Katharina Wagner hat es bestätigt: sie verfluche angeblich täglich ihren Urgroßvater dafür, dass der das Festspielhaus in der fränkischen Provinz gebaut hat.
Recht hat sie, warum musste auch der antisemitisch angehauchte Uropa sich soweit auf das bayrische Land zurückziehen und einen Hügel im Provinznest Bayreuth mit einem Festspielhaus verschandeln. Hätte der sächselnde Richard das doch lieber in Dresden oder Leipzig getan, dann wären der Nachwelt vielleicht viele der idiotischen und merkwürdigen Bayreuther Hügelgeschichten erspart geblieben.

Städte wie Dresden oder Leipzig hätten solche Geschichten sicher „mit Links“ verkraftet. Durch ihre inzwischen erledigte politische Nachkriegsgeschichte wäre Richard Wagners Erbe mit seiner emotional-heroischen Musik eher nicht so unpassend kultig oder gar „religiös“ geworden. Das Verhältnis der DDR zu Wagner war nämlich ziemlich ambivalent; er gehörte dort trotz mancher staatlichen Aktivitäten eher zum ungeliebten Erbe. Und einen Vorteil hätten die beiden Städte auch gegenüber Bayreuth gehabt: sie waren und sind immer besser an die Bahn angebunden – auch in DDR-Zeiten.

Aber so blieb Richard Wagner ausgerechnet in Bayreuth, der Kleinstadt, in der man nun jährlich ohne vernünftige Bahnanbindung selbstdarstellenden und in komische Klamotten gehüllten Gestalten aus Politik und Medien beim achselschweißtreibenden Spießrutenlaufen Showlaufen auf roten Teppichen und grünen Hügeln zuschauen kann.

Nebenbei und unbeachtet und irgendwo da unten am Fuße des Hügels hat die Regierung von Oberfranken ihren Sitz. Es gibt dort sogar eine Universität, die Dank Guttenberg auch nicht mehr als glückseliger Hort der Unbefleckten gilt. Bayreuth ist mit seinen gerade mal 73.000 Einwohnern einwohnermäßig das größte Provinznest unter den vier berüchtigten berühmten oberfränkischen Großdörfern, direkt gefolgt von Bamberg (70.000 Einwohner, tiefschwarz) und Hof mit 45.000 Einwohner. Das kleinste und unbedeutendste Großnest unter ihnen ist Coburg mit knapp 40.000 Einwohner. Das ist im Gesamten nicht viel, aber mehr hat Oberfranken nun mal nicht zu bieten, und da muss sich die Urenkelin Wagners auch gar nicht wundern. Im Land der Bratwürste und Grillsteaks kann man nun mal kein großstädtisches Berliner Flair erwarten.

Bayreuth hätte außer den grünen Hügelresten zumindest  ein bisschen Tradition, wenn die Bayreuther ihre eigene Stadt nach dem Krieg nicht so extrem selbst zerstört hätten, dass selbst die Kriegsschäden eine Kleinigkeit dagegen waren. Bis in die 80er Jahre hinein wurde historische Bausubstanz gedankenlos abgerissen, unter anderem auch diverse mit berühmten Persönlichkeiten verknüpfte historische Bauwerke. Vielleicht hätte man das Festspielhaus auch gleich abreissen sollen, dann hätten Andere früher, aber spätestens jetzt Katharina Wagner es an anderer Stelle – vielleicht in Berlin – wieder aufbauen können…