Zwei Ringe (und ein Kreuz), sie zu knechten und ewig zu binden.
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Was bekommt man nicht alles zu hören oder zu lesen, wenn es um den angeblichen Wert der Institution Ehe geht. Wer sich nicht alles dazu berufen fühlt, die Ehe als die einzig wahre Voraussetzung für Partnerschaft, Familie, Fortpflanzung und gegenseitiger Fürsorge nicht nur anzupreisen, sondern sie gar als unabdingbare Notwendigkeit zu erachten. Nicht nur in erzkonservativen und rückwärtsgewandten Kreisen wird die Ehe als eine besonders schutzwürdige Institution angepriesen. In den christlichen Kirchen gilt sie gar als Sakrament, als Krönung des Lebens eines Paares und für die Zukunft bindend, bis dass der Tod der Einheit einen Strich durch die Rechnung macht. Doch tatsächlich ist die Ehe inzwischen ein völlig überholtes Überbleibsel aus einer Zeit, in der Fortpflanzung in Verbindung mit der Versorgung des Nachwuchses und des Partners im Alter im Vordergrund standen.

Die Ehe, die in Wikipedia (althochdeutsch für etwa Ewigkeit, Recht, Gesetz) als gefestigte Lebensgemeinschaft zweier Personen beschrieben wird, wurde vor allem in den christlichen Religionen auf das Ewige und Unauflösliche als fester sakramentaler Bestandteil festgelegt. Ehepaare müssen sich zu der Unauflöslichkeit und zu dem Willen, Kinder zu zeugen, bekennen. Doch eine solche strenge Auslegung der Ehe ist beim Staat nicht mehr gegeben. Hier gilt die Ehe zwar ebenso als besonders schutzwürdige Institution, aber sowohl die Auflösung derselben als auch der Kinderwunsch gelten als Privatsache und obliegen nicht dem Einfluss des Staates. Damit entspricht der Staat dem Wandel der Zeit, in der Ehen keine Zusammenschlüsse auf Dauer sein müssen und der moralische Anspruch der Kirchen an die Ehe unerheblich geworden ist. Dieser Wandel spiegelt sich auch in den Statistiken wieder.
Im Jahre 2011 bspw. gab es bei insgesamt 377.831 Eheschließungen lediglich ca. 46.000 mit anschliessendem katholischen und rd. 53.000 (Zahl aus 2008) mit evangelischem Segen. Dem gegenüber steht die relativ grosse Zahl der 187.640 Ehescheidungen. Ungefähr die Hälfte aller geschlossenen und „besonders schutzwürdigen“ Ehen fallen regelmäßig wieder auseinander, und selbst nach kirchlichen Trauungen wird sich trotz des Ewigkeitsanspruchs – wenn auch durch Ritualbindung und sozialem Druck ca. ein Drittel weniger – getrennt. Insofern ist die Institution Ehe auch innerhalb der Kirchen zu einer überholten Tradition verkommen. Zum Einen glauben die meisten nicht mehr so richtig an die Werte, zum Anderen fühlt sich kaum noch jemand daran gebunden. Wenn eine Ehe nicht funktioniert und beide Seiten finanziell unabhängig sind (wofür auch der Staat sorgt), dann ist eine Trennung schnell ausgesprochen, die Scheidung letztendlich nur noch ein Formalität und das Versprechen auf ewige Treue zu Recht schnell vergessen.

Was also hätte die Ehe als Institution noch für einen Sinn? Zur Zeit jedenfalls ist das Ehe-Konstrukt mit oder ohne christlichem Ewigkeitsanspruch eher diskriminierend. Der Staat unterscheidet nämlich immer noch in unzulässigerweise Weise die gleichgeschlechtliche von der verschiedengeschlechtlichen Lebensgemeinschaft und gesteht nur der traditionellen Mann-Frau-Verbindung die Ehe in vollem Umfang zu. Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften müssen sich mit der eingetragenen Partnerschaft begnügen, mit allen dazugehörenden Nachteilen bspw. im Steuerrecht.

Dies ist jedoch ein unerträglicher Zustand in einem Staat, der einerseits Anti-Diskrimierungsgesetze verabschiedet, anderseits aber als Zugeständnis an konservative und christliche Strömungen selbst Diskriminierer bleibt, indem er gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften aufgrund von festgelegten diskriminierenden Definitionen die Ehe verweigert. Aus diesem Grunde gehört dieses überflüssige und entwicklungshemmende Konstrukt der Ehe mit historisch-christlicher Vorstellung abgeschafft und durch eine neue und zeitgemäße Form, bspw. der von geschlechtsspezifischen Merkmalen unabhängigen eingetragenen Partnerschaft ersetzt.

Ernst Klimt – Vor der Hochzeit
Kitschiges für eine nicht mehr ernstgemeinte Ewigkeit
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Solche Partnerschaften als echte Alternative erfüllen den gleichen Zweck, ohne dass sich bspw. ein unsinniger Ewigkeitsanspruch daraus ableiten läßt. Insofern wären sie weder historisch noch geschlechtlich vorbelastet. Auch wäre es möglich, solche Partnerschaften bewusst zeitbegrenzt abzuschließen – etwa für die Dauer der Kindererziehung. Das heisst ja nun nicht, dass Paare sich nach einer gewissen Zeit trennen müssen, aber eine solche Vorgabe würde den fast 200.000 Scheidungen im Jahr Rechnung tragen. Das Ziel der christlichen Kirchen, die Unauflöslichkeit der Ehe bis zum Tod eines Partners zu bewahren, ist inzwischen völlig lebens- und weltfremd geworden. Die Einheit zwischen zwei Menschen kann niemals eine von außen vorgegebene zwingende Vorgabe sein, und die traditionelle Forderung, sie müsse bis zum Tod dauern, ist eine unzulässige Einmischung. Die Kirchen sollten insofern ihre Einstellungen zu den (auch gleichgeschlechtlichen) Partnerschaften intensiv und rasch überdenken, denn mit ihrer rückwärtsgewandten Sichtweise halten sie letztendlich an einer Diskriminierung fest, die ihnen keineswegs zusteht.

Die Ehe gehört als fossiles Überbleibsel historischer Traditionen zu den völlig überflüssigen Relikten alter Gesellschaften und sollte wie ein alter Zopf einfach abgeschnitten werden. Im Staat ist sie überflüssig und behindernd und stört die freie Weiterentwicklung der Gesellschaft. Auch in den Kirchen taugt die Ehe nicht mehr zur Festigung einer „ewigen“ Partnerschaft. Das Ehe-Sakrament ist tot, und die kirchlich besiegelte Ehe mit einer Hochzeit in Weiß ist bei den meisten Heiratswilligen eher zu einem romantisch-kitschigem Brimborium verkommen. Denn wenn es hart auf hart kommt, dann ist die geschworene ewige Treue keinen Pfifferling mehr wert.