an Heilsteine weit verbreitet (man achte auf die Größe der Ladenräume), wie das folgende bei der GWUP gespeicherte viereinhalbminütige Video im Ausschnitt aus einer ORF-Sendung zeigt:

Direktlink zum Youtube-Video

Je weniger Aberglaube, desto weniger Fanatismus, je weniger Fanatismus, desto weniger Unheil.
Voltaire