Nun auch noch Meisner! Eigentlich war es ja zu erwarten, dass nach den Bischöfen Schick (klagt ob seiner verletzten Gefühle und will die Erzeugung derselben unter Strafe stellen lassen) und Woelki („homosexuelle Handlungen verstoßen gegen das natürliche Gesetz„) der dritte der deutlich rückwärtsgewandten Bischöfe, nämlich der Kölner Kardinal Joachim Meisner sich dazu berufen fühlt, den Staat über die Förderung gleichgeschlechtlicher Paare zu belehren. Doch der Bischof scheint da etwas mißverstanden zu haben, denn es gibt überhaupt keine besondere Förderung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.

Was Meisner unter einer „Förderung“ zu verstehen scheint ist wohl eher die selbstverständliche und längst überfällige Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare mit heterosexuellen Paaren – und damit genauso selbstverständlich verbunden die gezielt fortschreitende Zerstörung einer traditionell-christlichen und diskriminierenden Tradition. Doch ausgerechnet die sexuell völlig verklemmte katholische Kirche – in der auch unzählige Knaben von homosexuellen Pfarrern mißbraucht wurden – fühlt sich ständig dazu berufen, durch ihre rückwärtsgewandten Bischofslautsprecher den moralischen Finger zu erheben und der Welt moralische Werte vorzugeben, die sie selbst gar nicht einhalten können (und wahrscheinlich auch gar nicht einhalten wollen). Meisners Aussage „Während die heterosexuelle Ehe im Grundgesetz gefördert würde, dürfe der Staat nicht gleichgeschlechtliche Paare fördern, weil er sich sonst in die Angelegenheiten der Bürger einmische“ ist ja schon an Dümmlichkeit kaum zu überbieten. Die einzigen, die sich nämlich regelmäßig auf unzulässige Weise lautstark in das Intimleben anderer einmischen wollen sind Kirchenvertreter, die in persönlicher Beziehungsarmut und oft vorgetäuschter sexueller Enthaltsamkeit ob ihrer von Drewermann tiefenpsychologisch zerlegten strengkatholischen Jugend und Erziehung mit den wandelnden Realitäten und der zunehmden moralischen Macht- und Stellungslosigkeit ihrer Kirche hadern. Vor allem die katholische Kirche hat aufgrund ihrer eigenen Taten so stark an Vertrauen verloren, dass deren Vertreter gar nicht mehr ernst genommen werden, wenn sie den moralischen Zeigefinger erheben. Die Kirche ist trotz ihrer weitreichenden Einflüsse moralisch fast ohne Einfluss und das Bellen der Bischöfe dient inzwischen mehr der Belustigung als einer Mahnung. Da kann man wirklich nur noch abwinken und rufen „Shut up!“

Auch Meisners Aussage, dass der generative Aspekt, das Kinderkriegen, einzig mit der Ehe verbunden sei, geht an der Realität schlichtweg vorbei. Das Kinderkriegen ist schon lange nicht mehr den Eheleuten vorbehalten, auch moralisch nicht. Heutzutage interessiert es ausgenommen beziehungslosen Würdenträgern niemanden mehr, wenn Regenbogenfamilien oder unverheiratete Partner Kinder bekommen bzw. adoptieren, und auch die künstliche Befruchtung ist inzwischen eine völlig legitime Methode. Kirche wird hier nicht mehr gefragt. Insofern ist auch Meisners Vergleich homosexueller Beziehungen mit Fahrgemeinschaften mehr als abstrus und läßt lediglich im Hinblick auf organisierte Fahrgemeinschaften zu den Katholikentagen tief blicken…

Auch Meisner wird nicht verhindern, dass der Staat sich immer weiter in die richtige Richtung entwickelt, nämlich indem er gleichgeschlechtlichen Partnerschaften das volle gesetzliche Recht gewähren wird und damit das christlich-unsoziale und ebenso diskriminierende Verhalten der Kirchen ignoriert. Eher sollte der Staat eine solche Kirche argwöhnisch beäugen und notfalls dieselbe zu einer Änderung ihrer ureigensten Traditionen zwingen, zumal die Kirche ein nicht unerheblicher Arbeitgeber in der Gesellschaft darstellt. Auch die katholische Kirche darf sich nicht auf diskriminierende Werte berufen, nicht einmal dann, wenn sie angeblich göttlich sind. Das zeigt ganz deutlich, dass kein angebliches Gesetz Gottes über den staatlichen Gesetzen steht. Gott hat sich dem jeweiligen Rechtssystem unterzuordnen. Vielleicht sollte der Staat seine eigenen Gesetze endlich einmal ernst nehmen, dann würde nämlich das unselige Geschwätz der Bischöfe über gleichgeschlechtliche Partnerschaften schnell verstummen. Ein aufgeklärtes Volk braucht keinen christlichen Konservatismus, jedenfalls nicht in dieser rückwärtsgewandten Form.

Siehe auch:
Die Mär von dem natürlichen Gesetz
Deutschland Deine Diskriminierungen
Die überflüssige Institution Ehe