Die oben eingeblendete und eher zufällig gefundene Twitter-Frage von The SKEPTATOR brachte mich gestern dazu, ein wenig launig nach einer Krankheit „Leichtgläubigkeit“ zu suchen. Und tatsächlich: wider Erwarten wurde ich in den unendlichen Weiten des ausgelagerten Wissens deutscher GehirnverdünnungsspezialistInnen fündig. Die Leichtgläubigkeit kann tatsächlich – angeblich – mit speziellen Wirkstoffen geheilt werden.

Gefunden wurde von mir das ultimative Mittel gegen Leichtgläubigkeit, also das Hypersuperdupamittel gegen die (Volks-)Verdummung. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass man leichtgläubig genug ist, um an den Quatsch zu glauben und zudem bereit, leichtgläubig ein paar Euros auf´s Spiel zu setzen, um der eigenen Leichtgläubigkeit ein Schnippchen zu schlagen. Das bereits mit dem Scharlatan-O-Meter ausgezeichnete Gegenmittel gegen die äußerst schwerwiegende und massenphänomenale Volkskrankheit findet man nämlich im Sortiment der Schüßler-Salze!

Tatsächlich sind im Schuessler-Salze-Verzeichnis unter der Rubrik Leichtgläubigkeit drei Schüßler-Salze aufgeführt, die gegen Leichtgläubigkeit empfohlen werden. Das wären somit die verdünnten Formen von Eisen, Phosphor, Kalium, Aluminium, Schwefel und Magnesium. Angeblich sollen sie gegen das Phänomen der homöopathischen Gehirnverdünnung Leichtgläubigkeit helfen und die Bekämpfung derselben unterstützen. Leider findet man keine Hinweise darauf, wie bspw. völlige Verblödung oder krankhafte Dummheit geheilt werden könnten.

Leichtgläubige müssen nämlich völlig verblödet leichtgläubig genug sein, damit sich ein Erfolg einstellt. Klingt komisch, ist es auch. Leichtgläubigkeit ist nämlich nicht nur die in diesem Falle angeblich zu behandelnde Krankheit, sondern auch die selbstverständliche Voraussetzung dafür, dass die Behandlung überhaupt wirkt. Also im Prinzip behandeln die Schüßler-Salze nicht nur eine Krankheit, sondern auch noch ihre eigene Wirksamkeit, die ihre Voraussetzung in der Leichtgläubigkeit findet. Das bedeutet also, je mehr der Leichtgläubige seine Leichtgläubigkeit verliert, umso weniger wirkt das Mittel. Je weniger das Schüßler-Salz jedoch wirkt, umso mehr stellt sich die Leichtgläubigkeit wieder ein. Das Mittel bekämpft sozusagen sich selbst und ist eine Art pseudo-medizinisches Perpetuum Mobile für eine dauerhafte Behandlung bis zum Ende des Lebens, vorausgesetzt, der zu behandelnde Patient bleibt leichtgläubig. Im Prinzip heisst das also nichts weiter, als dass der Leichtgläubige seine Leichtgläubigkeit mit einem Mittel bekämpft, welches nur dann als wirksam gilt, wenn man leichtgläubig genug ist, um an einen solchen Quatsch zu glauben. Mit anderen Worten: je weniger er an den Quatsch glaubt, umso mehr wird er wieder an den Quatsch glauben, weil seine Leichtgläubigkeit mit zunehmender Abnahme seiner Leichtgläubigkeit wieder zunimmt….?!?!  Aaaaarrgh!
Nun ja – immerhin passt eines haargenau: in diesem Falle wird ein verdünntes Gehirn mit verdünnten Mitteln bekämpft, also Gleiches mit Gleichem. Bravo! Endlich einmal passt das, was in der Homöopathie schon lange gequacksalbert verkündet wird.

Da ich den Eintrag in dem erwähnten Schüßler-Salz-Verzeichnis aber eigentlich gar nicht so leichtgläubig glauben wollte und den eher für einen humorvollen untergeschobenen Einzelbeitrag eines skeptischen Spaßvogels hielt, suchte ich nach Einträgen in anderen Verzeichnissen. Und tatsächlich fand ich die Vorschläge noch häufiger, nämlich sowohl im Gesundheits-Lexikon als auch im Lexikon-alternativ-Heilen. Es lassen sich noch viel mehr Hinweise darauf finden.

Das ist tatsächlich auch kein Wunder, denn ich fand in den Verzeichnissen weitere kuriose Schüßler-Salz- Empfehlungen bspw. gegen Beleidigtsein, Besserwisserei, Eifersucht, Gekränktsein, Gereiztheit, Hass und Lieblosigkeit (weiter habe ich nicht geschaut; es ist eine Zumutung, was für einen Schwachsinn man da zu lesen bekommt).
Da ist doch die in einem Forum gestellte Frage, welches Schüssler-Salz denn gegen Dummheit helfen würde, gar nicht mal so abwegig, auch wenn die Moderatorin umgehend auf die Statuten der Webseite verweist. Denn Leichtgläubigkeit ist auch immer eine Form von Dummheit, und die gilt als Volkskrankheit, gegen die es kein Gegenmittel gibt. Oder etwa doch?

„Das meiste Unheil richtet Leichtgläubigkeit an.“
Seneca d.J., Über den Zorn

Jahrmarktsmedizin! – gwup | die skeptiker
Pingback am 2. Sep. 2012 um 16:28 Uhr