Die Naturwissenschaften oder deren Vorläufer wurden in der Geschichte und in ihrer Entwicklung schon oft aus dogmatischen oder religiösen Gründen behindert. Eines der bekanntesten Beispiele ist Galileo Galilei, der allerdings die Einleitung des Verfahrens gegen ihn durch seine Sturheit provoziert hatte. Die römische Inquisition versuchte damit, die Verbreitung des von Galilei favorisierten heliozentrischen Weltbildes zu unterbinden.
Auf ähnliche Weise unterband in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts ein sozialistisch verblendeter Betonkopf die Weiterentwicklung eines bis dahin weltweit anerkannten russischen Wissenschaftszweiges, nämlich die genetische Forschung.  Trofim Denissowitsch Lyssenko konnte mit Hilfe Stalins und des damals strengen sozialistischen Dogmatismus die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Theorien zur Genetik durch politisch motivierte und zudem völlig falsche Vorgaben ersetzen.

Lyssenko, der am landwirtschaftlichen Institut in Kiew als Agronom graduiert hatte versprach als treuer Parteianhänger unter Stalin, alle Ernährungsprobleme in der Sowjetunion zu lösen. Er verwarf die bis dahin fundierte Genetik und wollte bspw. Getreide dadurch winterhart machen, indem er Saatgut einfach der Kälte aussetzte.

1948 wurde in der berüchtigten Augustsitzung der Sowjetischen Akademie für (landwirtschaftliche) Wissenschaften, deren Leiter Lyssenko war, ein formaler Bann gegenüber der Mendel-Weismann-Morgan-Genetik ausgesprochen und diese somit verworfen. Lyssenko ließ zudem seine Kritiker politisch verfolgen und in Straflager bringen. In den folgenden Jahren jedoch blieben die landwirtschaftlichen Erfolge aus und die Bevölkerung erlitt schwerste Hungersnöte. Erst 1962 wurden seine Fälschungen und Ausgrenzungen anderer Wissenschaftler offengelegt. Lyssenko wurde daraufhin von Chruschtschow entlassen. Die biologischen Wissenschaften in der Sowjetunion waren jedoch  – auch personell – durch die blinde Sozialismusgläubigkeit eines Einzelnen so nachhaltig geschädigt worden, dass sie sich im Prinzip bis zum heutigen Tag nicht wieder erholt haben.

Eine interessante sechsminütige Dokumentation findet sich auf Youtube über Trofim Lyssenko (mit Joachim Bublath), welche hier angesehen werden kann (ab3:14):

Lyssenko (links) und Stalin (rechts), Wiki gemeinfrei

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