Sigismund Thalberg
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Über Sigismund Thalberg, österreichischer Komponist und einer der prominentesten Klaviervirtuosen des 19. Jahrhunderts spricht kaum noch jemand, dagegen ist Franz Liszt heute noch durchweg bekannt. Zu unrecht, denn Liszt war, wie er selbst in späten Jahren eingestehen musste, künstlerisch der ewige Zweite geblieben. Dass die beiden sich in Paris gemessen haben und Thalberg eher den Sieg davontrug, war eine der großen Demütigungen Liszts, der im Anschluss an ein Konzert Thalbergs in einem Zeitungsbeitrag zwei dort aufgeführte und von Thalberg komponierte Capricen in wütender Arroganz anzüglich und mit deftigen Polemiken verriß.

Franz Liszt
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Genauso verriß Liszt eine vergleichende Bewertung zwischen ihm und Thalberg von François-Joseph Fétis, dem Direktor des Brüsseler Konservatoriums. Liszt sprach Fétis jegliches Beurteilungsvermögen in klaviermusikalischer Hinsicht ab. Fétis hatte Liszt zwar als ausgezeichneten Virtuosen bewertet, Thalberg aber als Erneuerer der Musik beschworen.
Liszt wurde für seine Ausfälle vielgescholten mit dem Hinweis, er solle sich ein Beispiel an dem ausgeglichenen Thalberg nehmen. Thalberg selbst hatte kein  Interesse daran, sich musikalisch mit Liszt zu vergleichen und vermied es lange Zeit, in Gegenwart von Liszt zu spielen. Ihm schien es lediglich um Musik zu gehen, zumal er tatsächlich wesentlich höhere Gagen als Liszt erzielte.
Thalberg und Liszt scheinen sich später angenähert zu haben. Es wird von Konzerten berichtet, in denen Liszt Thalberg (und umgekehrt) für sein virtuoses Klavierspiel ausgesprochen gelobt hat.
Thalberg hat dann später seine Karriere aufgegeben und sich dem Weinbau gewidmet. 1871 starb er in Posillipo in der Nähe Neapels, Liszt 15 Jahre später in Bayreuth.

Doch sowohl der von sich überzeugte Liszt als auch Thalberg hätten ihre Virtuosität nicht ausspielen können, wenn nicht die vielen unbekannten Menschen mit einem nahezu perfekten Gehör dahinter stehen würden, die das zu künstlerischen Höhenflügen verleitende Instrument in die richtige Stimmung bringen.
Wie kompliziert die Tonaufbereitung eines Klavieres oder Flügels eigentlich ist wird erst bewusst, wenn man sich mit Saitenstärke, Mensurberechnung, Schwingungsverhalten, Oktavspreizung und Anschlagsdynamik beschäftigen muss. Das für die meisten anderen Instrumente unübliche Stimmverhalten aufgrund des hohen Tonumfangs ist für den Laien fast nicht hörbar; der Klavierstimmer jedoch hat nicht nur das „im Ohr“. Auch muss er hören und erkennen, ob die einzelnen Tastenanschläge zu hart oder zu weich, im Gesamtbild gleich sind und das Klangbild stimmig ist.
Und auch in Zeiten recht guter elektronischer Stimmhilfen ist die Arbeit eines Klavierstimmers wie zu Thalbergs und Liszts Zeiten zumeist völlig unelektronisch und alleine von dem kritischen Hörvermögen des Klavierstimmers abhängig.

Klavierstimmer bei der Arbeit an einem Flügel (zum Vergößern Bild klicken)

Bild: Blogautor CC BY-SA 3.0

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